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Bad Schwartau Von 18 bis 80: Ostholstein rüstet auf
Lokales Bad Schwartau Von 18 bis 80: Ostholstein rüstet auf
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18:10 11.08.2018
Stefan Tuschmann, Inhaber des Waffengeschäftes Bockwoldt in Oldenburg, mit einer Gaspistole und einem Gasrevolver. Quelle: Fotos: Louis Gäbler
Ostholstein

Auch in Bad Schwartau hat Uwe Gründlich vom Ordnungsamt diesen Trend ausgemacht. „Konkrete Zahlen haben wir aber nicht, weil wir nur die Antragsvordrucke ausgeben. Die Antragstellung läuft dann ausschließlich über die Kreisverwaltung“, berichtet der stellvertretende Leiter des Ordnungsamtes in der Solbadstadt.

Der „Kleine Waffenschein“ ist gefragt wie nie. 2017 wurden 339 Anträge registriert, im ersten Halbjahr 2018 bislang schon 277 Anträge. Seit 2015 haben sich die Antragszahlen deutlich gesteigert und bewegen sich seitdem „auf sehr hohem Niveau“, teilt der Kreis mit.

Schreckschuss-, Signal- und Gaswaffen sind frei verkäuflich – und zwar ab 18 Jahren. Sie kosten im Handel zwischen 100 und 200 Euro, plus Munition. „Vor zwei bis drei Jahren begann der Run darauf“, sagt Stefan Tuschmann (49), Inhaber des Waffengeschäftes Bockwoldt in Oldenburg. Die Kunden seien zunehmend um ihre eigene Sicherheit besorgt gewesen. Die älteren würden in der Regel zunächst den „Kleinen Waffenschein“ beim Kreis beantragen und dann ins Ladengeschäft kommen, die jüngeren kämen direkt und müssten erst einmal beraten werden, sagt Tuschmann. Zwei bis drei solcher Waffen gehen bei ihm wöchentlich über den Ladentresen. Rund 20 verschiedene Modelle – von der Pistole bis zum Trommelrevolver – hat er im Sortiment. Sie alle sehen täuschend echt aus, sind Nachbauten von Originalen. Gerade das sieht die Polizei mit großer Sorge. Dies seien zwar keine scharfen Schusswaffen. „In den vergangenen Jahren wurden Polizeibeamte bei Routineeinsätzen immer wieder mit diesen Waffen oder anderen gefährlichen Gegenständen konfrontiert. Schreckschusspistolen sind in ihrer äußeren Aufmachung von scharfen Schusswaffen nicht zu unterscheiden. Dementsprechend haben die Kollegen kaum eine andere Wahl, als ebenfalls ihre Schusswaffe einzusetzen“, erklärt Torge Stelck, Sprecher des Landespolizeiamtes in Kiel. Und auf eine weitere Gefahr weist Stelck hin: Bei einem Schuss aus einer Gaspistole träten heiße Gase mit hohem Druck aus dem Lauf aus. „Die können aus nächster Nähe erhebliche Verletzungen im Gesicht hervorrufen. Solche Waffen sind also nicht zu verharmlosen, sondern könnten schwere Gesundheitsschäden verursachen“, sagt Stelck.

Aus Sicht der Landespolizei werde die Ausweitung des Waffenbesitzes in Privathand zum Selbstschutz deshalb auch kritisch betrachtet. Stelck: „Wir raten auf jeden Fall von einer Selbstbewaffnung ab.“ Statt einer vermeintlich wirksamen Selbsthilfe mit Waffen rät die Polizei, ihre Präventionstipps (www.aktion- tu-was.de, siehe Beistück) zu beachten.

Zurück ins Ladengeschäft, dieses Mal zu Andreas Reinhardt (60) in Eutin, Inhaber von Waffen Reinhardt. Auch er verzeichnet seit drei Jahren eine verstärkte Nachfrage im Südkreis: „Das geht quer durch alle Alters- und Bevölkerungsschichten – von 18 bis 80, von arm bis reich“, sagt Reinhardt. Männer würden eher nach Pistolen und Revolvern fragen, Frauen würden Pfeffersprays bevorzugen. Wer ihm dabei aber suspekt vorkomme, werde schon mal der Tür verwiesen: „Ich fühle mich dafür verantwortlich und hab auch schon gesagt, dass ich dem Kunden nichts verkaufen würde.“ Aber die gingen dann einfach weiter ins nächste Geschäft. „Insgesamt halte ich die ganze Entwicklung für bedenklich“, meint Reinhardt.

Aktion tu was – Tipps der Polizei

Wie kann ich helfen, wenn jemand angegriffen wird, ohne mich selbst in Gefahr zubringen? Antworten gibt es auf den Internetseiten www. aktion-tu-was.de oder auf www.polizei-beratung.de.

• Ich fordere andere aktiv zur Mithilfe auf

• Ich helfe, ohne mich in Gefahr zu bringen

• Ich beobachte genau und präge mir Täter-Merkmale ein.

• Ich organisiere Hilfe bei der Polizei unter der Notrufnummer 110

• Ich stelle mich als Zeuge zur Verfügung

Louis Gäbler

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