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Bad Schwartau Überraschender Wohlstand
Lokales Bad Schwartau Überraschender Wohlstand
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18:53 22.10.2017
Einen Hauch vom Milliardärs-Paradies an den Stränden der Hamptons (Long Island, USA) vermittelt das Restaurant Hamptons in Scharbeutz.
Ostholstein

Das durchschnittliche Einkommen der Scharbeutzer ist das höchste in ganz Ostholstein. Gründe für hohe Durchschnittseinkommen sind entweder eine hohe Millionärsdichte oder eine große Zahl an gut verdienenden Einwohnern. Entscheidend ist immer, dass der erste Wohnsitz in der jeweiligen Gemeinde liegt.

Die Statistik ist überraschend: Die am besten verdienenden Ostholsteiner wohnen in Scharbeutz. Auf Platz zwei folgen Stockelsdorf, Timmendorfer Strand und Kasseedorf. Das sagt die Auflistung des Statistikamtes Nord, die Zahlen aus den Steuererklärungen heranzieht.

Niedriglohnkreis

2516 Euro brutto verdienten die Ostholsteiner nach Angaben der Agentur für Arbeit im Durchschnitt im Jahr 2016. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 3084 Euro.

Der Akademiker-Anteil in Ostholstein liegt mit 7,2 Prozent ebenfalls weit unter dem Bundesdurchschnitt (14,7 Prozent).

Was die Millionärsdichte angeht, dürfte Scharbeutz ganz vorne liegen, was sich aber nicht wirklich verifizieren lässt. Ein Scharbeutzer Unternehmer bietet als Erklärung an, dass viele Unternehmer aus dem als viel reicher geltenden Timmendorfer Strand in Scharbeutz wohnen. „Die wirklichen Timmendorfer wohnen dort nicht mehr in der ersten Reihe, die kommen lieber nach Scharbeutz, wo es viele gute Wohnlagen gibt“, sagt der Mann. „Man wohnt in Scharbeutz zurückgezogen, nicht so offensichtlich, ist ab vom Trubel, und es ist trotzdem wunderschön.“ Fred-Michael Pätau, Dorfvorsteher von Scharbeutz, bestätigt diese Einschätzung. Es gebe durchaus einige Timmendorfer, die in Scharbeutz wohnen. Hinzu kämen ein paar Prominente, die ebenfalls in Scharbeutz leben, und andere, die das wollen, aber keine adäquaten Immobilien fänden. „Ich kenne fünf, sechs, sieben, die eine gute Rente oder ein gutes Einkommen haben und hier leben.“

Dass es auch in Stockelsdorf Bürger gibt mit einem siebenstelligen Kontostand, das könnte gut möglich sein. Doch dass Stockelsdorf sich in dieser Statistik gleich hinter Scharbeutz auf der selben Stufe wie Timmendorfer Strand und überraschenderweise vor der als recht wohlhabend geltenden Stadt Bad Schwartau wiederfindet, hat nach Auffassung von Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann einen ganz anderen Grund – nämlich eine seit Jahren wachsende Gruppe „der gehobenen Mittelschicht“. Dass Stockelsdorf so gut dasteht, „das überrascht mich gar nicht“, sagt die Verwaltungschefin.

Stockelsdorf sei eine attraktive Gemeinde, die durch ein Baugebiet nach dem anderen in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Dazugezogene sind vorrangig Familien mit relativ guten Doppeleinkünften.

„Dass das so ist“, sagt Brigitte Rahlf-Behrmann, „sehen wir schon seit Jahren an den stetig steigenden Schlüsselzuweisungen aus der Einkommenssteuer.“ Diese Schlüsselzuweisung sei inzwischen der größte Posten bei den Einnahmen im Gemeindehaushalt. Früher war das mal die Gewerbesteuer.

Brigitte Rahlf-Behrmann geht davon aus, dass sich dieser Trend für Stockelsdorf weiter fortsetzen wird, „denn wir können uns als Gemeinde noch entwickeln, wir haben noch Platz und werden auch künftig neue Baugebiete anbieten.“ Die Nachfrage nach Bauland in Stockelsdorf scheint ungebrochen. „Wir kriegen im Rathaus täglich Anfragen von Leuten, die ein Grundstück kaufen wollen“, sagt Rahlf-Behrmann.

Wo genau das Geld in Scharbeutz stecke, könne man manchmal an den Autos sehen, aber auch, wenn man mit offenen Augen durch den Ort gehe. Zudem weiß Pätau von „astronomischen Vorstellungen“ bei Grundstückspreisen. „Da spielt eine Million keine Rolle. “

„Die Millionäre nützen uns nicht allzu viel“, sagt dagegen Volker Bensch, Kämmerer der Gemeinde Scharbeutz. Denn beim Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer (die via Bund und Land kommt) gebe es eine Kappungsgrenze nach oben und nach unten. Die vielen Gutbetuchten, die sich in Scharbeutz eine Zweitwohnung leisteten, füllten ebenfalls kaum die Gemeindekassen. Die Zweitwohnungssteuer richte sich nach dem Mietwert der Wohnung, nicht nach dem Einkommen des Besitzers.

Die Basis für die Bilanz in Stockelsdorf bilden in erster Linie Erstwohnungsbesitzer mit gutem Mittelstandseinkommen.

 Susanne Peyronnet und Doreen Dankert

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