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Bad Schwartau Stiftung Naturschutz verwandelt Acker in Natur
Lokales Bad Schwartau Stiftung Naturschutz verwandelt Acker in Natur
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15:16 04.12.2018
In Malkendorf (Gemeinde Stockelsdorf) hat die Stiftung Naturschutz eine zehn Hektar große Ackerfläche geerbt mit der Auflage, sie zu renaturieren. Quelle: Ilka Mertz
Malkendorf

Es ist ein Glücksfall, der nicht allzu häufig vorkommt. Und die Freude darüber ist allen Beteiligten deutlich anzumerken. Als der Malkendorfer Heinz Geldermann im Jahr 2015 verstarb, vererbte er eine zehn Hektar große Ackerfläche neben seinem Hof der Stiftung Naturschutz. Natur solle hier entstehen, so sein letzter Wille, Streuobst solle gepflanzt werden und Gehölze, Gewässer für den Laubfrosch angelegt, vielleicht sogar der Weißstorch heimisch werden. „Herr Geldermann hat sich sehr für den Naturschutz interessiert“, erläutert Rechtsanwalt Ulrich Meyer, der als Testamentsvollstrecker eingesetzt ist, „daher hat er auch verfügt, dass seine Fläche keinesfalls gegen eine andere eingetauscht werden darf.“

Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein

Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein ist eine Tochter der Stiftung Naturschutz. Ihre Aufgabe ist es, Ausgleichslösungen zu schaffen: Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt nämlich vor, dass jeder, der durch Bebauung in Natur und Landschaft eingreift, dafür einen Ausgleich schaffen muss. Die Agentur entwickelt entsprechende Lösungen. Zu diesem Zweck legt sie Ökokonten – wie hier in Malkendorf – an.

Ökokonten sind potenzielle Ausgleichsflächen. Sie werden von der Ausgleichsagentur entwickelt und können dann bei späteren Bauvorhaben als Kompensationsmaßnahmen angerechnet werden. Derzeit hat die Ausgleichsagentur rund 100 dieser Ökokonten in ganz Schleswig-Holstein im Angebot

2015 war die Ackerfläche noch verpachtet, „nun ist der Pachtvertrag ausgelaufen und wir konnten anfangen“, sagt Gerrit Wehrhahn, der die Renaturierungsmaßnahme seitens der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein betreut. Ihm zur Seite steht Heike Henning, die für die Stiftung Naturschutz für Verwaltung und Entwicklung der Fläche verantwortlich ist. Biologischer Bauleiter ist Kåre Fogg von der Firma Amphiconsult.

Erster Schritt: Drainagen suchen und zerstören. „Solange die Fläche drainiert ist, können hier keine Gewässer entstehen“, erklärt Fogg. Und mindestens vier sollen es werden, so steht es im Testament. Ein Bagger gräbt daher an verschiedenen Stellen, um alle tönernen Rohre zu finden, die einst verlegt wurden, um den Acker trocken zu halten. „Wir können auf unserem Gebiet frei walten“, sagt Gerrit Wehrhahn, „aber natürlich achten wir darauf, dass durch unsere Veränderungen nicht plötzlich das Nachbargrundstück unter Wasser steht.“ Auf einer Seite wurden daher auch lehmige Wälle aufgeschüttet, um zu verhindern, dass die geplante Überflutung von bis zu 3000 Quadratmetern an der tiefsten Stelle der Ausgleichsfläche sich plötzlich auch auf den benachbarten Acker erstreckt. In den Gewässern sollen sich Amphibien wie eben der Laubfrosch ansiedeln.

30 000 Euro investiert die Stiftung Naturschutz in die Baumaßnahmen, die vermutlich noch zwei bis drei Wochen andauern werden. Dann muss der Boden sich setzen, so dass gegen Ende des Winters mit der Bepflanzung begonnen werden kann. Die ersten Obstbäume sollen aber erst später gepflanzt werden. Dann soll die Fläche auch als Weide genutzt werden – von Rindern oder Pferden, da sind die Naturschützer offen. „Derzeit laufen Gespräche über die Verpachtung mit Tierhaltern aus der Umgebung“, berichtet Heike Henning, die zuversichtlich ist, einen Pächter zu finden, der das Gelände im Sinne der Stiftung bewirtschaftet.

„Die Entstehung einer artenreiche Grünlandfläche braucht eigentlich Jahrhunderte“, sagt Gerrit Wehrhahn. Besonders auf einem zuvor landwirtschaftlich genutzten Gebiet wie hier. Bis die zehn Hektar Land so aussehen, wie es sich der einstige Besitzer vermutlich vorgestellt hat, werden also noch viele Jahre vergehen. „Wir tun aber alles dafür, damit hier schnell etwas geschieht“, so die Experten.

Ilka Mertz

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