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Bad Schwartau „Stockelsdorf steht für sich“
Lokales Bad Schwartau „Stockelsdorf steht für sich“
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19:25 28.12.2017
19 Jahre lang ist Brigitte Rahlf-Behrmann schon Chefin im Stockelsdorfer Rathaus. Quelle: Sebastian Prey
Stockelsdorf

Lübecker Nachrichten: In 2017 ist eine Menge passiert. Was war für Sie die schönste Nachricht?

Zur Person

19 Jahre lang ist Brigitte Rahlf-Behrmann schon Chefin im Stockelsdorfer Rathaus. 2011 wurde die heute 64-Jährige zum dritten Mal in Folge zur Bürgermeisterin der Gemeinde gewählt.

Im April 2018 endet ihre Amtszeit, sie stellt sich nicht erneut zur Wahl.

Brigitte Rahlf-Behrmann: Spontan denke ich da an den Abwasserstreit, der nun endgültig vom Tisch ist. Dieser endlose Prozess durch alle Instanzen hat uns fünf, sechs Jahre lang beschäftigt und viel Zeit, Kraft und Energie gekostet. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Abwassersatzung der Gemeinde endgültig bestätigt – die Gleichbehandlung von Hauptort und Dorfschaften bei den Gebühren ist rechtens. Großartig war auch das Postleitzahlenfest.

Was Sie zunächst persönlich gar nicht wollten?

Stimmt, aber ich bin froh, dass die Selbstverwaltung anders entschieden hat. Das muss man ja auch mal sagen dürfen.

Und was ist 2017 nicht so optimal gelaufen?

Wir haben bei den großen Themen Windkraft und 380-kV-Leitung praktisch keine Fortschritte gemacht. Bei den Stromtrassen gab es keine Veränderungen, der Bau eines neuen Umspannwerks wird vorbereitet. Und in Sachen Windkraft ist Stockelsdorf immer noch im Regionalplan mit vier weiteren Windkrafteignungsflächen vorgesehen.

Hat Ihnen denn der Streit bei den Feuerwehren keine schlaflosen Nächte beschert?

Schlaflose Nächte hatte ich deshalb nicht. Ich wusste ja, dass unsere Wehren Mori und Stockelsdorf so professionell sind, dass trotz der Unstimmigkeiten bei den Einsätzen davon nichts zu spüren war. Auf unsere Feuerwehren können wir uns verlassen.

Ist der Streit denn endgültig besiegelt oder muss man auch in Stockelsdorf über eine Fusion der Wehren – wie zuletzt in Bad Schwartau geschehen – nachdenken?

Ich glaube, dass man eine gute Lösung gefunden hat. Eine Fusion der beiden Feuerwehren schließe ich aus. Untersuchungen haben ergeben, dass Stockelsdorf zwei Wehren an zwei Standorten im Ortskern benötigt, um die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen auch einhalten zu können. Beide Feuerwehren sind gut ausgestattet und schlagkräftig. Die Stockelsdorfer Feuerwehr bekommt ein neues Feuerwehrhaus. Sollte der personelle Zuwachs bei der Feuerwehr Mori anhalten, muss auch hier über eine Erweiterung nachgedacht werden.

Finanziell dürfte das ja für die Gemeinde zu schaffen sein.

Die Finanzlage der Gemeinde ist in der Tat sehr erfreulich. Wir schreiben faktisch eine schwarze Null und haben einen Überschuss auf dem Konto. Allerdings stehen auch andere große Projekte an.

Welche denn?

Mit der Einrichtung der Offenen Ganztagsschulen an allen drei Grundschulen und Ausbau der Kita-Plätze stehen große Investitionen an – wir kalkulieren mit 1,6 Millionen Euro pro Schule. Insgesamt satteln wir bei den Investitionen kräftig drauf. 7,5 Millionen Euro sind in 2018 vorgesehen. Die Summe der Investitionen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 wurden „nur“ 3,6 Millionen Euro investiert.

Und das lohnt sich?

Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist enorm und steigt ständig. Stockelsdorf wächst und wächst. Wir müssen also die Grundbedürfnisse abarbeiten. Das ist absolut der richtige Weg. Schließlich ist schon das nächste Baugebiet in Vorbereitung.

Bleiben da nicht andere Projekte und auch die Dorfschaften auf der Strecke?

Die Dorfschaften wachsen auch und werden attraktiver. Jetzt gibt es auf den Dörfern das Turbo-Internet und auch in Sachen ÖPNV sind wir gut davor. Der Anruf-Bus wird kommen. Im Ortskern stehen weitere Verbesserungen an. Die Verbindung vom Rathausmarkt zum Kirchenvorplatz wird attraktiver und auch die Umgestaltung des Herrengarten-Parks hat begonnen.

Und wie sieht es aus mit der schon lange geplanten Umgestaltung der Ahrensböker Straße?

Die ist immer noch in Vorbereitung, aber persönlich glaube ich nicht an eine baldige Umsetzung. Durch die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge werden der Gemeinde bis 2022 rund 2,5 Millionen Euro fehlen. Ich bin sehr skeptisch, dass das Land diese finanzielle Lücke schließen wird. Sicherlich wird die Ahrensböker Straße auch meine Nachfolge noch länger beschäftigen.

Stockelsdorf hat jetzt einen Klimamanager und geht auch da im Vergleich mit anderen Kommunen voran. Wie kommt das?

In Stockelsdorf gibt es einen gewissen Spirit und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Das hat man schon bei der papierlosen Selbstverwaltung gesehen. Das ist einfach und spart Geld. Jetzt beginnen wir unseren Fuhrpark auf Elektroautos umzustellen. Das erste Fahrzeug ist schon da. Auf diese Entwicklung sind wir auch stolz.

Um die 17000 Menschen leben derzeit in der Großgemeinde. Wie viele werden es in knapp zehn Jahren sein?

Die Einwohnerzahl wird schätzungsweise um 1000 steigen. Unsere Bodenvorratspolitik hat sich wirklich bewährt.

Was macht Stockelsdorf so attraktiv – die Nähe zur Lübeck?

Die Nähe zu Lübeck spielt auch eine Rolle, aber Stockelsdorf steht für sich. Wir sind ein eigenständiger Ort, der einen guten Ruf genießt. Die Infrastruktur ist gut und unsere Vereine und Verbände sind sehr aktiv. Die neue Bürgerstiftung spricht auch für den Zusammenhalt. Mit der Kinder-Uni hat die Stiftung einen sensationellen Start hingelegt.

Am 22. April ist ihr letzter Arbeitstag als Bürgermeisterin. Haben Sie schon Pläne für den Ruhestand?

Na klar. Darauf muss man sich ein wenig vorbereiten, damit es auch funktioniert. Ich werde meine ehrenamtliche Arbeit verstärken und zwar so, dass ich meiner Nachfolge nicht den notwendigen Raum nehme. Außerdem werde ich regelmäßig einen Sportkursus beim ATSV besuchen und mein Wohnhaus auf Vordermann bringen. Ich arbeite gerne handwerklich. Bis es soweit ist, gebe ich aber bis zum letzten Tag 100 Prozent als Bürgermeisterin.

LN

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