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Bad Schwartau „Sie beherrschen das Trommeln wie ’ne Eins“
Lokales Bad Schwartau „Sie beherrschen das Trommeln wie ’ne Eins“
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20:50 10.08.2016
Der Umgang der Männer mit den Awo-Frauen klappt problemlos: „Sie wissen, dass es absolut normal ist, dass Frauen hier durchaus das Sagen haben“, sagt die Musikerin Gesa Richter. Quelle: Irene Burow
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Bad Schwartau

Alle in der Runde schweigen, Khalid Mirzad hat allein angefangen zu singen. Es sind afghanische Töne, er hat sie von zu Hause mitgebracht. Es klingt beinahe wie ein Klagelied, und anschließend hält er denn auch sein Herz fest und sagt in englischer Sprache: „Mein Herz ist versteinert, es sind so viele Menschen gestorben.“ Seine ganze Familie ist verstreut in verschiedenen Ländern. Gleichzeitig sagt er aber auch, wie dankbar er ist, in dieser Runde Musik machen zu können. Denn hier kann er für eine Stunde seine Sorgen vergessen.

„Manchmal ist das echt abgefahren.“Gesa Richter,

Musikerin und Musikschulleiterin

„Die ersten Wochen waren schwer“, sagt Gesa Richter, bevor die Musikrunde beginnt. „Come together“, also kommt zusammen, heißt das Treffen, das von der Arbeiterwohlfahrt im April ins Leben gerufen wurde. Es soll Einheimische und Flüchtlinge zusammenbringen. „Jeder Kurs lief anders, denn es kamen immer neue Menschen“, sagt die Leiterin. „Die Sprachen sind natürlich sehr verschieden. Doch es hat sich ein kurdischer Arzt gefunden, der drei Sprachen spricht. Das ist ganz toll, er kommt jetzt regelmäßig mit seinem Sohn und übersetzt.“ Wie überall gebe es in so einer Gruppe manchmal Antipathien, „aber sobald wir loslegen, ist das wie weggeblasen“. Die Instrumente sind so vielfältig wie die Nationalitäten: Trommeln, Flöten, eine Daburka – eine arabische Bechertrommel –, verschiedene Rasseln, Tamburine oder das Cajón zählen zum Repertoire von Gesa Richter. Ein Startsignal gibt es dabei nicht. „Sie fangen einfach an“, sagt die Vorsitzende der Awo in Bad Schwartau, Hannelore Witt. Keine Einführung, keine Rede und inzwischen gibt es auch keine Vorbereitungen mehr. Gesa Richter, die die Musikschule „Musique Zaza“ in Lübeck gegründet hat, hat davon abgelassen. „Das ist das Geheimnis, ich mache gar nichts. Ich habe das Auto voller Trommeln, und das wars.“ Improvisation sei hier alles. „Je mehr wir aufgeben, einen Plan zu verfolgen, umso mehr ist möglich“, schwärmt sie.

„Manchmal ist das echt abgefahren: Da habe ich gedacht, das hätte man, so wie es ist, auf eine CD brennen können.“ Sie nennt das inzwischen magic moments (magische Momente), wenn sich schöne Situationen von ganz allein ergeben. Wenn sich zum Beispiel Kinder an den Fenstern die Nase platt drücken. Oder wenn spontan getanzt und gesungen wird. „Die Teilnehmer sind voller Überraschungen. Sie beherrschen das Trommeln wie ’ne Eins. Sie sind damit groß geworden“, erklärt sie. Sie sei sehr viel in den Orient gereist und die Treffen erinnern sie daran. Inzwischen komme sogar ein Familiengefühl auf. „Wir reden auch über die Geschichten, die jeder zu erzählen hat. Wie viele Kilometer jeder gelaufen ist, was sie hinterlassen haben“, sagt die Musikerin für Klarinette, Saxophon, Gesang und Klavier. „Es ist mir fast etwas unheimlich, aber sie sind dankbar ohne Ende. Über Deutschland höre ich immer nur: ,Toll, hier ist alles toll’“ Viel mehr ist gar nicht nötig. „Man muss nichts leisten, sondern nur sein Herz öffnen. Dann blicken dir die Menschen direkt in die Seele.“ Die Leiterin des Treffens „Come together“ wünscht sich, dass noch mehr Deutsche an den Treffen teilnehmen. Und auch die Frauen der Flüchtlingsfamilien blieben oft zu Hause. „Sie integrieren sich nicht von allein, aber wenn man sie ein bisschen führt, freuen sie sich total“, weiß Gesa Richter.

Treff ist immer dienstags von 19 bis 20.30 Uhr bei der Awo, Auguststraße 34a. Auch in den Sommerferien. Die Teilnahme ist kostenlos.

Irene Burow

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