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Bad Schwartau Verein Sucht- und Lebenshilfe ist selbst in höchster Not
Lokales Bad Schwartau Verein Sucht- und Lebenshilfe ist selbst in höchster Not
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21:21 26.06.2013
Von Sebastian Prey
Bernd Kubsch und Axel Gieseler überreichten den 1000-Euro-Scheck von der Bruhn-Stiftung an Wolfgang Friedrich (v. l.) vom Verein Sucht- und Lebenshilfe. Quelle: Foto: S. Prey

Seit mehr als 20 Jahren ist Wolfgang Friedrich als Helfer in der Not für Menschen in Bad Schwartau und Umgebung da. Der 65-Jährige ist zwar kein Therapeut oder verfügt über eine andere entsprechende Ausbildung, aber er kann und weiß Menschen zu helfen. „Ich habe alles selbst mit- und durchgemacht“, so der gelernte Kaufmann. In Einzelgesprächen oder bei den regelmäßigen Gruppentreffen in der Eutiner Straße 5 hilft Friedrich mit seiner Erfahrung. „Ohne diese Anlaufstelle hätte ich es nicht gepackt“, sagt Franz (Namen geändert). Der 65-Jährige hatte ein Alkoholproblem. „Ich stand kurz davor, meine Arbeit und Familie zu verlieren“, erinnert sich Franz, der im Verein Sucht- und Lebenshilfe Halt gefunden hat.

Das war vor 13 Jahren und Franz hält dem Verein noch immer die Treue. Er ist einer von derzeit 90 Mitgliedern, die den Verein durch ihren Jahresbeitrag am Laufen halten. „Dank einiger größerer Spenden sind wir auch immer über die Runden gekommen“, berichtet Friedrich. Doch eine regelmäßige Jahresspende von 5000 Euro ist jetzt weggebrochen. „Wenn ich nicht bis 2014 weitere 7000 Euro einwerbe, muss ich den Verein aufgeben“, erklärt Friedrich, der unlängst auch bei öffentlichen Stellen um Zuschüsse gebeten hat. Vergeblich. Ein Grund: Es gibt auch andere öffentliche Angebote dieser Art, die der Kreis oder etablierte Vereine mit ausgebildeten Therapeuten anbieten. „Die Hemmschwelle dorthin zu gehen, ist jedoch meist größer als zum Verein Sucht- und Lebenshilfe“, weiß auch Axel Gieseler (SPD), der jüngst in einem städtischen Ausschuss mit seinen Politik-Kollegen über einen finanziellen Zuschuss aus der Stadtkasse für den Verein von Wolfgang Friedrich beraten hat. „Das war nicht ganz einfach“, so Gieseler, der jetzt als Vorsitzender der Bruhn-Stiftung Friedrich und einigen Klienten einen Besuch abstattete und einen 1000-Euro-Scheck überreichte. „Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Gieseler, der sich von den Berichten der Klienten aber beeindruckt zeigte.

So ist Fabian erst seit einigen Wochen dabei. Der Mittzwanziger wollte sich nach seinem Führerscheinverlust nur pflichtgemäß bei Friedrich auf die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) vorbereiten. „Ich habe hier schnell gemerkt, dass es nicht damit getan ist, nur ein paar Stunden abzureißen“, berichtet Fabian. „Mein Problem liegt tiefer. Ich habe erkannt, dass ich ein Drogen- und Alkoholproblem habe und rühre seitdem nichts mehr an“, so Fabian. Gabriele hat zwar selbst kein Problem, aber dennoch kommt die Frau jetzt regelmäßig ins Büro von Wolfgang Friedrich. „Mein Mann gehört seit einem Jahr zur Donnerstagsgruppe. Seitdem hat sich unser ganzes Leben positiv verändert“, erklärt Gabriele, die jetzt Friedrich als Dank bei der Büroarbeit unterstützt. „Von Sucht und Lebenskrisen sind auch immer die Angehörigen betroffen“, berichtet Gabriele. Unterstützung bekommt Wolfgang Friedrich jetzt auch von Wieland Behnke. Der Sporttherapeut ist vor zehn Jahren nach dem Tod seiner Ehefrau in ein „tiefes Loch“ gerutscht. „Hier gibt es nicht nur Unterstützung, wenn man ein Suchtproblem hat, sondern auch, wenn man in einer Lebenskrise steckt“, berichtet Behnke von seinen Erfahrungen, die er jetzt auch dem Verein zur Unterstützung zur Verfügung stellen wird. „Das Besondere ist einfach, dass man hier anrufen oder kommen kann, wann man will. Wolfgang hilft immer.“

Hintergrund

300 Klienten-Kontakte hat Wolfgang Friedrich im Jahr. Ein Teil der Ratsuchenden kommt aus Bad Schwartau und Umgebung. Dass Alkoholismus eine Krankheit ist, die lebenslange Behandlung erfordert, hat der Bad Schwartauer Wolfgang Friedrich am eigenen Leib erfahren. Jahrelang hing auch er an der Flasche. Seit 26 Jahren ist er trocken. Weil er um die Probleme von Alkoholikern weiß, nutzt er seine leidvollen Erfahrungen dazu, anderen Hilfestellung zu geben, mit dieser Krankheit zu leben. Friedrich bietet auch Beratungen für eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) an. Wer seinen Führerschein abgeben musste, benötigt, um ihn wiederzuerlangen, eine MPU. Friedrich gründete einst die „Fachgruppe für alkohol- und drogenauffällige Kraftfahrer“ in Lübeck.

Weitere Infos unter www.mpu-start.de oder unter Telefon 0451/80 68 23.

Sebastian Prey

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