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Bad Schwartau So war das Weihnachtsfest früher
Lokales Bad Schwartau So war das Weihnachtsfest früher
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02:40 25.12.2012
Neben Bruder Peter saß Harald Werner auf dem Schoß der Mutter.

Eines ist wohl damals wie heute überall gleich: Am Heiligabend dürfen die Kinder länger aufbleiben als sonst und mit den Geschenken spielen. Doch wohl kaum ein Kind hält dabei so lange durch wie Heinz Elendt, der Vorsitzende des VfL Bad Schwartau, vor fast 60 Jahren. „Bis morgens früh um vier Uhr haben wir mit den neuen Geschenken gespielt“, schwärmt er. Vorher wurden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen, die Großmutter las aus der Bibel vor, und auf dem Tisch stand ganz traditionell Kartoffelsalat mit Würstchen. Am späten Nachmittag gingen alle gemeinsam in die Kirche, später spielte Elendt sogar selbst an Weihnachten im Posaunenchor. Die Familie mit vier Kindern lebte zunächst in Ostenfeld bei Husum auf engstem Raum, nebenan gleich eine weitere Familie, mit der man das Weihnachtsfest gemeinsam verbrachte.

„Großes Geld war früher nicht da, deswegen wurde der Baum auch mit Lametta, Schokoladenteilchen und Keksen geschmückt“, erzählt Elendt, „da musste man aufpassen mit einem größeren Bruder, dass man überhaupt was abbekam, wenn man von der Tanne naschen wollte.“ Die, so erinnert sich Elendt, war dann auch ziemlich schnell nach dem Heiligabend wieder kahl. Und auch an ein Geschenk erinnert er sich genau: ein kleines Schaukelpferd aus Holz, das früher einmal seinem Bruder gehörte. „Aber das habe ich gar nicht gemerkt, meine Eltern hatten es anders angemalt und aufgearbeitet, so dass ich dachte, es wäre neu“. Weil Weihnachtsbäume im Jahr 1945, als Elendt sechs Jahre alt war, teuer waren, zog er gemeinsam mit seinem Vater in den Wald und suchte dort eine passende Tanne. „Das ist heute natürlich anders“, versichert er mit einem Lachen, „damals waren die Zeiten nicht so üppig.“

Für Anne Rahe bedeutete Weihnachten als Kind vor allem eines: geduldig warten. Ihre Eltern waren Pastoren und kamen erst nach dem Gottesdienst nach Hause. „Das war dann doppelt spannend“, erzählt sie, „wenn endlich alle da waren, zogen wir zu dem Lied ,Ihr Kinderlein kommet‘ in die Weihnachtsstube ein.“ Gefeiert wurden die ersten sechs Lebensjahre in Teheran, bei milden Temperaturen und Sonnenschein. Ein ganz besonderes Geschenk war da eine kleine Puppe, dunkelhäutig und mit schwarzen Locken. „Damals war meine Mutter schwanger, und ich habe mir ein Brüderchen gewünscht, das so aussieht wie die Kinder im Iran, mit schwarzen Locken und dunkler Haut“, erzählt Rahe lachend. Doch dann hatte der kleine Stefan blonde Haare und sah kein bisschen aus, wie die Kinder in Teheran.

Deswegen bekam die damals Vierjährige die Puppe. Vor dem Baum wurde dann die Weihnachtsgeschichte aufgesagt, als auch der zweite Bruder alt genug war, trug jeder ein Stück vor. „Den Mittelteil kann ich bis heute am besten“, so Rahe. Und immer, wenn der Weihnachtsmann die Geschenke brachte, schaute Anne Rahe durchs Schlüsselloch, ob sie nicht doch eine Blick auf ihn erhaschen könne.

Auch Angela Prühs aus Stockelsdorf wollte es, als sie drei Jahre alt war, genau wissen. Ist der Weihnachtsmann der im heimischen Hamburger Wohnzimmer steht wirklich echt? Kurzerhand streckte sie ihre Hand aus und zog an seinem Bart. „Ich war eben schon immer neugierig“, erzählt sie lachend. Doch was der Weihnachtsmann dann brachte, war nicht immer richtig: „Ich habe mal eine Puppe bekommen und mein Bruder ein Matchbox-Auto. Da haben wir kurzerhand getauscht, mit Puppen konnte ich nie etwas anfangen.“ Das Beste an Weihnachten war ohnehin ein selbstgemachter Wald, der Jahr für Jahr aufgebaut und immer wieder erweitert wurde. Mit Tannenzapfen, selbstgebastelten Bäumen und kleinen Tieren. „Mit dem konnten wir uns stundenlang beschäftigen, der gehörte einfach dazu.“ Im Baum hing Jahr für Jahr Lametta, zum Essen gab es Kartoffelsalat mit Würstchen — beides macht Angela Prühs heute anders.

Harald Werner verbrachte sein schönstes Weihnachtsfest nicht im heimischen Lübeck, sondern fern ab der Heimat. „Als ich ungefähr vier Jahre alt war, ging es mit einem Auto, zwei Puten und den ganzen Geschenken zu meinen Großeltern nach Norwegen“, erinnert er sich. Mitten im verschneiten Wald wurde rund um den Weihnachtsbaum gesungen und die Geschenke ausprobiert. Mit fünf Geschwistern war bei Werner immer volles Haus — erst recht zu Weihnachten. „Weil wir so viele Kinder waren und meine Eltern nicht viel Geld hatten, gab es natürlich eher praktische Geschenke“, erinnert sich der Stockelsdorfer, „gestrickte Pullis, Apfelsinen, aber nachher auch ein paar rote und weiße Legosteine, die waren etwas ganz Tolles für uns Kinder.“

Vor dem Fest wurde der Weihnachtsbaum mit dem Schlitten von einer nahegelegenen Gärtnerei geholt. „Die Stimmung habe ich noch so gut in Erinnerung, Weihnachten war immer etwas ganz Besonderes“, schwärmt Werner.

Maike Wegner

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