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Bad Schwartau Trotz Diebstahl wird weiter gesammelt
Lokales Bad Schwartau Trotz Diebstahl wird weiter gesammelt
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09:31 16.03.2016

Die Türen zur Tafel stehen offen. Seit 9 Uhr in der Frühe sind um die zwanzig ehrenamtliche Helfer, Senioren zwischen 50 und 80 Jahren, trotz niedriger Temperaturen bei der Arbeit. Sie sortieren gespendete Lebensmittel in Körbe, die in langer Reihe auf einem Tisch stehen. Denn es ist für einen guten Zweck: Jeder Korb ist für eine bedürftige Familie gedacht und entsprechend mit Namen versehen. Ab 14 Uhr werden die Lebensmittel ausgegeben. Aber davon hat die Tafel inzwischen viel zu wenig.

Die Hausgemeinschaft um Barbara Ritterhoff sammelt. Quelle: Witt

Unter dem Motto „Gemeinsam helfen ist leichter“ hat die Hausgemeinschaft Klein Mühlen 7 daher bereits Ende letzten Jahres eine monatliche Spendensammelaktion für die Tafel ins Leben gerufen. Trotz Diebstahl zu Beginn der Aktion machen sie weiter: Viele Bewohner haben den monatlichen Sammeltermin bereits im Kalender markiert — das Projekt hat sich innerhalb des Hauses etabliert. Die Sammlung erfolgt immer zur Mitte des Monats. Nach einem unerwarteten Diebstahl bei der ersten Spendenaktion, steht der Korb nun aus Sicherheitsgründen nicht länger offen im Eingangsbereich. Stattdessen werden die Lebensmittel in einer der Wohnungen gesammelt. Gemeinsam, gut verpackt im „Hackenporsche“, werden die Nahrungsmittel dann sicher zur Tafel gebracht, wo sie jedes Mal dankbar entgegengenommen werden.

Wie die Ehrenamtler der Tafel berichten, ist die Zahl der Bedürftigen erheblich gestiegen. Früher, so wird sich von Helfern der ersten Stunden im Jahr 1999 erinnert, habe es noch Zeit für persönliche Gespräche gegeben. Mancher Bedürftige schüttete regelrecht sein Herz aus. Heute sei dafür leider keine Zeit mehr. Da durch die große Anzahl an Bedürftigen die Spenden auch auf mehr Familien aufgeteilt werden müssen, landen immer weniger Lebensmittel in den Körben und die Sorge der Tafel, nicht mehr alle Familien ausreichend versorgen zu können, steigt. Die Sorge gilt dabei vor allem den rund 100 Kindern, die jede Woche mitversorgt werden müssen. Die Tafel ist deswegen jetzt verstärkt auf private Hilfe angewiesen.

Bei der Sammlung innerhalb der Hausgemeinschaft kann jeder Bewohner nach eigenem Ermessen einen Beitrag leisten kann. So bleibt die Belastung für den Einzelnen gering und die Spendenbereitschaft erhalten — und wächst teilweise immer weiter an. Die Mitarbeiter der Tafel können so mit einer kontinuierlichen Unterstützung über das ganze Jahr hinweg rechnen. Hauptsächlich werden haltbare Grundnahrungsmittel, wie Zucker, Reis, Nudeln, Öl oder Haferflocken gesammelt, für die bevorstehende Märzsammlung plant die Hausgemeinschaft in Hinblick auf Ostern aber auch verstärkt Süßigkeiten für die Kinder ein.

Neben dem Bewusstsein, gemeinsam geholfen zu haben, hat sich durch die Aktion auch das Leben innerhalb der Hausgemeinschaft merklich verändert: raus aus dem anonymen Nebeneinander und hinein in ein kontaktfreudigeres Miteinander. Das Gemeinschaftsgefühl, das durch das gemeinsame Helfen entsteht, weitet sich auch auf den Umgang der Wohnparteien untereinander aus. Um die ersten erfolgreichen Spendenaktionen zu feiern, hat zum Beispiel Anfang des Jahres eine hausinterne Punschparty stattgefunden. „Das ist hoffentlich erst der Anfang einer tollen Entwicklung“, sagt Barbara Ritterhoff, eine Bewohnerin des Hauses.

Inzwischen haben sich auch die Mitglieder des Frauenchors Bad Schwartau, die „Kinga Singers“, zum gemeinsamen monatlichen Sammeln entschlossen. Der Chor, sowie auch die Hausgemeinschaft Klein Mühlen 7 hoffen so, mit diesen Aktionen vielleicht auch andere Bad Schwartauer dazu zu animieren, ebenfalls Gruppen zum gemeinsamen Helfen zu gründen, um sicherzustellen, dass die Tafel auch in Zukunft alle Bedürftigen Familien ausreichend unterstützen kann.

So können Sie helfen

Gespendet werden kann am besten in Naturalien. Am meisten benötigt werden Öl, Reis, Nudeln, Eier, Milch und für Kinder auch Schokolade. Die Spenden können zu den Öffnungszeiten montags, mittwochs, donnerstags und freitags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr bei der Tafel, Mühlenstraße 27, abgegeben werden. Eine weitere Möglichkeit ist, die Waren bei Edeka im LUV, Edeka am Eutiner Ring oder im Rewe Markt in der Lübecker Straße zu kaufen und im Geschäft zu lassen. Die Mitarbeiter der Tafel holen die Lebensmittel dort ab. Kontakt zur Tafel ist möglich unter Telefon: 04

51/2802450.

Von Flemming Witt

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