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Bad Schwartau Schwartauer Werke helfen Marmeladenkoch Klaas (6)
Lokales Bad Schwartau Schwartauer Werke helfen Marmeladenkoch Klaas (6)
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17:59 31.08.2017
Dieses Bild hat sich seit Montag im Internet wie ein Lauffeuer verbreitet. SCREENSHOT: LN
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Bad Schwartau

Eine bittersüße Geschichte erreicht die Marmeladenstadt Bad Schwartau: Hunderte fühlen mit dem sechsjährigen Klaas mit. Der Junge ist in den vergangenen Wochen zum heimischen Marmeladenkoch geworden. Angetrieben von seinem großen Wunsch, sich eine Spielkonsole zu kaufen. Sein kleiner Straßenladen allerdings wurde in der Nacht zu Montag leergeräumt – im Internet ist die Resonanz überwältigend. Auch die Chefetage der Schwartauer Werke zeigt Mitgefühl und will nun helfen.

Klaas ist schon wieder dabei, zu Hause neue Gläser vorzubereiten. Quelle: Foto: Miriam Dijkman (hfr)

Spielzeuge fallen nicht vom Himmel. „Das ist zu Weihnachten oder zum Geburtstag viel zu teuer“, erklärt sein Vater Björn Dijkman. „Er soll auch lernen, dass man nicht alles hinterhergeworfen kriegt.“

Das brachte Klaas auf eine Idee: Das Geld selbst verdienen. Mit gekochter Marmelade. Im Nachbarland Dänemark, wo die Familie oft mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat er sich abgeguckt, dass kleine Läden am Straßenrand stehen. Also hat er mit seinem Papa einen alten Schrank hergerichtet, vor dem Haus in Mielkendorf bei Kiel an die Straße gestellt und mit den selbstgekochten Süßigkeiten versehen – zusammen mit einer Kasse des Vertrauens. „Das war nie ein Problem“, erzählt sein Vater. Rund 30 Gläser wechselten den Besitzer.

Doch dann haben sich Unbekannte an dem kleinen Regal bedient und die Ware mitgenommen – ohne zu bezahlen. Diese enttäuschende Entdeckung veröffentlichte die Familie auf Facebook. „Die Marmeladen hat er zum großen Teil selbst gekocht oder zumindest mitgekocht und die Früchte selbst geerntet“, heißt es in dem Beitrag, „wir werden die neuen Marmeladen jetzt wohl abends immer reinholen müssen

. . . wahrscheinlich hat niemand etwas gesehen, wenn doch, danken wir für Informationen.“ Und noch versehen mit dem Hinweis: „PS. Wir brauchen dringend Früchte, damit wir neue Marmeladen kochen können. Zwinkersmiley.“

Die Folge: Der Beitrag wurde in nur drei Tagen über tausend mal geteilt. „Das hat sich so schnell verselbstständigt, wir haben hunderte Rückmeldungen bekommen“, erzählt Björn Dijkman. „ Was für eine Sauerei! Schade, da wurde das Vertrauen übel missbraucht“, schreibt Heike Reim dazu. „Schade, hoffe derjenige bekommt Gewissensbisse und besinnt sich“, sagt Michaela Totzke. „Da die Saison langsam zu Ende geht und Klaas vielleicht neue Früchte kaufen muss, würde ich ihn gern unterstützen“, schreibt Heiko Paschen. Nachbarn aus dem Dorf haben Klaas zum Äpfelpflücken eingeladen, was er prompt gemacht hat. Bekannte bringen Gläser vorbei, spenden sogar, damit Früchte gekauft werden können. Und dann erreicht die Nachricht die Schwartauer Werke. Das Unternehmen hat Klaas und seine Familie eingeladen, in den Herbstferien Bad Schwartau zu besuchen. „Unsere Mitarbeiter aus der Produktentwicklung werden mit Klaas seine Lieblingskonfitüre kochen und dabei alle Fragen rund um Konfitüre und Früchte beantworten. Das Ergebnis darf Klaas mit nach Hause nehmen und kann seinen Marmeladenshop wieder neu befüllen“, sagt Christian Passarge, Sprecher der Schwartauer Werke. Der Sechsjährige darf zudem einen Blick hinter die Kulissen in der Konfitürenproduktion werfen. „Uns hat die Eigeninitiative von Klaas beeindruckt, mit der er sich für die Erfüllung seines Traums einsetzt. Früchte sammeln, Konfitüre kochen, den Stand bauen – hier stecken viele Stunden Arbeit drin, die nun über Nacht zunichte gemacht wurden. Es ist uns eine Herzensangelegenheit, Klaas zu unterstützen. Jeder fängt mal klein an.“

Für seinen Sohn sei die Verbreitung im Internet gar nicht zu überblicken, sagt Björn Dijkman. „Aber er hat an einem Tag zwei Dinge gelernt: Dass es echt blöde Menschen gibt. Und dass es noch viel mehr Menschen gibt, die helfen.“

 Irene Burow

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