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Bad Schwartau Über 100 Jahre alte Bierflasche gefunden
Lokales Bad Schwartau Über 100 Jahre alte Bierflasche gefunden
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20:21 18.03.2016
„Die Lübecker haben ihr eigenes Bier gebraut und das Schwartauer Bier verboten.“ Klaus Faasch, Heimatkundler
Bad Schwartau

Es ist weit über 100 Jahre her, da galt Bad Schwartau für die Lübecker noch als „Ausland“. Es war die Zeit, als Postboten auf Pferden unterwegs waren, König Wilhelm zum Kaiser des deutschen Reichs ausgerufen wurde und sich die erste Freiwillige Feuerwehr in Meißen gründete. In Bad Schwartau übernahmen im Jahr 1871 die Brüder Emil und Julius Lychenheim eine Dampf- und Bierbrauerei. Über drei Jahrzehnte lang produzierten sie in der Brauerei an der Lübecker Straße feinstes Gerstengold.

Der Bad Schwartauer Oliver Otto hat sich auf Spurensuche begeben: Sie stammt von der Lychenheimer Brauerei.

Ein Relikt aus der damaligen Zeit ist dem Bad Schwartauer Oliver Otto in die Hände gefallen. „Vor etwa zehn Jahren habe ich meinen Eltern bei der Gartenarbeit geholfen“, erinnert sich der 25-Jährige.

„Beim Ausgraben von Büschen habe ich in einem Erdloch eine Flasche entdeckt“, sagt Otto. Er habe nicht gewusst, dass sie so besonders ist, aber gleich gesagt, dass er sie gern aufbewahren würde. Die Flasche lag fast eineinhalb Meter unter der Erde.

Seitdem stand der Fund auf dem Küchenschrank seiner Eltern. Jetzt ist sie ihm beim Aufräumen wieder in die Hände gefallen: Auf dem braunen Glas ist der Schriftzug „Dampf- und Bierbrauerei Lychenheimer Schwartau“ zu lesen. „Die Flasche muss immerhin weit über 100 Jahre alt sein“, sagt Oliver Otto. „Ich war einfach neugierig, was es damit auf sich hat.“ Und so hat Oliver Otto einen Aufruf in der Facebook-Gruppe „Bad Schwartau gestern und heute“ gemacht. Er veröffentlichte ein Bild der Flasche und hoffte, dass jemand etwas über seinen Fund weiß. Und tatsächlich bekam er Antworten. Er erfuhr, dass die Brauerei 1895 das Patent zum Pasteurisieren von Bier in Fässern erhalten haben soll und dass das Gelände später von zwei Brüdern gekauft worden sein soll.

Einer, der die Geschichte der Stadt wie seine Westentasche kennt, ist Klaus Faasch. „Schon 1834 erhielt der Kaufmann Levenhagen an der Ecke Lübecker Straße/Anton Baumannstraße die Fläche für den Bau einer Bierbrauerei“, erzählt der Experte. Der imposante Bau mit seinen großen Kellergewölben ließ die Bad Schwartauer staunen. Levenhagen selbst stellte einen Braumeister aus Bayern ein, der bayrisches, wohlschmeckendes Bier herstellte. Das Getränk verkaufte sich auch in Lübeck so gut, dass die Lübecker Brauer schnell selbst ein bayrisches Bier produzierten und die Einfuhr des Bad Schwartauer Bieres untersagten. Levenhagen erlitt daraufhin starke Umsatzeinbußen und wandelte seine Firma kurzerhand in eine Tabakfabrik um. „Doch auch der Tabakfabrik war kein Glück beschieden.

1862 kauften die Kaufleute Hartwig Evers und Johann Dahlberg das Grundstück und richteten erneut eine Brauerei ein“, berichtet Faasch. 1871 ging die Firma dann an die Brüder Emil und Julius Lychenheim über. „Zu der Brauerei gehörte auch eine Bierhalle an der Ecke Lübecker Straße/Anton Baumannstraße“, erzählt Faasch. Die Bierhalle war eine Art Gaststätte, in der sich die Bad Schwartauer trafen.

In der Brauerei arbeitete auch ein Mann, der in Bad Schwartau bis heute bekannt ist. Anton Baumann kam 1877 in das Fürstentum Lübeck und fing als Braumeister in dem Unternehmen an. In der Absicht, die Produktpalette der Lychenheimer Brauerei um das populär gewordene Selterswasser zu erweitern, bohrte er 1895 auf dem Gelände nach reinem Tiefenwasser. In 316 Metern Tiefe wurde er fündig, traf dabei allerdings nicht auf das bekannte Süßwasser, sondern auf eine Jodsolequelle. So entwickelte sich in den Folgejahren ein weit über die Grenzen der Stadt bekannter Kurort. 1913 erhielt Bad Schwartau die Anerkennung als Heilbad.

„Die Bohrungen waren allerdings sehr teuer und so fing die Brauerei an, zugrunde zu gehen“, erzählt Klaus Faasch. 1904 vernichtete ein Brand die angeschlagene Brauerei vollständig. Das Gelände, von dem bereits seit 1899 ein Teil an die Gebrüder Fromm verkauft wurde, ging nun gänzlich an die Brüder über. Sie etablierten auf dem Grundstück die heutigen Schwartauer Werke.

Von Maike Wegner

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