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Bad Schwartau Stockelsdorfer startet als Vorsorgeberater
Lokales Bad Schwartau Stockelsdorfer startet als Vorsorgeberater
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18:13 07.10.2016
Für den Fall der Fälle: Am besten sei es, eine Vorsorgemappe anzulegen, sagt der Stockelsdorfer Roland Poß. Quelle: Irene Burow

Er will sich für Ältere durch den Paragrafen-Dschungel wühlen: Roland Poß aus Stockelsdorf hat sich als Vorsorge-Betreuer selbstständig gemacht. „Die Würde des Menschen steht für mich im Vordergrund“, sagt der 62-Jährige. Konkret will er als Vertrauensperson fungieren für den Fall, dass jemand durch Unfall, Krankheit oder Alter nicht mehr in der Lage ist, über sein Leben selbst zu entscheiden. „Die meisten gehen davon aus, dass die nächsten Verwandten automatisch für sie handeln dürfen. Das ist ein weitverbreiteter Irrtum.“ Sei man handlungsunfähig, gebe es nur zwei Wege: Entweder man hat alles vorher schriftlich geregelt, oder der Staat greift in Form eines Betreuungsverfahrens über die Amtsgerichte ein. „Einerseits fällt es den Menschen schwer, sich mit dem Papierkrieg auseinanderzusetzen“, erklärt er seine Motivation, „andererseits gibt es im Alter auch Personen, die niemanden haben“. Er habe beobachtet, dass häufig Ehemänner zu Hause Herr über die Papiere sind. „Wenn sie dann sterben, stehen die Frauen da“, sagt Poß.

„Ich wünsche mir, dass die Menschen gut informiert einen selbstbestimmten Lebensabend verbringen können.“Roland Poß

Kontakt zu Behörden kennt er zuhauf: So hat er als vierfacher Vater bereits in den 80er Jahren das Sorgerecht erstritten und seine Kinder allein groß gezogen. Als ehemaliger Bundesbeamter schwor er bereits im Alter von 17 Jahren den Eid auf die Verfassung. „Mit 62 habe ich jetzt begriffen, wie die Gesellschaft funktioniert.“ Ursprünglich wollte Roland Poß Berufsbetreuer werden. Lange hat er diesen Job ehrenamtlich bei Gericht übernommen; vor einigen Monaten endete die letzte Betreuung. Sie dauerte zwölf Jahre und hat, wie viele davor, viel Zeit in Anspruch genommen. „Ich habe alles möglich gemacht, was ging“, sagt er. Dabei habe er sehr viel gelernt, aber auch viel von den Menschen zurückbekommen.

Mit seinem Anliegen habe er auch bei anderen Institutionen versucht anzudocken, doch dann die Erkenntnis: Neutral und unabhängig fühlt er sich nur allein. „Ich habe schon vielen Betroffenen geholfen, zu ihrem Recht zu kommen“, sagt er selbstbewusst. Dazu gehöre es eben auch, Klartext zu reden, womit man sich nicht immer nur beliebt mache. Außerdem will er sich nicht auf einen Bereich festlegen, sondern alle Möglichkeiten in Betracht ziehen.

Warum er das macht? Er verfüge inzwischen über reiche Erfahrung im Verwaltungs-, Sozial- Betreuungs, Grundsicherungs- und Erbrecht und vielen Bereichen mehr. Überdies bringe es ihm Spaß, sich in komplexe Themen einzuarbeiten, die für andere Menschen völlig unverständlich sind. „Ich bin sehr neugierig und gehe tief in die Materie“, sagt er. Das oberste Ziel soll sein, Fremdbestimmung auszuschließen. „Wenn man schriftlich alles vorbereitet, kann man auch noch über Entscheidungen nach dem Tod bestimmen.“ Zu regeln gibt es vieles: Patientenverfügung, richtige Vollmachten für Banken, Behörden und Gesundheitsfragen, einen günstigen Bestatter finden und generell Geld sparen. Im besten Fall wird eine umfangreiche Vorsorgemappe angelegt. Und das gilt nicht nur für ältere Menschen, sondern im Grunde jeden.

Sein Wissen möchte er nicht mehr kostenlos zur Verfügung stellen und ist überzeugt als „Lotse durch die Paragrafen“ eine Nische zu bedienen. Seiner Vergütung hat er die Sätze der Berufsbetreuer zugrundegelegt, wobei es sich um kaum mehr als 30 Euro pro Stunde handelt.

Kontakt: 0451/4992567

Irene Burow

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