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Bad Schwartau Vertrauenssache: Fußball mit verbundenen Augen
Lokales Bad Schwartau Vertrauenssache: Fußball mit verbundenen Augen
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18:18 05.12.2017
Eine besondere Erfahrung war für die Schüler das Fußballspiel mit verbundenen Augen. Hierbei musste ein Spieler sich auf einen Partner am Spielfeldrand verlassen, der ihm zurief, wo genau er hinlaufen sollte. Quelle: Fotos: Doreen Dankert

Dinge, die im normalen Schulalltag nicht auf dem Stundenplan stehen, gab es jetzt einen ganzen Vormittag für die Schülerschaft der ESG. Gut ein Dutzend verschiedene Projekte wurde angeboten – Monate vorher konzipiert und vorbereitet vom Kopf des Organisationsteams: den beiden Lehrerinnen Ursula Baumhöfer, Stephanie Thieß und Schulsozialarbeiter Johannes Schwarte. „Es ist ganz bewusst anders als Unterricht“, erklärt Stephanie Thieß, „es geht darum, dass die Schüler sich auf etwas einlassen, was sie sich bisher noch nicht vorstellen konnten. Darum, etwas auszuprobieren.“ Und auf diese Weise die Perspektive zu wechseln, zu einer anderen Sicht auf die Dinge zu kommen, den eigenen Horizont zu erweitern und letztlich die Grenzen der eigenen Toleranz ein Stückchen weiter zu stecken.

„Fremde Heimat“ hieß das Theaterstück, das der Weimarer Kultur Express an der ESG aufführte.
Luka Sorg (l.) machte Fotos von allen Schülern für ein großes Banner, das später in der Schule hängen soll.

Und so gehörten an diesem Aktionstag, der im Übrigen an vielen Schulen Anfang Dezember in einer landesweiten Aktion stattfindet, an der ESG „Afrikanisches Trommeln“, „Religion (er)leben“ oder auch das Knüpfen von Freundschaftsbändern dazu.

Ein sehr spezielles Erlebnis dürfte wahrscheinlich der „Blindenfußball“ in der Sporthalle gewesen sein. Mit verbundenen Augen einem Ball hinterherlaufen, der Geräusche von sich gibt zur Orientierung der Spieler. Aber das allein reicht nicht. Sportlehrer Malte Nagurski erklärte den Schülern, wie Fußball mit verbundenen Augen funktioniert – und worauf es wirklich ankommt: „Der Partner am Spielfeldrand ruft euch zu, ob ihr nach links, rechts oder geradeaus laufen sollt. Er sieht für euch, und ihr müsst ihm vertrauen.“ Es geht also um viel mehr als eine extrem spaßige Art, Fußball zu spielen. Es geht darum zu lernen, einem anderen vertrauen zu können.

Und warum ist es wichtig, einem anderen Menschen vertrauen zu können? Ganz einfach. Im kleinen Einmaleins der Psychologie ist nachzulesen unter dem Begriff „Misstrauen“, dass auf Basis von grundsätzlichem Misstrauen gegenüber einer anderen Person eine Bindung – zum Beispiel in Form von Freundschaft – von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Ein gesundes Misstrauen sei zwar gut und richtig, aber ein krankhaftes Misstrauen habe immer seine „Geschwister“ Argwohn und Feindseligkeit im Schlepptau – also Gift für Toleranz. „Wir wollen aber Toleranz fördern“, sagt Stephanie Thieß, „deswegen ist es wichtig, das zum Thema zu machen.“

„Blindenfußball ist deshalb eine gute Sache“, sagt Johannes Schwarte, „weil die Schüler in einer sehr intensiven Erfahrung lernen, wie wichtig es ist, dass man sich auf jemanden verlassen kann, aber auch, dass es wichtig ist, dass die andere Person sich wiederum auch auf einen selbst verlassen kann.“ Nämlich spätestens dann, wenn die Rollen getauscht werden und der vorher „Blinde“ jetzt am Spielfeldrand für den anderen sieht und der andere sich darauf verlassen können muss, dass die Wegbeschreibung des Sehenden richtig ist.

Von Doreen Dankert

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