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Bad Schwartau Vom Kuscheltier bis zum Feuerlöscher
Lokales Bad Schwartau Vom Kuscheltier bis zum Feuerlöscher
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12:20 19.10.2015
Neben dem Schreibtisch von Ordnungsamtsmitarbeiterin Alexandra Miotke steht ein ganzer Ständer voller Schlüssel. Quelle: I. Mertz
Bad Schwartau

„Die Bad Schwartauer sind ehrliche Finder“, sagt Alexandra Miotke. Und die 44-Jährige muss es wissen. Schließlich betreut sie seit fünf Jahren das Fundbüro im Rathaus der Stadt Bad Schwartau.

250 bis 300 Fundsachen werden jährlich dort abgegeben. Vom Kuscheltier bis zum Autoschlüssel ist alles dabei. So haben sich auch schon einige kuriose Geschichten zugetragen. Miotke: „Einmal wurden zwei volle Feuerlöscher auf der Straße gefunden und abgegeben, und einen Rollator haben wir auch bekommen. Den muss wohl jemand nach dem Genuss eines alkoholischen Getränks vergessen haben.“ Am häufigsten jedoch werden Schlüssel gefunden und abgegeben. Dass sie anschließend vom Eigentümer abgeholt werden, passiert selten. Nur fünf Prozent der abgegebenen Fundsachen werden im Schnitt abgeholt. Das liegt zum Teil auch daran, dass viele Leute nicht mal wissen, dass es ein Fundbüro in Bad Schwartau gibt. „Es ist erschreckend“, sagt Miotke.

Dabei lohnt es sich durchaus, gefundene Dinge im Fundbüro abzugeben. Denn wer sich seinen Aufwand und seine Ehrlichkeit belohnen lassen möchte, kann das ganz einfach tun, indem man bei der Abgabe des gefundenen Gegenstands Finderrechte anmeldet. Wenn ein Gegenstand innerhalb von sechs Monaten nach der Abgabe nicht vom Eigentümer abgeholt wird, profitiert der Finder. An eine „ganz süße“ Geschichte erinnert sich Alexandra Miotke gerne: „Da kam ein Vater mit seinen drei Kindern, die ein Handy gefunden hatten. Die Kleinen hofften natürlich auf Finderlohn, zumal ihr Vater ihnen erklärt hatte, wie wichtig Ehrlichkeit sei. Doch die Besitzerin des Handys hat sich dafür gar nicht interessiert und sagte nur lapidar ,Ach, da ist es ja wieder‘“, erzählt Alexandra Miotke. Also haben sie und ihre Kollegen eine Tüte Süßigkeiten für die Kinder gekauft, „denn schließlich soll Ehrlichkeit ja belohnt werden“.

Sind aber keine Finderrechte angemeldet, werden nicht abgeholte Sachen nach einem halben Jahr weiterverwertet. Schlüssel beispielsweise gehen zum Altmetall. Und Kleidung, Schuhe oder Regenschirme, die noch zu gebrauchen sind, werden der Awo gespendet. „Bad Schwartau leistet sich den Luxus zu spenden“, erzählt Frau Miotke lächelnd. Brillen zum Beispiel gehen zum Optiker „Kuck mal“, der sie nach Afrika weiterleitet.

Im Idealfall kommt irgendwann der Besitzer eines Fundgegenstands in Alexandra Miotkes Büro. Da jedoch nicht jeder einfach alles mitnehmen kann, stellt die 44-Jährige dann erstmal einige Fragen. „Von welcher Firma stammt denn Ihr Handy?“ lautet so eine. „Manche sagen dann ,Welche haben Sie denn da‘“, so die Ordungsamtsmitarbeiterin, „die können gleich wieder gehen.“ Wer ein verlorenes Handy abholen will, sollte am besten den Kaufbeleg mitbringen. „Wir haben den Besitzer aber auch schon mal anhand von Fotokenntnissen identifiziert“, erzählt sie. Bei verlorenem Geld ist die Zuordnung schon schwieriger. Man sollte angeben können, wann und wo genau man das Geld verloren hat und aus welchen Scheinen sich die Summe des Geldes zusammensetzt. Und wer einen Autoschlüssel wiederhaben möchte, sollte ein Gegenstück vorweisen können. „Ein Weg, den wirklichen Besitzer zu identifizieren, findet sich fast immer“, sagt Alexandra Miotke, die derzeit an einem besonders schwierigen Fall arbeitet. Ein Däne, der in Bad Schwartau zu Besuch war, vermisst seine Brieftasche. „Der kann natürlich nicht einfach herkommen, also erledige ich einige Telefonate für ihn.“

Alle anderen, die etwas vermissen oder etwas abgeben wollen, können sich persönlich im Fundbüro im Erdgeschoss des Rathauses melden. Alexandra Miotke ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr zu sprechen. Telefonisch ist sie unter 0451/2000-2311 erreichbar.

„Bad Schwartauer sind ehrliche Finder.“
Alexandra Miotke,
Mitarbeiterin Fundbüro

Inga Galstian

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