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Bad Schwartau Vom einfachen Leben in Ccapi: Ein "Gringo" unterricht in den Anden
Lokales Bad Schwartau Vom einfachen Leben in Ccapi: Ein "Gringo" unterricht in den Anden
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16:52 09.06.2015
Beim Personentransport in Peru darf man als Passagier nicht so zimperlich sein auf der Ladefläche. Quelle: Fotos: Schmidt
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Jan-Philipp hilft in Peru

Nun dauert mein Abenteuer Peru schon knapp einen Monat an. Ein guter Zeitpunkt, Revue passieren zu lassen. In dieser Zeit habe ich schon einiges erlebt, viele neue Bekanntschaften gemacht und jede Menge über Land und Leute erfahren. Beginnen wir chronologisch:

In meinem letzten Schuljahr wurde mir klar, dass ich nicht sofort nach der Schule mit einem Studium weitermachen würde, denn erst einmal wollte ich etwas von der Welt sehen. Doch wie und wohin? Work and travel, Au-pair oder ein Freiwilligendienst im Ausland? Im Internet stieß ich auf die Seite von weltwärts, dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst der Bundesregierung. Einer sinnvollen Arbeit nachgehen und gleichzeitig eine neue Kultur kennenlernen? Das war überzeugend. Mich interessierte vor allem die Kultur Südamerikas, die Menschen, das Klima und die vielfältigen Landschaften. In welches Land es gehen sollte, war mir erstmal gar nicht so wichtig. Außerdem, wozu hatte ich in der Schule Spanisch gelernt, wenn nicht hierfür? Also bewarb ich mich bei J.i.A. in Kiel und wurde zu meiner Freude für Peru angenommen.

Auch meine Eltern befürworteten die Idee, auch wenn es ihnen sicher nicht leicht viel, mich für ein Jahr gehen zu lassen. Nach Wochen der Vorbereitung gefüllt mit Sachenpacken, Impfungen, Vorbereitungsseminar und der Verabschiedung von Freunden, ging es endlich los ins Abenteuer.

Die Inkastätte Machu Picchu nahe Aqua Calientes


La Compañía de Jesús – Die Kirche der Jesuiten wurde von 1552 bis 1668 auf den Grundmauern des Palastes von Huayna Cápac erbaut. Sie übertrifft die Kathedrale in Prunk und Schönheit, was damals zu einem Kirchenstreit führte.


Der Inka Pachacutec thront auf dem Brunnen des Plaza des Armas.


Der Plaza de Armas in Cusco bei Nacht


Das Typische Stadtbild Cuscos: Eine ältere Dame mit typischem Tragetuch


Abschiedszene von Schülern der ehemaligen Freiwilligen, in Lucre nahe Cusco


Nach einer Woche im Hotel war es dann endlich soweit und ich sollte die Reise in mein Dorf antreten. Wie sich in der Vorbereitung des Auslandsjahres herausgestellt hatte, sollte der Einsatz von zwei der insgesamt acht Freiwilligen nicht, wie zuerst gedacht, in dem näher an Cusco liegenden Tipón stattfinden, sondern im circa 6 Fahrstunden entfernten Ccapi. Nach großem Hin- und Her und einer Entscheidung durch Auslosung, gehörte ich schließlich auch zum Team-Ccapi. Ich hatte also keine Wahl mehr, aber fühlte mich gut mit der Entscheidung, auch wenn ich befürchtete, dass es wohl auf Dauer zu eintönig werden könnte. Denn in die kleine, etwas tiefer gelegenen Comunidad mit rund 300 Einwohnern im Zentrum, hatten sich bisher selten ein Ausländer verirrt. Diese Unberührtheit ebenso wie die Tatsache, das dort viel Quechua, die alte Indianersprache, gesprochen wird, das ich vielleicht erlernen könnte, machte den Ort für mich aber auch interessant.

Leere - Blick auf die Straße bei der ersten Fahrt nach Ccapi


So ging die Fahrt nach Ccapi zwei Tage später mit einem Lastwagen los, die Berge hinunter. Im Gegensatz zu den 20 Passagieren, die zusammen mit meinem Gepäck einen Platz auf dem Dach des Lastwagens einnahmen, hatte ich als unerfahrener Gringo (Bezeichnung für Fremde/ Ausländer; meint eigentlich US-Amerikaner) das Glück, einen Platz im Führerhaus zugeordnet bekommen zu haben. Trotz einiger schwieriger, aber immer humorvoller Gespräche mit den Einheimischen, deren Spanisch nicht selten mit Quechua vermengt ist, kam mir die Fahrt endlos vor, denn sie sollte nicht, wie versprochen, sechs Stunden, sondern knapp elf dauern.

Ein Grund hierfür war wohl nicht nur die atemberaubende Geschwindigkeit des Lkws auf der unbefestigten, kurvigen Straße, sondern auch die Tatsache, dass der Laster, je näher wir unserem Ziel kamen, alle paar Meter anhielt, sobald mal wieder ein Betrunkener oder Bekannter des Fahrers die Staße kreuzte. Nur zu gut erinnere ich mich an die letzten Stunden der Fahrt, in denen ich totmüde und hungrig, den Klängen der sich ständig wiederholen peruanischen Musik ausgesetzt war und mit leerem Blick in die Dunkelheit der endlos scheinenden Straße schaute. Ich wünschte mir da nichts sehnlicher als einen Teller Spaghetti und mein eigenes Bett.

Ich kam dann schließlich doch an und durfte nach einer Nacht in einer Art Herberge, am nächsten Morgen, endlich meine Gastfamilie kennenlernen. Hier werde ich zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Anna aus der Nähe von Köln, für ein Jahr leben.

Meine Gasteltern und Anna, mit denen ich ein Jahr zusammenleben werde.


Ich mit Pferd "Cigarillo" nach dem ersten Ritt


Wie der Großteil der Dorfbevölkerung und Perus gehören die beiden dem katholischen Glauben an. Obwohl auch in fast jedem Haushalt wie auch in Autos und Bussen Heiligenbilder zu finden sind und es zudem Messen und religiöse Feste gibt, nimmt der Glaube aber im Alltag der meisten keine große Rolle ein. Der Glaube ist zu einem Teil vermischt mit den alten Naturreligionen, die vor der Zeit der spanischen Eroberer hier Brauch waren. Beispielsweise ist es Tradition, sobald man zusammen etwas trinkt, ob Bier oder Cola, das erste bisschen auf den Boden zu schütten, um seine Dankbarkeit zu zeigen und der "Pachamama" oder Mutter Erde seine Ehre zu erweisen.

 

Anna und ich in unserer ersten Woche im Dorf beim Arbeiten. Die klischeehafte Rollenverteilung: Anna schält und ich säge.


Vor der Fahrt mit den Lehrern zu einem Fußballspiel im Dorf "Wanka Wanka"


Nach einer Woche durften wir in der weiterführenden Schule, die erst kürzlich neu gebaut wurde, den Englischunterricht leiten. Viele Kinder sind sehr neugierig auf uns und den Unterricht. Gerne beobachten uns die jungen Schüler heimlich auf dem Pausenhof und laufen kichernd weg, wenn wir sie dabei ertappen. Es ist merkwürdig auf einmal auf der anderen Seite des Klassenraums zu stehen, macht aber Spaß. Hier ist vor allem das Motivieren der 10-bis 20-jährigen Schüler wichtig, die bisher sogar schon Englischunterricht hatten, aber nicht viel mitgenommen haben. Das Niveau ist so niedrig, dass Anna und ich praktisch ganz von vorne anfangen - mit Farben, Zahlen, Körperteilen.

Einmal in der Woche unterrichten wir auch in der örtlichen Grundschule, wo die Kids sich immer freuen, wenn wir ankommen. Die meisten kennen nun auch unsere Namen, sodass sie uns nicht mehr nur mit einem freudigen "Gringo"-Schrei begrüßen. Einige von ihnen können auch manchmal ein bisschen anhänglich werden, aber das macht nichts, denn sie sind wirklich süß. Es macht mir viel Spaß, in der Pause mit ihnen Fußball zu spielen.

Ein Steinhaufen auf dem höchsten Punkt des Berges mit den Präinkaruinen. Jeder Wanderer legt einen Stein hinzu.


Anna und ich beim Beobachten des Kondors


Ein Andenkondor.


 Auch wenn alles hier für mich ziemlich neu und anders ist, fühle ich mich wohl und gewöhne mich langsam an das Leben in Ccapi.

Freiwilligendienst im Land der Inka
Jan-Philipp Schmidt hat sich nach seinem Abitur am Leibniz-Gymnasium in Bad Schwartau bei Freiwilligendienst „Weltwärts“ vom Bundeswirtschaftsministerium beworben. Schmidt hat eine Zusage für ein Jahr als Englischlehrer in Peru bekommen.

Peru ist ein Land in Südamerika, dreieinhalb mal so groß wie Deutschland, mit 30 Millionen Einwohnern. Peru ist 11000 Kilometer von Deutschland entfernt. Amtssprache ist Spanisch.
Peru hat drei verschiedene Klimazonen vom rauen Andenhochland bis hin zum tropischen Regenwald und Nebelwald. In Peru liegt die bekannte Inka-Ruinenstadt Machu Picchu, die ein beliebtes Touristenziel ist.
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