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Bad Schwartau Uwe Brinkmann wird neuer Bürgermeister
Lokales Bad Schwartau Uwe Brinkmann wird neuer Bürgermeister
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21:13 09.05.2016
Bürgermeister Gerd Schuberth, der im August in den Ruhestand geht, gratuliert seinem Nachfolger auf dem Chefsessel im Rathaus. Quelle: Fotos: Irene Burow

Elisabeth Kremer hat es schon vorzeitig gewusst: Der parteilose Kandidat der SPD, Dr. Uwe Brinkmann, wird die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Bad Schwartau gewinnen. „Das wird ein guter Tag. Ich habe heute Morgen ein vierblättriges Kleeblatt gefunden“, berichtet die SPD-Stadtvertreterin auf dem Weg zur Stimmenauszählung im Rathaus. Dass der Tag für ihre Partei so gut ausgeht, hat weder Kremer noch ein anderer Genosse wirklich geglaubt. Der 38-jährige Brinkmann gewinnt nicht einfach nur alle zehn Wahlbezirke. Der Regierungsdirektor generiert mit 4620 Stimmen sogar mehr als doppelt so viele Stimmen wie CDU-Bewerberin Ellen Brümmer (2290). Das macht 67,7 Prozent zu 32,3 Prozent. „Ich bin überwältigt. Das ist der schönste Tag in meiner mehr als 20 Jahre langen politischen Arbeit in Bad Schwartau“, sagt SPD-Fraktionschef Hans Tylinski.

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Uwe Brinkmann wird von seinen drei Töchtern Pippa (3), Tessa (5) und Romy (7) sowie von Ehefrau Larissa unterstützt.

Rund 120 Gäste verfolgen den Wahlausgang live im großen Sitzungssaal des Rathauses. Uwe Brinkmann hat familiäre Verstärkung mitgebracht; Ehefrau Larissa und seine drei Töchter Pippa (3), Tessa (5) und Romy (7). „An so einem Tag dürfen die ja nicht fehlen“, sagt Brinkmann optimistisch bei seiner Ankunft. Tagsüber hat die Familie das schöne Wetter am Strand von Travemünde genossen.

CDU-Bewerberin Ellen Brümmer ist nicht ganz so zuversichtlich. Sie kommt gar nicht erst in den Saal und verfolgt die Bekanntgabe der Ergebnisse auf dem Rathausflur. Um 18.21 Uhr kommt das erste Ergebnis rein. Jubel bei der SPD und erster verhaltener Applaus. Der Wahlbezirk Groß Parin geht mit 56,6 Prozent an Brinkmann. Ein echter Fingerzeig. Vor zwei Wochen noch war Groß Parin der einzige von zehn Wahlbezirken, der an Ellen Brümmer ging. Entsprechend verfinstern sich auch die Mienen im CDU-Lager. Und es kommt immer dicker. Die anderen Wahlbezirke gehen alle mit weit über 60 und sogar 70 Prozent an den Mann, den bis vor drei Monaten in Bad Schwartau keiner kannte. Die SPD-Landtagsabgeordnete Sandra Redmann meldet sich schon in Feierlaune vorzeitig per Whatsapp bei ihrer Tochter ab. „Ich schreibe, dass es heute später werden kann“, sagt Redmann mit einem Lächeln.

Bürgervorsteherin Birgit Clemens (CDU): „So extrem habe ich das nicht erwartet. Ich bin schon enttäuscht, dass die Leute nicht gesehen haben, was Ellen Brümmer in der Vergangenheit schon alles für die Stadt geleistet hat.“

Noch bevor der letzte Wahlbezirk ausgezählt ist, nimmt Uwe Brinkmann die ersten Glückwünsche entgegen — auch von Ellen Brümmer. Der langjährige WBS-Vorsitzende Dieter Groß sagt klatschend: „Der Wechsel wird Bad Schwartau gut tun.“ Der Wahlsieger strahlt und freut sich über den Applaus. Zu großen Posen oder emotionalen Ausbrüchen lässt er sich nicht hinreißen. Irgendwie ist er schon gleich im Verwaltungsschef-Modus. „Mit so einem Wahlergebnis konnte man nicht rechnen. Das ist ein enormer Vertrauensbeweis. Ich verstehe das als Auftrag, den ich aber nicht alleine erfüllen kann, sondern nur mit allen Mitarbeitern im Rathaus und guter Zusammenarbeit mit allen Fraktionen“, sagt Brinkmann, der von sehr intensiven Wochen spricht. „Ich habe Bad Schwartau im Crashkurs kennengelernt“, so der Wahlsieger, der im Anschluss mit seinen Freunden und Unterstützern im „Sausack“ feiern geht. Dort gucken später auch CDU- und WBS-Mitglieder rein.

Ellen Brümmer trägt die Pleite derweil mit Fassung. „Wer zur Wahl antritt, muss auch mit einer Niederlage rechnen“, so Brümmer, die auch weiter politisch in Bad Schwartau als Fraktionschefin aktiv sein wird. Bestärkt wird sie dabei auch vom CDU-Ortsverbandschef Frank Schumacher: „Natürlich werden wir aus dem Ergebnis Konsequenzen ziehen, aber inhaltliche und keine personellen.“

Klares Votum: Bad Schwartau hat einfach Lust auf etwas Neues

Kein Sakko, keine Krawatte, das Oberhemd lässig aufgekrempelt. Die Ehefrau trägt ein rotes Sommerkleid, die drei Töchter mit den langen wilden Haaren sind mit Rock und T-Shirt im Einheitslook gekleidet. Keine Frage, mit Dr. Uwe Brinkmann kommt ein ganz neuer Stil ins Rathaus. Und genau das haben sich die Bad Schwartauer auch gewünscht. Ein frisches, unverbrauchtes Gesicht, das der Stadt vielleicht auch nach außen signalisiert: Hier tut sich etwas — weg vom Image der eher behäbigen Stadt.

Der 38-Jährige ist tatsächlich einer, der für einen Neuanfang steht. Er kommt von außen, hat keine „Altlasten“ oder besondere Verbindungen in der Stadt. Der Volljurist wurde zwar von der SPD ins Rennen geschickt, aber er hat auch Wert darauf gelegt, nicht nur Mann der Genossen zu sein. Auf seinen Wahlplakaten hat er auf einen Schriftzug der Partei komplett verzichtet. Die SPD hat mit dem Kandidaten Brinkmann dennoch einen großen Coup gelandet und darf sich darüber auch mit Recht freuen. Die jahrzehntelange CDU-Ära im Rathaus wird beendet. Binnen drei Monaten hat sich der unbekannte Kandidat in Bad Schwartau zum Hoffnungsträger aufgeschwungen. Das war schon an den Wahlkampfständen zu merken. Die Bad Schwartauer wollen etwas Neues.

Bei dieser Wechselstimmung hatte es die etablierte CDU-Kandidatin Ellen Brümmer schwer. Zumal auch in den eigenen Reihen der Rückhalt nicht bedingungslos war. Die Lust auf Neues war selbst bei langjährigen CDU-Mitgliedern herauszuhören, wenn sie hinter vorgehaltener Hand sagten: „Mit dem Brinkmann könnten wir auch gut leben.“ Ob dieser Stimmungslage war für Ellen Brümmer tatsächlich nicht viel zu holen.

Bad Schwartau hat den Hoffnungsträger Brinkmann, der mit frischem Wind für die Stadt geworben hat, mit großer Mehrheit zum Bürgermeister bestellt. Herzlichen Glückwunsch zu diesem fulminanten Wahlerfolg! Man darf nun gespannt sein, was Brinkmann ab August liefert. Glück Auf!

Von Sebastian Prey

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