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Bad Schwartau Schlittenhunde statt Pferd: Schulunterricht in der Wildnis
Lokales Bad Schwartau Schlittenhunde statt Pferd: Schulunterricht in der Wildnis
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09:37 28.07.2014
Von „Feli“ muss sich Torbjörn vorerst verabschieden. Dafür erwartet ihn ein Leben mit 40 Huskys. Quelle: Binder
Stockelsdorf

Torbjörns Klassenkameraden haben noch vier Wochen Sommerferien. Er selbst nur noch vier Tage. Am Donnerstag beginnt für den 13-Jährigen ein Schuljahr der besonderen Art: Dann geht es für den Stockelsdorfer in ein „Outdoor College“ in der norwegischen Wildnis; statt des Klassenzimmers am Bad Schwartauer Leibniz-Gymnasiums erwarten ihn Unterrichtsstunden unter freiem Himmel und Expeditionen mit Schlittenhunden. Für sieben Monate tauscht der Neuntklässler seinen gewohnten Alltag gegen ein Leben ohne Computerspiele, Handy oder Fernseher — dafür mit Aufgaben wie kochen, waschen und putzen.

Als er von dem Projekt erfahren habe, sei er sofort begeistert gewesen, erinnert sich Torbjörn. Dass er sich vom gewohnten „Luxus“ verabschieden muss, schreckt ihn nicht: „Ich find‘s nicht schlimm, auf mein Handy oder aufs Fernsehen zu verzichten“, sagt er, „für sowas werden wir bestimmt sowieso keine Zeit haben.“ Denn für die insgesamt 23 Jugendlichen steht ein prall gefüllter „Stundenplan“

auf dem Programm: Neben Unterricht nach Lehrplan sind zahlreiche Ausflüge geplant, bei denen die jungen Teilnehmer etwas über die Natur lernen; außerdem soll es eine Art „Überlebenstraining“ mit Outdoor-Experten geben und einen Kursus in der Landessprache Norwegisch. Und selbst eine Tour zum Einkaufsladen wird viel Zeit in Anspruch nehmen: Vier Kilometer müssen von der Unterkunft bis dorthin zurückgelegt werden.

Seine zukünftigen „Klassenkameraden“ hat Torbjörn schon kennengelernt: Eine Woche lang konnten sie bei einem Segeltörn auf der Schlei schon ein wenig „Outdoor- College-Luft“ schnuppern, um sich auf das kommende Abenteuer einzustimmen. „Die sind alle total nett“, lautet danach das Fazit des Stockelsdorfer Schülers, der sich mit dreien der weiteren Teilnehmer bald ein Zimmer in einer Jugendherberge teilen wird. „Das wird bestimmt lustig“, ist er überzeugt.

Am meisten freue er sich darauf, viel Zeit unter freiem Himmel zu verbringen, erzählt Torbjörn. „Ich bin gerne draußen“, sagt der Junge, der regelmäßig mit Pferd „Feli“ vom Krumbecker Hof ausreitet und häufig im Garten Fußball spielt. Dass bald auch der Schulunterricht draußen stattfinde, sei „einfach super“, sagt der Jugendliche, „und ich hoffe, wir erfahren auch viel über die Wildnis“.

Torbjörns Mutter Stefanie Kagel wirkt so kurz vor der Abreise ihres Sohnes ebenfalls noch ziemlich entspannt. „Er ist einfach mit so viel Herzblut bei der Sache“, erklärt sie, „ich merke, wie wichtig ihm das Projekt ist — deshalb glaube ich auch, dass es für ihn eine tolle Erfahrung wird.“ Wiederkommen werde Torbjörn wahrscheinlich „als Erwachsener“, vermutet sie, im „Outdoor-College“ würden die Jugendlichen sicherlich auch viel Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein lernen.

Seine Familie und seine Freunde würden ihm bestimmt schon fehlen, gibt Torbjörn zu. Zu ihnen wird er in den kommenden Monaten kaum Kontakt haben: Geplant ist, dass die Schüler nur eine Stunde in der Woche über das Internet Kontakt nach Hause aufnehmen können — nur für besondere Anlässe sollen Ausnahmen gemacht werden. Sorgen darüber, dass sich nach seiner Rückkehr deshalb einiges verändert haben könnte, mache er sich aber nicht, sagt der 13-Jährige. Wenn er Anfang März seine Freunde wiedersehe, „wird bestimmt alles sein wie jetzt auch“, ist er sich sicher.

Mit einer kleinen Party will er sich noch von ihnen verabschieden. Ansonsten steht für die letzten Ferientage vor allem Packen auf dem Programm. Am Donnerstag geht es dann in Kiel auf die Fähre — in Richtung Wildnis und Abenteuer.

Dieses Jahr ist die Premiere
Das Projekt „Outdoor College“ startet dieses Jahr in die erste Runde. Lehrer und Outdoor-Experten betreuen die Teilnehmer während der sieben Monate in der norwegischen Wildnis. Zum Team gehören außerdem 40 Huskys, mit denen es auf Expeditionen geht.
• Weitere Infos gibt es im Internet unter www.outdoor-college.de.

Jennifer Binder

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