Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Unterricht beim Robin Hood der Meere
Lokales Bad Schwartau Unterricht beim Robin Hood der Meere
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:13 27.09.2016
Selbstbewusst, lässig und eloquent präsentiert sich der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann, wenn er Vorträge vor Schülern hält wie jetzt an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Stockelsdorf. Lehmanns Vorträge regen zum Nachdenken über das Thema Nachhaltigkeit an. Quelle: Fotos: Doreen Dankert

Er hat eine Menge auf dem Kasten. Wie kaum ein Zweiter kennt er sich aus mit Tieren – ganz besonders mit denen am und im Wasser. Er hat mit seinen 33 Jahren schon so viel von der Welt gesehen, wie manch andere Menschen – im biblischen Alter und mit allen Möglichkeiten ausgestattet – nicht einmal ansatzweise. Und manchmal, wenn Robert Marc Lehmann für die gute Sache in etwas heikler Mission unterwegs ist, dann hat er im Gepäck schon mal eine Pistole. Echt und geladen. So wie vor einiger Zeit in Peru, als Lehmann sich nachts auf einen Hinterhof wagte, um Beweise zu sammeln für den illegalen Handel mit Haifischflossen. In solchen Momenten wird Robert Marc Lehmann zum Robin Hood der Meere – auch darüber erzählt er, wenn er zu Gast an Schulen ist. Ungefähr 30 Mal im Jahr passiert das – so wie jetzt an der Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Stockelsdorf.

Meeresbiologe und Forschungstaucher Robert Marc Lehmann begeisterte Stockelsdorfer Schüler mit Vortrag.

Und wenn es jemand schafft, rund 40 Kinder der dritten und vierten Klasse mit Bildern und Worten zwei Stunden lang zu fesseln, dann muss jemand sehr viel Interessantes zu sagen haben – und über ein ausgesprochenes Talent verfügen zum Geschichtenerzählen.

Robert Marc Lehmann ist Meeresbiologe und Forschungstaucher – und hat sich mit diesem Beruf seinen Kindheitstraum erfüllt. Auch das hat er den Kindern in Stockelsdorf erzählt in seinen „Geschichten vom Wasser und Meer“ – einer ganz besonderen Lektion im Rahmen des Sachkundeunterrichts. „An Land gezogen“ hat Referendarin Karen Wetzer den Referenten, der ihr bereits bei einem Vortrag vor einiger Zeit in Eckernförder aufgefallen war. „Das könnte auch unseren Schülern gefallen“, hat Wetzer gedacht und einen Volltreffer gelandet, wie sich herausstellen sollte.

Was Robert Marc Lehmann macht, wenn er vor Schülern spricht, dann macht er viel mehr als nur lebhaft zu schildern, wie cool, aufregend, anstrengend und auch gefährlich sein Job sein kann. Lehmann rückt auch Vorurteile gerade. Dass Haie eigentlich nicht gefährlich sind zum Beispiel. „Jedenfalls nicht, wenn das Wasser klar ist“, so der Meeresbiologe, „wenn das Wasser trüb ist, dann allerdings schon.“ Mit Blauhaien taucht Lehmann am liebsten. „Das sind coole Viecher. Delphine dagegen sind manchmal üble Tiere, die ertränken manchmal Schildkröten nur aus Spaß.“ An dieser Stelle zuckten schon ein paar Mädchen und Jungen zusammen auf ihren Bänken. „Das hätte ich nicht gedacht, dass Delphine sowas machen“, flüsterte ein Mädchen ihrer Freundin neben ihr ins Ohr. Für einen Aha-Effekt bei den Kindern sorgte auch folgender Vergleich von Lehmann: „Durch Haie sterben etwa fünf Menschen weltweit pro Jahr, aber 150 Menschen sterben jährlich, weil ihnen eine Kokosnuss auf den Kopf fällt.

Kokosnüsse sind also viel gefährlicher als Haie.“ Eine Sache erklärt Lehmann, der oft bis zu 70 Meter tief in allen Meeren dieser Welt taucht und auch eine Weile als Safari-Guide in Afrika unterwegs war, den Kindern aber ganz deutlich: „Mit Tieren hatte ich bisher nie gefährliche Situationen, nur mit Menschen.“

Aber Lehmann will in seinen Vorträgen nicht nur Wissen vermitteln und hier und da ein paar Dinge geraderücken, sondern auch ein bisschen zum Nachdenken anregen. Zum Beispiel beim Thema Plastikmüll, der die Meere verdreckt und den die Fische fressen. „Das Schlimmste am Plastik sind die Weichmacher, die alle Tiere zu Mädchen machen“, so Lehmann, der erklärt, dass bereits alle Meere fast komplett leergefischt seien. Und wenn die wenigen Fische, die noch da sind, sich in 20 Jahren nicht mehr vermehren können, weil es dank Plastikmüll nur noch Weibchen gibt, dann habe das fatale Folgen – auch für die Menschheit. „Egal, wo ich hingehe auf dieser Welt, überall ist Plastik, selbst wenn da gar keine Menschen leben“, hat Lehmann festgestellt.

Locker 500 Jahre existiert Plastik, haben die Kinder erfahren. Dieser Müll verrottet einfach nicht. Ein Großteil davon landet im Meer. Wenn er nicht im Magen von Fischen landet, schwimmt er nicht selten Tausende Kilometer um die Welt und wird irgendwo wieder an Land gespült. Fotos von Lehmann beweisen das.

Lehmann zeigt zwar deutlich mit dem Finger auf Probleme wie Plastikmüll, „aber ich gebe auch Lösungen. Ich will helfen, die Welt ein Stückchen besser zu machen.“

Der Kieler hat sein Bestes gegeben in Stockelsdorf. Auf jeden Fall hat er die Kinder so beeindruckt, das keines ohne handsignierte Karte „von dem echt coolen Typen“, wie ein Junge ihn beschrieb, den Raum verlassen wollte.

In Jena geboren

Meeresbiologe, Forschungstaucher, Fotograf und Filmemacher – das ist Robert Marc Lehmann. 1983 wurde Lehmann in Jena geboren. Schon als kleines Kind wusste er, dass er später einmal Wale und Haie erforschen will. Seinen Traum hat er verwirklicht und ist heute Meeresbiologe aus Leidenschaft. Aber nicht nur das: Lehmann ist auch ein Idealist und ein furchtloser Umweltschützer, der sogar hohe Risiken eingeht, um Skandale aufzudecken. Lehmann bereiste bereits mehr als 100 Länder. Mehr unter

www.robertmarclehmann.com

Doreen Dankert

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zwei weitere Aufführungen in 2016: Am 21. Oktober und 18. November.

27.09.2016

Grundschule Bad Schwartau bereitet Aktionen vor.

27.09.2016

Bürgerverein lädt am 9. Oktober zu einem Konzert mit jungen Künstlern.

27.09.2016
Anzeige