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Bad Schwartau Theater Fidelio: Naht das Ende einer Ära?
Lokales Bad Schwartau Theater Fidelio: Naht das Ende einer Ära?
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22:23 12.02.2018
Die unterhaltsame Komödie „Und ewig rauschen die Gelder“ wird das Theater Fidelio am Sonnabend, 17. Februar, auf der Bühne im Museum von Bad Schwartau aufführen. Mit dem Wegfall des Museums als Spielstätte sieht die Zukunft dieses Ensembles düster aus. Quelle: Foto: Fidelio

„Ende des Monats werden wir in einer Mitgliederversammlung darüber beraten, wie es weitergeht und ob es überhaupt weitergeht“, erklärt Michael Effing, Vorsitzender des Theatervereins Fidelio. Die Aufführung für den 13. April hat das Ensemble bereits abgesagt.

Diskussion

Kandidaten zur Kommunalwahl werden am Freitag, 20. April, um 18.30 Uhr in der ESG-Mensa in einer öffentlichen Diskussion zum Schwerpunkt Museum befragt. Veranstalter ist der Förderverein des Museums.

Hannelore Witt, Vorsitzende des Ensembles bühne 15, hat schon einmal vorsorglich bei der Geschäftsführung der Asklepios Klinik an die Tür geklopft. „Die Gespräche waren positiv, wir könnten da mit unseren vier Vorstellungen im Jahr eine neue Heimat finden“, sagt Hannelore Witt. Am liebsten würde die bühne 15 weiterhin im Museum spielen, ebenso wie Fidelio.

„Aber uns wurde mitgeteilt, dass das Museum ab 1. April geschlossen ist und das dann nichts mehr geht“, erklärt Hannelore Witt, die genauso wenig wie Michael Effing versteht, warum das so ist. Denn beheizt werden muss die Immobilie dennoch und die Schlüsselgewalt haben seit vielen Jahren sowohl Vertreter von bühne 15 und auch von Fidelio. „Das ist ein Unding, dass im Museum gar nichts mehr stattfindet“, klagt Effing.

Als alternativen Spielort hat Timo Michaelsen, Leiter des Amtes für Bildung, Sport, Soziales und Kultur, den beiden Theatergruppe die Mensa des Gymnasiums am Mühlenberg (GaM) angeboten.

„Eine Theateraufführung in der GaM-Mensa ist natürlich möglich“, erklärt Effing, „aber diese Bühne wurde nicht für Theater gebaut.“ Mal ganz abgesehen von der aus Effings Sicht ungünstigeren Akustik, wären Aufführungen und auch die Proben in der GaM-Mensa „nur mit einem exorbitant höheren Aufwand möglich“. Allein schon deshalb, weil es in der GaM-Mensa keine Lagermöglichkeit für die Requisiten gibt im Gegensatz zum Museum. „Und wenn dann mal kurzerhand eine schulische Veranstaltung anberaumt werden sollte, dann hat das Vorrang vor Theater, so sind die Regeln, und wir müssten im Zweifelsfall unsere Probe oder im schlimmsten Fall unsere Aufführung absagen“, sagt Effing. Und genau wegen dieser Vorzeichen stehe die Zukunft des Traditionsensembles Fidelio auf der Kippe. „Ich weiß nicht, wie viele Mitglieder das mitmachen wollen“, erklärt Effing mit sorgenvoller Miene.

Die Schließung des Museums hängt damit zusammen, dass der Museumsleiter Viktor Kaczkowski in wenigen Wochen in den Ruhestand geht. Einen Nachfolger gibt es nicht, denn die politischen Pläne, einen Kulturmanager einzustellen, wurden in der Stadtratssitzung im Dezember 2017 erst einmal ausgebremst.

Holger Klindwort, Vorsitzender vom Förderverein des Museums, hat in einem persönlichen Gespräch mit Bürgermeister Uwe Brinkmann (parteilos) vor Kurzem von der Schließung des Museums erfahren – und ist alles andere als erfreut darüber. Der Förderverein wollte nämlich am 14. April ein Museumsfest im und neben dem Museum veranstalten mit Musik, Grillgut, Karussell, Musik für Jung und Alt. „Mit diesem Fest wollten wir auf die Bedeutung des Museums hinweisen“, erklärt Klindwort, „aber das Fest fällt aus, am 7. Februar haben wir die schriftliche Absage von der Stadt bekommen.“

Holger Klindwort vermutet hinter diesem Tauziehen um den Kulturmanager und der verordneten Schließung des Museums „ein politisches Ränkespiel“. „Es reicht nicht, für sechs Millionen Euro die Fußgängerzone neu zu machen“, argumentiert Klindwort, „mit Kultur haben wir die Chance, ein bisschen Leben in die Stadt zu kriegen.“

Für Witt und Effing sei die Schließung des Museum mehr als bedauerlich. Witt: „Die Kultur in Bad Schwartau ist am Ende.“

Aufführungen

Noch drei Vorstellungen hat das Ensemble Fidelio im Museum (oder im schlimmsten Fall überhaupt noch): Am Freitag, 16. Februar, um 19 Uhr mit der Kriminalkomödie „Das Gasthaus an der Trave“ (10 Euro, Tageskasse 11 Euro); und am 17. Februar und 24. März um 20 Uhr mit der Komödie „Und ewig rauschen die Gelder“ (12,50 Euro, Tageskasse 14 Euro). Karten unter www.theater-fidelio.de

bühne 15 gastiert erst wieder im April und Mai – voraussichtlich in der Asklepios Klinik

 Doreen Dankert

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