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Bad Schwartau Stockelsdorf auf dem Weg zur plastiktütenfreien Gemeinde
Lokales Bad Schwartau Stockelsdorf auf dem Weg zur plastiktütenfreien Gemeinde
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18:54 23.04.2016
Bücherliebe-Chefin Juliane Hagenström zeigt, dass es geht: Es gibt nur Papiertüten und Leinenbeutel — der Umwelt zuliebe. Quelle: Dankert

In Stockelsdorf bewegt sich richtig was in Sachen Nachhaltigkeit. Ein Beispiel dafür ist, dass die Gemeinde Ende vergangenen Jahres den Titel Fair-Trade-Gemeinde verliehen bekam, weil auf Initiative der unabhängigen Fair-Trade-Arbeitsgruppe innerhalb der Gemeinde ein gewisses Bewusstsein für Fair-Trade geschaffen wurde mit sichtbaren Ergebnissen.

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Mit großer Mehrheit haben die Gemeindevertreter beschlossen, einen wichtigen Schritt in Richtung Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit zu gehen.

Jetzt gibt es ein weiteres Ziel, das im Moment noch eher eine Vision ist: eine plastiktütenfreie Gemeinde. Und wer jetzt vermutet, dass diese Idee in der Grünen-Fraktion geboren wurde, der irrt. Die Idee von einer Gemeinde ohne Plastiktüten stammt vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Andreas Gurth. „Mir ist es ein persönliches Anliegen, dass wir möglichst wenig Ressourcen verbrauchen“, so Gurth. „ Was mich ärgert als Bürger, das ist, dass man beim Einkaufen unaufgefordert eine Plastiktüte in die Hand gedrückt kriegt.“ Rolf Dohse von den Grünen pflichtet bei: „Besonders schlimm sind die Plastiktüten an der Obstständen.“

Auch die SPD unterstützt dieses Ansinnen. Manfred Jaeger, der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten, sagte, „man muss das Entgelt für Plastiktüten deutlich erhöhen.“

Im Antrag der CDU auf dem Weg zur plastiktütenfreien Gemeinde geht es darum, dass die Verwaltung beauftragt werden soll, Vertreter der Stockelsdorfer Geschäfte und der IGSU zu einem Runden Tisch einzuladen, der über die Erreichung dieses Ziels beraten soll. Auch für Helmut Neu (UWG) steht die Sinnhaftigkeit des Plastiktütenverzichts außer Frage, aber der Verwaltung in diesem Zusammenhang Arbeit aufzubürden, „das wäre eine hausinterne Verschwendung von Ressourcen in der Verwaltung.“

Zudem gehe die UGW davon aus, dass der weitaus größte Teil dieser Plastiktüten ohnehin von Konzern-Filialen wie zum Beispiel großen Lebensmittelmärkten genutzt werden. „Und diese Entscheidungen werden nicht in Stockelsdorf getroffen“, so Neu, „außer einem höflichen Bitten bei Kaffee und Kuchen an die Konzernleitungen, auf Plastiktüten zu verzichten, sehe ich nicht, was wir außer einem gemeinsamen öffentlichen Bekenntnis da machen können“.

Dieses Statement der UWG ließ Andreas Gurth noch einmal ans Rednerpult kommen — und zwar mit etwas säuerlicher Miene und einer Ansage an die Adresse der UWG: „Diese Ignoranz ist manchmal unerträglich!“ Gurth plädierte dafür, in der Gemeinde auch „kleine Politik“ machen zu dürfen und meint damit, sich um Bäume zu kümmern, Poller, Hundespielplätze und eben auch Plastiktüten, denn schließlich gebe es in Stockelsdorf auch eine Menge Einzelhändler, die selbst entscheiden, wie sie ihre Waren verpacken. Ein Beispiel dafür ist die Bücherliebe am Rathausmarkt. Wer bei Inhaberin Juliane Hagenström kauft und eine Tragetasche möchte, der bekommt eine aus Papier oder aus Leinen. Plastiktüten gibt es hier nicht. „Wir hatten hier von Anfang an Papiertüten und unsere Kunden finden das sehr gut“, so die Unternehmerin.

„Wir sind auch als kleine Gemeinde in der Pflicht, Nachahmer zu finden“, so Gurth, „denn die Sinnhaftigkeit steht außer Frage.“ Dass das klappen kann, beweist Julia Hagenström. Schlussendlich wurde der Antrag mit zwei Gegenstimmen der UWG beschlossen.

Der erste Schritt auf dem Weg zu einer plastiktütenfreien Gemeinde ist also getan.

Fair-Trade-Gemeinde

2011 erhielt die Hansestadt Lübeck als erste Stadt in Schleswig-Holstein die Urkunde als „Fair-Trade Town“ überreicht. Die Stadt Eutin wurde als erste Kommune im Kreis Ostholstein in 2013 mit diesem Titel bedacht. Als zweite Gemeinde im Kreis bekam Stockelsdorf die Zertifizierung Ende 2015 überreicht. „Wir haben damit Vorbildfunktion im Kreis“, erklärte Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann in der Feierstunde. Bundesweit gibt es rund 400 Fair-Trade-Gemeinden und Städte. Mehr Infos unter www.fairtrade-towns.de

Von Doreen Dankert

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