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Schweinepest: Die große Wildschweinjagd als Lösung?

Bad Schwartau Schweinepest: Die große Wildschweinjagd als Lösung?

Sie kommt immer dichter – die Afrikanische Schweinepest. Von Osten rollt sie heran. Bis Warschau hat sie es schon geschafft. „Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie Deutschland erreicht“, sagt Tim Techau, Hegeringleiter von Bad Schwartau. Doch wie löst man das Problem?

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Wildschweinjagd im Curauer Moor: Die Treiber mit ihren Jagdhunden begeben sich vor Beginn der eigentlichen Jagd auf ihre Positionen zum Durchkämmen eines Wäldchens, andere sind zugleich am Waldrand als Schützen postiert. 

Quelle: Doreen Dankert

Bad Schwartau. Dass der Wildschweinbestand in deutschen Landen – und auch in Ostholstein – inzwischen „viel zu hoch“ sei, das bestätigen die Jäger unisono. Genügend Begebenheiten beweisen das. Zum Beispiel diese, dass Spaziergänger im Bad Schwartauer Kurpark in Zentrumsnähe immer wieder Wildschweinen am helllichten Tag begegnen – und aus Angst den Park immer häufiger meiden.

LN-Bild

„Man kann nicht einfach alle Wildschweine totschießen.“Tim Techau Hegeringleiter

Allein im Curauer Moor, einem knapp vier Quadratkilometer großen Naturschutzgebiet, leben nach Schätzungen der Jäger aktuell rund 300 Wildschweine. Der Bestand sei hier in den vergangenen Jahren „sehr stark gestiegen“, sagt Henning Wilcken, einer von drei Jagdpächtern im Moor.

Der Deutsche Bauernverband hat nun die Idee, 70 Prozent des Bestandes an Wildschweinen zu töten, um die Gefahr der Schweinepest-Infektion zu bannen. Aber wie viel sind 70 Prozent überhaupt? Experten schätzen, dass in Deutschland aktuell zwischen drei und fünf Millionen Wildschweine leben. Pro Jahr werden im gesamten Bundesgebiet etwa 600000 Schwarzkittel zur Strecke gebracht. Vor 35 Jahren waren es nur 100000 erlegte Borstentiere pro Jahr.

70 Prozent des Gesamtbestandes – bei drei Millionen Wildschweinen wären das 2,1 Millionen Tiere, die getötet werden sollten – und zwar möglichst schnell.

„Aber das ist nicht so einfach“, sagt Tim Techau, „man kann nicht einfach hingehen und alle Wildscheine totschießen.“ Das Problem der herannahenden Schweinepest werde dadurch nicht gelöst, so Techau.

„Mal ganz abgesehen davon, dass man das hier in Deutschland nicht so machen kann wie in Tschechien“, sagt Techau, „denn hier haben wir viel zu dicht besiedeltes Gebiet.“ In Tschechien hat die Regierung inzwischen sogar Scharfschützen dazu verdonnert, auf Wildschweine zu schießen, um den Bestand zu dezimieren.

Sicher müsse auch in Deutschland der Bestand deutlich reduziert werden, so Techau. Doch eine 70-prozentige Reduzierung des Bestandes innerhalb eines überschaubaren Zeitfensters hält Techau für nicht realistisch.

Der Bad Schwartauer Jagdpächter Dietrich Klindwort pflichtet Techau bei. „Mit herkömmlichen Mitteln wie Drückjagd kann man das nicht schaffen“, sagt Klindwort. Aber was dann? „Die Diskussion vom Jagdethos in Deutschland ist ein Hemmnis“, erklärt Klindwort. Tim Techau spricht gar von einem „Kommunikationsdefizit“. „Der Jagdverband und der Umweltverband müssen den Schulterschluss wagen“, betont Techau. Und wenn man miteinander redet, dann muss auch das Thema Bio-Mais auf den Tisch. Denn dieser wurde als Treibstoff für Biogas-Anlagen in den vergangenen Jahren in immer größerem Stil angebaut. Tim Techau sieht zwischen dem vermehrten Maisanbau und der starken Vergrößerung des Wildschweinbestandes einen großen Zusammenhang. Mais ist nämlich eine Leibspeise der Borstentiere.

Dass man ein Überschwappen der Schweinepest nach Deutschland verhindern kann, das glaubt auch Dietrich Klindwort nicht. Um diese Seuche auszumerzen, plädiert Klindwort dafür, EU-Mittel zu investieren und die Krankheit in Osteuropa, wo sie schon flächendeckend grassiert, zu bekämpfen. „Beim Fuchs haben wir durch Immunisierung die Tollwut in den Griff gekriegt“, sagt Dietrich Klindwort, der dafür plädiert, der Pest auf ähnliche Weise Herr zu werden.

Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich, wohl aber für Hausschweine. „Und deswegen ist der größte Schaden, der hier in Deutschland bei Ausbruch der Pest entstehen würde, ein wirtschaftlicher Schaden“, sagt Tim Techau und mahnt zugleich, nicht in Panik zu verfallen. „Die Gesundheit der Menschen ist nicht gefährdet.“

Wie aufwendig so eine Wildschweinjagd sein kann, das zeigt das Beispiel von der Jagd im Curauer Moor vor wenigen Wochen (die LN berichteten). Mit 30 Jägern hat Henning Wilcken einen Teil des Moores durchkämmt und 17 Wildschweine zur Strecke gebracht. 17 von 300. „17, das ist schon ein sehr gutes Ergebnis“, erklärt Wilcken, „erst recht bei so wenigen Jägern, denn normalerweise sind wir um die 45 bei so einer Jagd. Deshalb zeigt die Zahl 17, wie hoch der Bestand sein muss.“ Aber 70 Prozent von 300, das wären dann über 200 Wildschweine, die hier erlegt werden müssten. Zeitnah. „Und das ist einfach unmöglich“, sagt Techau.

Viruserkrankung

Afrikanische Schweinepest ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung mit ihrem Ursprung in Afrika südlich der Sahara. Übertragen wird das Virus durch Zeckenstiche oder direkten Kontakt mit erkrankten Tieren. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich. Durch Reiseverkehr kam es zur Verschleppung des Virus in andere Teile der Welt unter anderem Brasilien, Kuba oder Spanien und seit 2014 in die östlichen EU-Länder. Bis dato ist die Schweinepest in Deutschland noch nie aufgetreten.

 Doreen Dankert

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