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Bad Schwartau Seit 50 Jahren: Eisenbahner als Wassersportler auf der Teerhofsinsel
Lokales Bad Schwartau Seit 50 Jahren: Eisenbahner als Wassersportler auf der Teerhofsinsel
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21:03 19.08.2017
Uwe Wiskow (74): „Auf dem Steg sitzen, eine Flasche Bier trinken und einen ausschnacken. Das macht für mich den Verein aus.“

Uwe Wiskow (74) schwingt den Pinsel und sorgt für frische Farbe an den Fensterrahmen des Vereinsheims. Peter Noetzel (57) kümmert sich mit einem Graskantenschneider ums Grün und Lutz Bormann (51) wienert mit einem Lappen die Optis an Land. „Zum Jubiläum soll ja alles gut aussehen“, sagt Peter Herrwaldt. Der 73-Jährige ist der Leiter der Wassersportabteilung im Eisenbahner Sportverein Hansa Lübeck (ESVHL). Die Abteilung feiert am nächsten Sonnabend, 26. August, ihr 50-jähriges Bestehen.

Heute in einer Woche feiert der Eisenbahner Sportverein Hansa Lübeck sein Jubiläum.

Am Vereinshaus

Mit geladenen Gästen feiern die Mitglieder des ESVHL am Sonnabend, 26. August, ihr Jubiläum auf dem Vereinsgelände mit Bierwagen und Grillwurst. Auf dem Programm steht neben Reden auch der Auftritt von einem Shanty-Chor.

Der Arbeitsdienst ist für die Mitglieder keine Belastung. Im Gegenteil. „Wir genießen die Gemeinschaft. Das ist eine wunderschöne Sache“, sagt Hafenmeister Peter Michelsen (83), der wie Benno Stuth (79) seit mehr als 40 Jahren dem ESVHL die Treue hält. Die Arbeiten, die in diesen Tagen anliegen, sind im Vergleich zu den Gründungszeiten des Vereins allerdings Kinkerlitzchen. Die Gründung des Vereins war nämlich verbunden mit einem enormen Kraftakt. Das heutige Vereinsgelände am toten Arm der Trave war 1967 eine einzige sumpfige Kuhle. Um das Gelände überhaupt nutzbar und tragfähig zu machen, wurde Altschotter und Bauschutt angekarrt. Wie es sich für Eisenbahner gehört, wurde das Füllmaterial auf Schienen angeliefert. Auf einem Abstellgleis auf der Teerhofsinsel wurden die Waggons abgestellt und entladen. „Das wurde alles per Hand gemacht. Ohne Kran, Bagger oder andere technischen Hilfen“, weiß Herrwaldt. Insgesamt 70 Waggons mit Schotter und Bauschutt wurden von Hand entladen und mit Schubkarren zum Bauplatz gebracht. Die Mitglieder mussten damals nicht nur ordentlich buckeln, sondern sich auch für mindestens acht Arbeitsstunden pro Monat verpflichten. Ab 1969 waren nur noch 40 Arbeitsdienststunden im Jahr Pflicht.

„Da sind unsere 20 Stunden Arbeitsdienst im Jahr jetzt doch ganz akzeptabel“, erklärt Abteilungsleiter Herrwaldt, der mit dem Zustand des Vereinsgeländes aber ganz zufrieden ist. „Es kann natürlich immer alles besser sein, aber unser Areal ist gut in Schuss“, lobt Herrwaldt, der eines aber ganz besonders schätzt. „Bei uns wird wie überall gern mal gefrotzelt, aber es gibt keinen Streit oder Zoff. Das macht das Vereinsleben hier so angenehm“, berichtet er. Gute Kontakte und freundschaftliche Verhältnisse pflegt der ESVHL auch zu den benachbarten Vereinen (Schwartauer Segler-Verein und Stettiner Yacht-Club).

Der ESVHL verfügt über 42 Liegeplätze – fest vergeben sind 34. Regelmäßig kommen auch Gastlieger, die die ruhige Lage und die recht niedrige Liegegebühr (zehn Euro am Tag) beim ESVHL schätzen. Auch die Mitglieder, die überwiegend aus Lübeck, Hamburg und der Region kommen, haben günstige Tarife. „Mit 300 Euro für einen Liegeplatz sind wir sehr günstig“, erklärt Herrwaldt, der wie die meisten anderen Mitglieder mit der Eisenbahn gar nichts zu tun hat. So hat der Verein unlängst das Gelände Anfang der 1990er von der Deutschen Bahn übernommen.

Doch ganz ohne Eisenbahn geht es beim ESVHL auch heute nicht. Beim Ein- und Auslagern der Schiffe werden die Schiffe auf Schienen in Position gebracht. „Mit einem Kran können ja alle arbeiten. Wir sind schon etwas anders“, sagt Herrwaldt mit einem Augenzwinkern. Dass der ESVHL über keinen Kran verfügt, hat aber einen ganz einfachen Grund. „Unser Gelände ist zu klein und auch der Untergrund ist dafür nicht geeignet“, begründet der Abteilungsleiter die aufwendigen Arbeitsschritte.

 Sebastian Prey

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