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Bad Schwartau Sie haben beim Hausbrand alles verloren
Lokales Bad Schwartau Sie haben beim Hausbrand alles verloren
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15:43 07.12.2017
Vanessa Worreschck und Kevin Paschkewitz suchen für sich und Tochter Mia-Sofie dringend eine neue Wohnung in Bad Schwartau. Quelle: Mertz
Bad Schwartau

„Ich habe hinten zum Fenster rausgeschaut und dachte, es sei neblig“, erinnert sich Kevin Paschkewitz, „doch als ich nach vorne rausguckte, war es da ganz klar.“ Er wollte das hintere Fenster öffnen, „da hörte ich schon Rufe von draußen, dass es qualmt“. Vanessa Worreschck rannte sofort zum Kinderzimmer, wo Tochter Mia-Sofie schlief. Sie schnappte sich die Vierjährige, ihr Freund Kevin einen Schneeanzug für die Kleine. „Dann sind wir raus auf die Straße.“ Der 27-Jährige dachte sogar noch daran, das Auto umzuparken, „damit die Feuerwehr Platz hat“.

 

Seit der Brandnacht sind „Rocky“ (l.) und „Brian“ verschwunden. Die Familie hofft, sie lebend zu finden. Quelle: Fotos: Privat

Kontakt

Wer der Familie helfen möchte, kann sich bei Kevin Paschkewitz (Telefon 0152/34353872) oder bei Worreschcks (0451/ 88191229) melden.

Dringend benötigt wird neben einer Wohnung vor allem ein Fahrradanhänger, um Mia-Sofie in den Kindergarten zu bringen.

Drei Tage später sitzt das Paar auf dem Sofa im Wohnzimmer von Vanessas Eltern. Sabine und Michael Worreschck haben sie in ihrem kleinen Reihenhaus aufgenommen, in dem noch zwei jugendliche Söhne wohnen. Jetzt müssen sechs Erwachsene und ein Kind eng zusammenrücken. Mittlerweile ist klar: Die kleine Familie wird nicht wieder in ihre Wohnung zurückkehren können. Durch das Feuer und die langwierigen Löscharbeiten ist das Gebäude in der Rantzauallee nicht mehr bewohnbar (die LN berichteten).

„Wir haben erst ein knappes Jahr dort gewohnt, hatten uns gerade richtig eingerichtet.“ Vanessa schüttelt während ihrer Erzählung immer wieder den Kopf. Jetzt ist alles zerstört. Mia-Sofies erster Strampler, ihre Lieblingskuscheltiere, Kevins Elektro-Geräte, seine große Leidenschaft. Für Vanessa am schlimmsten: Seit der Brandnacht sind zwei der drei Katzen der Familie verschwunden. „Wir wissen nicht mal, ob sie es ins Freie geschafft haben. Wir haben alle Türen offen gelassen“, sagt sie. Nachgucken dürfen sie nicht, „könnte ich auch nicht“. Also halten Nachbarn die Augen offen, Vanessa hat einen ihrer Pullis in den Garten gelegt. Vielleicht hilft’s. Die 25-jährige angehende Altenpflegerin zuckt mit den Schultern.

Sie hält sich tapfer. „Zum Glück sind wir heil rausgekommen“, sagt Vanessa, „wenn meiner Tochter etwas passiert wäre . . .“ Mia-Sofie hat Albträume, ruft nachts nach ihrer Mama. Jetzt stehen Tränen in ihren Augen. Schnell weggewischt, sie will nach vorne sehen.

Auch auf der Facebook-Seite der LN ist die Anteilnahme groß:

Nach dem Hausbrand in der Bad Schwartauer Rantzauallee steht diese Familie vor dem Nichts. Derzeit sucht das Paar mit...

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Mittwoch, 6. Dezember 2017

„Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend“, berichtet Kevin Paschkewitz. Schon am Tag nach dem Unglück habe das Telefon nicht mehr stillgestanden. Auch jetzt guckt Mutter Sabine ins Zimmer: „Ihr bekommt Handtücher und Geschirr. Ich krieg noch Fotos.“ Im Wohnzimmer stapeln sich Kisten mit Spielsachen, Tüten voller Kleidung. Es gab auch schon Angebote für Betten. Das Problem: Solange das Paar keine Wohnung hat, weiß es nicht, wohin mit den Sachen. „Dann wissen wir auch, was fehlt. Wir wollen ja keinen Profit aus der Sache schlagen und mehr annehmen, als wir brauchen“, betont Vanessa. Und erstmal brauchen sie eine Wohnung im Raum Bad Schwartau, drei Zimmer, nicht mehr als 800 Euro warm. „Die darf auch renovierungsbedürftig sein“, sagt Kevin, „das schaffen wir schon.“

Sie wollen alles schaffen. Erstmal haben sie sich einen Anwalt genommen; das Mietverhältnis muss gekündigt werden, sie wollen ihre Kaution wiederhaben. Vom Vermieter haben sie seit dem Brand nichts gehört. Bei der Kripo haben sie eine Aussage gemacht. „Wir wollten es hinter uns haben“, sagen sie. Zur Brandursache wissen sie nichts Näheres. „Ein Kurzschluss“, vermuten sie. Rückblickend fällt ihnen vieles auf: der merkwürdige Geruch, die verrammelten Fenster, die nur sporadische Anwesenheit des Nachbarn, der Wasserfleck an ihrer Decke – „da hat nicht jemand nur hobbymäßig ein paar Pflanzen angebaut.“

Hätten sie gewusst, dass über ihren Köpfen Hanf angebaut wird, wären sie längst weggewesen, sagen sie: „Vielleicht war der Brand ein Schlag vom Schicksal ins Gesicht, um uns da rauszubekommen.“

 Ilka Mertz

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