Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Vom Türsteher zum Sternekoch?
Lokales Bad Schwartau Vom Türsteher zum Sternekoch?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:14 02.06.2016
Eine Kreation von Jack Lord Kyeremanteng: Feines Lachstartar abgeschmeckt mit Zitrone und Dill, dazu Honig-Senf-Mus mit Pumpernickel und Meerrettich-Kaviar. Räucherholz mit Apfelgeschmack wird mit einer Smoking-Gun (Rauchpistole) erzeugt und sorgt für einen besonderen Effekt. Das Gericht nimmt den Geschmack an. Quelle: Fotos: Irene Burow

Für ihn ist es wie ein Rausch: Jack Lord Kyeremanteng steht jeden Tag in der Küche. „Trainieren“ nennt er das, wenn er Essen anrichtet wie ein Kunstwerk, Gewohntes anders zubereitet, Geschmacksrichtungen kombiniert. Dabei kommt dann Gurken-Perlzwiebelrelish heraus, Champagnertraubensüppchen mit Kaviar oder ein Liebesapfel im Miniaturformat. „Die Ideen fliegen mir so zu, ich kann es nicht erklären“, sagt er.

Zur Galerie
Der 27-Jährige stellt seine eigenen Gewürzmischungen her. Zum Beispiel „Hot Taste“: Sie enthält Thaichili, schwarzen Pfeffer, Rosalin-Pfeffer, Meersalz und Thymian.

Der 27-Jährige aus Bad Schwartau ist Private Chef. Ein Koch, der auf Ausnahme-Niveau Gängemenüs bei Privatleuten zubereitet. Durch Mundpropaganda wird er weiterempfohlen, kochte kürzlich für eine Multimillionärin auf Mallorca. Im September fliegt er auf Bestellung nach Hongkong.

„Ich fühle mich wie ein kleiner Star“, sagt er mit leuchtenden Augen. Seine junge Facebook-Seite zählte nach zwei Tagen tausend Fans. Dort zeigt er mit Bildern und Videos, wie komplex, filigran und arbeitsintensiv ein Gericht sein kann.

„Der Fernsehkoch Dirk Hoffmann hat kürzlich eines meiner Videos angesehen und geteilt“, jubelt Jack Lord Kyeremanteng. Anschließend habe er ihn gefragt, ob er nicht Lust auf die Koch-Show „The Taste“ hätte. Die Ereignisse überschlagen sich.

So richtig glauben kann der Bad Schwartauer das alles noch nicht. Denn als er 2009 im Maritim Seehotel Timmendorfer Strand seine Koch-Ausbildung beendete, hieß es für ihn: „Nie wieder kochen!“ Zu anstrengend war ihm der Job mit dem vielen Stehen, vielen Überstunden und geringer Bezahlung. Dazu kündigte sich Nachwuchs an und er entschied sich für die Familie.

2010 heuerte er in Lübeck als Türsteher an, arbeitete in der Discothek „A1“, im „Parkhaus“ und auch in Hamburger Lokalitäten. Vier Jahre hielt er das aus. „Es gab immer Ärger an der Tür, man macht sich viele Feinde“, sagt er heute.

Seine Karriere als Türsteher gipfelte schließlich im Februar 2014 in einer Messerstecherei vor einer Kneipe in der Lübecker Engelsgrube. Er sei privat unterwegs gewesen und als Unbeteiligter grundlos attackiert worden, erzählt Kyeremanteng. Er wurde im Gesicht getroffen, sein Kieferknorpel durchtrennt. „Dabei habe ich noch Glück gehabt“, sagt er. Schlimmer war die Zeit danach, in der er weiter bedroht wurde. „Ich ging psychisch kaputt“ – und zog sich monatelang zurück.

„Im November 2014 habe ich mich gefragt, was ich kann“, sagt der Bad Schwartauer, und gab dem Kochen eine neue Chance. „Seit dem Tag denke ich 24 Stunden nur ans Kochen.“ Er fragte seinen alten Chef und steht seither wieder in der Küche seines Lehrbetriebes in Timmendorfer Strand. Parallel zu dem täglichen Job hat er sich als Privat Chef selbstständig gemacht und bekocht Familien, Unternehmer und andere in ganz Europa.

Davon leben kann er noch nicht. Für ihn zählt aber erst mal nur eines: „Den Sterneküchenstil finde ich total toll.“ Demnach hat seine Leidenschaft inzwischen System: Ein ganzer Raum in seiner Wohnung dient als Kreativbude. Fotos von edel angerichteten Gourmet-Kunstwerken schmücken seine Wand, darunter dutzende Grafiken, welche Geschmacksrichtungen sich miteinander kombinieren lassen.

Seine Menüs, bestehend aus bis zu zehn Gängen, haben Ausnahme-Charakter. 2015 hat er sein Talent an der Küste bereits bewiesen, als er zu den Siegern des Ostseegerichts zählte. „Das war mein Comeback“, sagt der Bad Schwartauer. Den Kochwettbewerb „Rasmussen-Baltic-Pokal“ in Neustadt gewann er kürzlich, obwohl er als einziger allein kochen musste. Mittlerweile spendieren vier Sponsoren Schürzen, Kochjacken, Küchenutensilien. Visitenkarten sind gedruckt, eine Homepage inklusive Shop ist in Arbeit.

Denn in seiner Kreativbude entwickelt er auch eigene Gewürzmischungen und Öle. Sein Ziel: Er will einen Stern erkochen. Diesem Sterne-Traum kommt er in einigen Wochen ein Stückchen näher, wenn das „Nautic“ in Timmendorfer Strand wieder öffnet. Dessen neuer Chef, Philipp Klein-Dohse, will das „Nautic“ zu seiner alten Exklusivität zurückführen. Dazu gehört auch das Restaurant „Nautic Garden“, in dem Jack Lord Kyeremanteng als Chefkoch anfangen wird.

„Ich möchte nicht mehr kochen, wie der Chef es will. Das ist mir zu normal“, begründet er den Wechsel. Dann ist er sein eigener Herr und kann seine Arbeit immer weiter verfeinern. Irgendwann will er so gut vorbereitet sein, „bis der Feinschmecker kommt“. Für Timmendorfer Strand wäre es der zweite Stern.

„Durch den Schicksalsschlag habe ich meinen Weg gefunden“, sagt der 27-Jährige nachdenklich. „Viele haben mir das nicht zugetraut.“ Damit er die ganze Geschichte erzählen kann, hat er schon einmal angefangen ein Buch zu schreiben. Der Titel: „Vom Türsteher zum Sternekoch.“

Der Privatkoch

Bucht jemand den Privatkoch, wird zunächst in einem Vorgespräch geklärt, wie viele Gänge es geben soll, wie viele Personen bekocht werden, welche Zutaten in Frage kommen und das Budget, das zur Verfügung steht. Jack Lord Kyeremanteng schlägt dann zwei Menüs vor, aus denen gewählt werden kann.

Die Kunden kaufen die Zutaten oder bezahlen sie später per Rechnung. Für vier Personen und fünf Gänge sind mindestens 100 Euro nötig. Zusätzlich wird die Kochleistung bezahlt, für dieses Beispiel sind das derzeit ungefähr 250 Euro.

 Irene Burow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Dieses Klassentreffen hat schon etwas Historisches. 60 Jahre nach ihrem Abschluss am Staatlichen Gymnasium haben sich jetzt die ehemaligen Pennäler wieder in Bad Schwartau getroffen.

02.06.2016

Das Kommunale Kino zeigt am Dienstag den modernen deutschen Streifen „Victoria“.

03.06.2016

Hauptmann-Grundschule kooperiert mit ATSV bei Sport-Projekt für Erstklässler.

03.06.2016
Anzeige