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Bad Schwartau So wie bei Oma und Opa auf dem Sofa
Lokales Bad Schwartau So wie bei Oma und Opa auf dem Sofa
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13:47 12.08.2016
Schön gemütlich auf dem Sofa sitzen: Monika und Bernhard Diekmann lesen Connor (6) aus seinem Lieblingsbuch vor. Quelle: Fotos: Sebastian Prey
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Bad Schwartau/Seeretz

Connor (6) flitzt in die Küche und holt sich einen Keks. Kaum ist der Steppke im Wohnzimmer angekommen, läuft er die Treppe hinunter in den Keller.

Durch das Projekt Wunschfamilie haben sich Connor (6) und die Ehleute Diekmann gefunden.

„Da sind die ganzen alten Spielsachen und Bücher von unserem Sohn noch“, sagt Bernhard Diekmann. Schwupps sitzt Connor wieder auf dem Sofa in der guten Stube zwischen den Eheleuten Monika (69) und Bernhard Diekmann (72). „Vorlesen, bitte“, sagt Connor und hält „Mein allerschönstes Buch vom Backen, Bauen und Flugzeugfliegen“ in die Höhe.

Connor fühlt sich bei Monika und Bernhard wie zu Hause. Dabei kennt er die beiden erst seit einem halben Jahr. Doch die Freundschaft ist schnell gewachsen. Zustandegekommen ist das Oma-Opa-Enkel-Verhältnis durch die Initiative Wunschfamilie, die das Familienzentrum Bad Schwartau vor knapp zwei Jahren ins Leben gerufen hat. Im Rahmen dieser Initiative sollen ältere Menschen und junge Familien zusammengeführt werden. „Es gibt viele Leute, die keine eigenen Enkelkinder haben oder deren Angehörige weit entfernt wohnen. Und ebenso gibt es Familien, die sich Großeltern wünschen“, erklärt Ursula Sier, Koordinatorin der Frühen Hilfen des Familienzentrums, den Ursprung des Konzepts.

Bernhard Diekmann kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Erinnerungen an seinen eigenen Sohn, der mittlerweile 44 Jahre alt ist, werden wach. „Das Buch hat er auch geliebt“, berichtet Rentner Diekmann, der früher als Abteilungsleiter bei Villeroy & Boch beschäftigt war. Sein Sohn wohnt inzwischen mit seiner eigenen Familie in der Nähe von Frankfurt. „Unsere beiden Enkelkinder sehen wir nur einige Tage im Jahr“, erzählt Monika Diekmann. Das ist den Eheleuten aus Sereetz viel zu wenig. Die Diekmanns haben daraufhin Kontakt zum Familienzentrum aufgenommen und sind so zu Connor gekommen. „Wir haben uns gesucht und auch gefunden. Das hat sofort gepasst“, erinnert sich Bernhard Diekmann, der etwa einen Nachmittag in der Woche mit Connor verbringt. „Es gibt keinen festen Tag oder Ablauf“, berichtet Monika Diekmann.

„Mein Mann und ich finden, dass zum Aufwachsen auch die Großeltern dazugehören. Wir haben aber nicht so den guten Kontakt zu unseren Eltern. Deshalb haben wir uns nach ,Ersatz-Großeltern’ umgesehen“, erklärt Marena Anthofer. Die 37-jährige Mutter von Connor ist selbst ein wenig überrascht, wie gut es zwischen Connor, Monika und Bernhard gefunkt hat. „Er freut sich auf die Treffen. Dann werden Ausflüge in den Wald, Tierpark oder ans Meer gemacht. Bei schlechtem Wetter wird gemeinsam in der Werkstatt gebastelt und repariert. Gerade das Handwerkliche gibt es bei uns nicht“, berichtet die Sparkassen-Mitarbeiterin.

Auch Bernhard Diekmann sagt, dass ihm die Verbindung zu Connor viel bringt. „So bekommt man auch ein Gefühl dafür, was in den Familien heute so los ist“, sagt Bernhard Diekmann, der auch nicht verhehlt, wie schön es ist, wenn er Connor im Kindergarten abholt und er ihm bei der Begrüßung um den Hals fällt. „Das ist schon ein ganz tolles Gefühl“, sagt Bernhard Diekmann.

Familien suchen

7 Ersatz-Großeltern sind derzeit in Bad Schwartau und Umgebung im Einsatz. Sieben weitere Familien stehen auf der Warteliste auf der Suche nach einer Wunsch-Omi oder einem Wunsch-Opi. Um die passenden Partner zu finden, füllen beide Seiten Profilbögen aus. „Damit wird der Umfang der Treffen, die Interessen und Wünsche abgeklärt“, so Koordinatorin Ursula Sier. Die Eltern zahlen für die Vermittlung einmalig eine Gebühr von zehn Euro. Die „Großeltern“ müssen zudem ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich vormittags von 9 bis 12 Uhr und dienstags bis 15.30 Uhr unter Telefon 0451/2929328 an das Familienzentrum wenden oder eine E-Mail schreiben an familienzentrum@lebenshilfe-ostholstein.de

 Sebastian Prey

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