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Bad Schwartau Serbischer Familie droht die Abschiebung
Lokales Bad Schwartau Serbischer Familie droht die Abschiebung
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10:38 28.04.2016
Sind ein super Team: Sanja Djordjevic, Inhaberin Tanja Prüssing und Kollegin Anita Maaß (v. l.).  Quelle: Burow
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Bad Schwartau

Sie ist eine große Bereicherung in Zeiten des Fachkräftemangels: Die Serbin Sanja Djordjevic arbeitet seit einem Jahr im Friseursalon „Kopfsache“ in der Lübecker Straße Bad Schwartaus. Doch jetzt hat ihre Familie ein dickes Schreiben von der Ausländerbehörde des Kreises Ostholstein bekommen — den Ablehnungsbescheid. „Der Ihnen zugestellte Asylablehnungsbescheid mit Ausreiseaufforderung und Abschiebungsandrohung ist zwischenzeitlich vollziehbar geworden“, heißt es darin. „Sie und Ihre Familie sind zur unverzüglichen Ausreise aus der Bundesrepublik Deutschland verpflichtet.“

 

Sanja und Milan Djordjevic müssen mit ihren Kindern ausreisen.

„Wir sind ein unglaublich tolles Team. Und jetzt wird sie uns entrissen.“ Tanja Prüssing, Inhaberin des Salons „Kopfsache“

Ihre Chefin Tanja Prüssing kann es nicht fassen. Die Entscheidung macht sie traurig und wütend zugleich. Mit Tränen in den Augen habe die Frau in der vergangenen Woche im Laden gestanden und gesagt, sie müsse sich nun eine neue Mitarbeiterin suchen. „Es ist ganz bitter für die Familie. Wir brauchen Fachkräfte, ich suche schon seit vier Jahren!“, sagt die Inhaberin. Auf Anzeigen würde sich niemand melden. „Einheimische Friseure machen sich für den Mindestlohn morgens nicht fertig“, kritisiert sie. Zudem ließen die Manieren und Arbeitseinstellungen oft zu wünschen übrig. Endlich hatte sie eine geeignete Mitarbeiterin gefunden: „Sie kommt sofort zur Arbeit, wenn wir sie brauchen. Sie ist immer pünktlich, nie krank. Sie kommt durch die Tür und fängt sofort an zu arbeiten“, lobt Prüssing. „Wir sind ein unglaublich tolles Team. Und jetzt wird sie uns entrissen.“

Sanja Djordjevic ist angesehen bei den Kunden, welche ihr immer gern beim Deutschlernen helfen. „Wir hätten niemals damit gerechnet, dass sie ausreisen muss. Wir wollten es einfach nicht glauben“, schimpft auch Kollegin Anita Maaß. „Sie kann sich als Roma in der Heimat kein Leben aufbauen, so wie hier. Sie findet dort keine Arbeit.“ Mehr noch: In dem Bad Schwartauer Salon hätte die Frau eine Ausbildung machen können, damit sie einen Abschluss in der Tasche hat, der in Deutschland anerkannt ist. „Das hätte ich ihr angeboten“, so Tanja Prüssing. Auch der Mann von der Serbin habe in der Stadt Arbeit gefunden — bei den Schwartauer Werken. „Die beiden haben echt gekämpft“, sagt sie. „Die Familie ist mit ihren Kräften am Ende“, sagt Anita Maaß. „Wenn man monatelang mit dem Kopf gegen die Wand rennt, kann ich das gut verstehen.“ Aus diesem Grund fällt es der Serbin auch schwer, sich selbst gegenüber der Zeitung zu äußern, stimmt aber einer Veröffentlichung dieser Entwicklung zu.

Seit Februar 2015 ist sie mit ihrem Mann und ihren beiden drei- und sechsjährigen Kindern in Bad Schwartau. Die vier sind mit dem Bus aus dem südosteuropäischen Staat geflohen, verbrachten eine Zeit in Hamburg, Neumünster und Oldenburg in Holstein, bis sie nach Bad Schwartau durften.

Jetzt wurde der Asylantrag endgültig abgelehnt. Tanja Prüssing sieht aber noch eine geringe Chance, dass die Familie bleiben kann. So wurde ein Anwalt eingeschaltet, der den Fall prüft. Sie und Anita Maaß wollen sich noch einmal stark machen, haben sich mit der Kirche, mit Behörden, der Stadt und Flüchtlingsbetreuern in Verbindung gesetzt, um zu erfragen, was noch möglich ist. Kundinnen haben vorgeschlagen, Unterschriften zu sammeln. Denn eines steht für die beiden Frauen fest: Ihre neue Mitarbeiterin wird fehlen und so schnell nicht ersetzt werden können. „Wir wollen ihr auf jeden Fall zeigen, dass wir alle hinter ihr stehen“, sagt Maaß.

Von Irene Burow

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