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Bad Schwartau Streit um Platanen
Lokales Bad Schwartau Streit um Platanen
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19:12 28.04.2016
Die Wurzeln der Platanen haben bereits Pflastersteine an einigen Stellen angehoben und ein Regenfallrohr „angezapft“.

Die neun Platanen, die entlang der Ladenzeile bei Famila in Stockelsdorf stehen, sorgen für mächtig Zündstoff bei der jüngsten Sitzung für Bauen, Planung und öffentliche Sicherheit. Am Ende gibt der Ausschuss mit acht Ja- , vier Nein-Stimmen und einer Enthaltung grünes Licht für die Fällung.

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Neun Bäume entlang der Gasleitung auf dem Famila-Gelände werden abgeholzt — Wurzeln bereits am Mauerwerk.

Die Bäume sollen gefällt werden — aus Sicherheitsgründen. Die Untere Naturschutzbehörde hat dazu bereits ihren Segen gegeben. „Dass diese Behörde der Fällung bereits zugestimmt hat“, so Gerald Tretow von den Grünen, „das hat uns empört. Wir Grünen lehnen die Fällung entschieden ab“.

Die neun Bäume, um die es da geht, sind weder krank, noch scheinen sie bei oberflächlicher Betrachtung ein Störfaktor zu sein. Doch bei näherer Betrachtung — wie sie externe Experten und auch Fachleute aus der Verwaltung vorgenommen haben — drohen mit einer weiteren Ausbreitung des Wurzelwerks zunehmend Schäden, die sogar gefährlich werden können, wie Hans-Joachim Maiwald, Tiefbauexperte im Bauamt, erläutert. „Platanen haben die Eigenschaft, sich an unterirdischen Leitungen und Mauerwerk zu verankern.“ Und das könne sehr gefährlich werden, so Maiwald, der als Beispiel ein vor Jahren explodiertes Haus in Süddeutschland anführt, weil Platanenwurzeln ein Leck in der Gasleitung verursacht hatten. „Die Wurzeln reichen schon bis zum Mauerwerk“, so Maiwald, „ich kann nur dafür werben, die Platanen wegzumachen“.

Weitaus bedeutender scheint da der Umstand, dass die Gas- und Versorgungsleitungen der Gemeindewerke genau entlang der Baumlinie verlaufen. Sichtbare Auswirkungen der Wurzelwerkbewegungen sind Anhebungen von Asphalt und Pflastersteinen an manchen Stellen entlang der Ladenzeilen. Die Bauminseln sind schon lange zu klein für die Größe der Bäume. „Und aus einem Fallrohr zieht ein Baum bereits Wasser“, so Maiwald. Das habe auch der externe Gutachter bestätigt.

So wirklich überzeugt, dass die Schäden tatsächlich vom Wurzelwerk der Platanen kommen, ist auch Helmut Neu von der UWG nicht. „Ich habe ein Unbehagen, wir machen hier jeden Baum platt“, so Neu, der einen weiteren Gutachter zu Rate ziehen will und auf eine andere Lösung hofft. Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann (parteilos) widerspricht Neu vehement: „Es ist nicht so, dass wir hier jeden Baum platt machen. Wir sind hier eher die Baumschützer.“

Zu Wort kommt in dieser Runde auch Tom Freitag, stellvertretender Bauhofleiter und geprüfter Baumkontrolleur und erklärt: „Für die Baum-Lobby bin ich der richtige Mann.“ Dennoch hat Freitag keine guten Nachrichten. „Die Bauminseln sind tatsächlich zu klein und die Bäume bekommen aufgrund der Versiegelung des Bodens zu wenig Wasser.“ Ein Kappen der Wurzeln würde die Standfestigkeit der Bäume gefährden und diese so schädigen, dass „über kurz oder lang mit einem Pilzbefall zu rechnen ist“, so Freitag, „und dann ist eine Fällung sowieso notwendig“. Ersatzlos sollen die Platanen nicht gefällt werden. An die Stelle der jetzigen Bäume sollen deutlich kleinere Amberbäume gepflanzt werden, die im Herbst durch rotes Laub auffallen. „Diese Bäume werden nicht so groß, wie die Platane“, so Freitag, „und außerdem bekommen diese Bäume eine Wurzelsperre“.

Von Doreen Dankert

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