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Bad Schwartau Trotz Parkinson meldet sich Walter Meyer mit Musik zurück
Lokales Bad Schwartau Trotz Parkinson meldet sich Walter Meyer mit Musik zurück
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11:33 13.06.2016
Musik gehört zu seinem Leben – das soll auch so bleiben: Der pensionierte Mathematiklehrer Walter Meyer (63) spielt in seinem Musikzimmer in einem Eckhorster Einfamilienhaus Gitarre. Quelle: Fotos: Sebastian Prey

„Irgendwann begann der kleine Finger der linken Hand bei Aufregung immer mal wieder völlig unkontrolliert zu zittern“, erinnert sich Walter Meyer. Die ersten Warnzeichen hat der heute 63-Jährige lange ignoriert oder einfach nicht ernst genommen. Doch das Zittern verschwindet nicht mehr. Im Gegenteil. Es wird stärker und stärker. Besonders in Stresssituationen als Konrektor der Julius-Leber-Schule in Lübeck oder bei Auftritten mit seiner Bluesband oder der Lehrerband. Mit aller Macht stemmt sich Meyer gegen die Warnzeichen, redet sich heraus und zieht sich mehr und mehr aus dem Gemeinschaftsleben zurück. Der Gang zum Arzt bringt schnell die ernüchternde Diagnose. Meyer hat Morbus Parkinson. „In diesem Augenblick habe ich den Boden unter den Füßen verloren“, berichtet Meyer, der aber nach außen weitermacht, wie zuvor.

Mit der Diagnose Parkinson ist der frühere Konrektor einer Lübecker Schule in ein tiefes Loch gefallen – Jetzt hat der 63-Jährige eine eigene CD auf den Markt gebracht.

Preußische Disziplin siegt zunächst weiter gegen menschliche Gesundheit. Die Quittung lässt aber nicht lange auf sich warten. Meyer bricht in der Schule zusammen, wird mit dem Rettungswagen in die Klinik auf die Intensivstation gebracht. Nach langer Krankschreibung wird Meyer, der von sich selbst sagt „immer gern zur Schule“ gegangen zu sein, im Januar 2015 nach 43 Dienstjahren in den Ruhestand versetzt. „Erst mit professioneller Hilfe gelang es mir, die Situation zu akzeptieren“, sagt der Hobbymusiker, der mit seiner Frau Ute in Eckhorst lebt.

Meyer hat seine neue Freiheit jetzt genutzt, um wieder Musik zu machen – nicht auf der Bühne, sondern allein zu Hause. Er greift zur Gitarre, schreibt Texte und merkt, dass er noch etwas kann. Das Ergebnis ist jetzt eine CD mit zehn Songs. „Die Seele brennt“ heißt der Tonträger, der neu auf dem Markt ist. Meyer verarbeitet in der Musik – ein facettenreicher Mix aus Blues, Folk, Country und Rock – seine Krankheit und sorgt dabei auch beim Zuhörer hier und da für Gänsehaut.

Damit die CD überhaupt entstehe konnte, musste Meyer erst einmal in die Offensive gehen, zu seiner Krankheit stehen und offen darüber sprechen. Er wandte sich an alte Musikfreunde aus dem ganzen Norden und bat diese um Unterstützung bei Einspielungen. „Alle haben sofort zugesagt. Die selbstlose Hilfe der alten Musikerkollegen hat mich zutiefst berührt“, sagt Meyer und lächelt Vincent Loraine an. Der 58-jährige Hamburger hat das Werk in seinem Tonstudio vollendet. „Die musikalisch-technischen Möglichkeiten meiner Kollegen haben dafür gesorgt, dass es immer noch meine Songs sind – allerdings in einer Liga höher“, sagt Meyer stolz und meldet sich damit endgültig im Leben zurück.

Musik als magischer Moment

11 Stücke befinden sich auf dem Album, das schon im Internet für 9,99 Euro heruntergeladen werden kann. Demnächst soll es die CD für 13,95 Euro auch bei Famila in Stockelsdorf und im Fliegenfischershop „Der Heiländer“ im Pinassenweg 26 in Lübeck geben. Zwei Euro aus dem Verkauf gehen an die Parkinson-Abteilung der Uni-Klinik Kiel.

Der Titel der CD ist identisch mit dem ersten Song: „Die Seele brennt“. Dieses Stück beinhaltet Walter Meyers Auseinandersetzung mit der Krankheit und dem hoffnungsvollen Ausblick auf die Zukunft. In dem Text heißt es: „Musik als magischer Moment. Das Feuer ist zurück in mir, meine Seele brennt, ich kann wieder Musik machen, ich bin im Leben zurück.“

 Sebastian Prey

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