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Bad Schwartau Speichelprobe beweist: Schaf wurde von Wolf gerissen
Lokales Bad Schwartau Speichelprobe beweist: Schaf wurde von Wolf gerissen
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09:20 04.03.2016
Ein europäischer Grauwolf steht am 14.12.2014 in einem der weitläufigen Gehege des Wolfscenters von Dörverden (Niedersachsen). Quelle: Ingo Wagner/dpa
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Curau

Im Naherholungsgebiet Curauer Moor ist ein Schaf von einem Wolf gerissen worden. Es war der Schäfer selbst, der den Vorfall gemeldet hat. Auf einer Wiese grasten seine Schafe, als er eines von ihnen tot aufgefunden hat. Es hatte mehrere Bisswunden. Jetzt ist sicher belegt: Es war ein Wolf. Das hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) des Landes Schleswig-Holstein mitgeteilt.

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Im Naherholungsgebiet Curauer Moor ist ein Schaf von einem Wolf gerissen worden. Es war der Schäfer selbst, der den Vorfall gemeldet hat.

„Der Schäfer hat den Mitarbeitern des schleswig-holsteinischen Wolfsmanagements am 17. Januar das tote Schaf gemeldet“, sagt Jens-Uwe Matzen, Koordinator der Wolfsbetreuung in Schleswig-Holstein.

„Ich war selbst vor Ort, habe Abstriche aus den Wunden genommen und alles mit Fotos dokumentiert.“ Es habe erst einmal festgestellt werden müssen, ob es sich um Bisswunden von einem Hund oder einem Wolf handelt. „Man glaubt nicht, wie viele Schafe von Hunden gebissen werden“, sagt der 59-Jährige. „Einige Halter gehen da zu lasch mit der Leinenpflicht um.“ Um die genaue Todesursache festzustellen wurde das Tier in das Landeslabor nach Neumünster transportiert. Dort wurde es tierärztlich pathologisch untersucht.

In den vergangenen Wochen wurden die Speichelreste aus den Wunden des Schafes im zuständigen Senckenberg-Forschungsinstitut, dem zentralen Referenzbüro in Deutschland, genetisch untersucht. Dabei konnte festgestellt werden, dass es sich bei dem Angreifer um einen Wolf handelt. Die Herkunft und das Geschlecht konnten jedoch nicht identifiziert werden, teilt das Landesamt mit. „Die Speichelreste haben in diesem Fall wohl nicht ausgereicht, um genauere Informationen zu gewinnen“, so Matzen. Der betroffene Tierhalter kann jetzt, da bewiesen ist, dass es sich um den Angriff eines Wolfes handelt, den finanziellen Schaden vom Land entschädigen lassen. „Der wirtschaftliche Wert wird ausgeglichen“, erklärt Matzen. „Dabei ist zum Beispiel entscheidend, ob das Tier tragend war oder nicht.“ Weitere Konsequenzen seien nach Meinung des Experten derzeit nicht notwendig. „Der Schäfer kennt die Problematik Wolf“, sagt Jens-Uwe Matzen. „Er weiß, worauf man achten muss. Dieser Vorfall war ein blöder Zufall.“ Die Fläche, auf der die Schafe standen, sei sehr groß gewesen und der Wolf höchstwahrscheinlich ein durchziehendes Tier. „Da kann man nichts machen, hundertprozentige Sicherheit hat man nie.“

Keinen Grund zur Panik sieht auch Henning Wilcken, stellvertretender Dorfvorsteher von Curau: „Der Wolf ist bestimmt nur durchgezogen, hier sind gar nicht die Gegebenheiten, dass er sich niederlässt.“ Sicherheitshalber sollten seiner Meinung nach Hundehalter aber ihre Hunde im Curauer Moor anleinen und aufmerksam sein. „Ansonsten muss man sich keine großen Gedanken machen.“

Mit dem aktuellen Fall gibt es insgesamt 23 sichere Nachweise eines Wolfes für Schleswig-Holstein seit dem ersten Auftreten eines Tieres im Jahr 2007. Im Kreis Ostholstein ist es das zweite Mal: Im April 2007 war ein junger Wolf auf der Landstraße in Süsel überfahren worden. Er steht mittlerweile präpariert im Kreishaus in Eutin.

• Weitere Informationen über Wölfe in Schleswig-Holstein gibt es unter www.wolfsbetreuer.de

Von Kim Meyer

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