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Bad Schwartau Vorlesen als Lebensaufgabe
Lokales Bad Schwartau Vorlesen als Lebensaufgabe
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02:30 30.12.2012
Wenn es uns gelingt, Menschen zum Lachen zu bringen, dann war es ein gelungener Nachmittag.“ Edith Kuhn (77)

Eigentlich macht Edith Kuhn Monat für Monat das, was sie ohnehin am liebsten macht: singen und schnacken. Doch was die 77-Jährige selbst so bescheiden darstellt, ist weitaus mehr. Die Bad Schwartauerin bringt den Senioren im Dana-Pflegeheim Lindenblick, der Seniorenresidenz Geertz und der Seniorenpflegeeinrichtung „An der Georgskapelle“ das ganze Jahr über ein Stück Lebensfreude — und das seit nunmehr 23 Jahren. Seit einiger Zeit bekommt sie dabei tatkräftige Unterstützung von Joachim Riedel und Klaus Kieksee, seitdem wird nicht nur erzählt, sondern auch musiziert.

Angefangen hat alles vor gut 45 Jahren im nordfriesischen Tönning. „Ich habe damals einfach mal im Altenheim gefragt und gehofft, dass meine Idee ankommt“, erzählt Kuhn. Und das kam sie. Ganz egal wo Edith Kuhn gelesen hat, überall waren die Menschen dankbar und begeistert. Danach war sie 15 Jahre in Emden ehrenamtlich tätig. Der Gesprächskreis, den sie damals ins Leben gerufen hat, existiert bis heute, hat sie erst neulich erfahren. Seit mehr als zwei Jahrzehnten nun erzählt, singt und lacht Edith Kuhn mit Bad Schwartauer Senioren. Letzteres ist dabei besonders wichtig, denn: „Wenn es uns gelingt, Menschen zum Lachen zu bringen, dann war es ein gelungener Nachmittag.“ Mit dabei haben die drei Senioren Artikel aus den Lübecker Nachrichten, alte Gedichte, witzige Sprüche, kluge Weisheiten und jede Menge Volkslieder.

„Viele Senioren sind nicht mehr so fit“, weiß Riedel, „aber wenn wir die alten Lieder anstimmen, dann können sie die Texte plötzlich mitsingen.“ Beeindruckend sei das Ehrenamt, nicht immer leicht, vor allem aber unglaublich dankbar. Denn als Riedel und Kieksee auf ihren Gitarren „Heißa Katharina“ anstimmen, stimmen in der Senioreneinrichtung „An der Georgskapelle" alle fröhlich mit ein. Viele erreiche man erst so richtig über die Musik, weiß Kieksee.

„Ich möchte auch ein Gedicht aufsagen“, meldet sich Herta Schubert plötzlich und hat sofort die Aufmerksamkeit. „So etwas passiert immer spontan“, weiß Kuhn aus Erfahrung und freut sich über die Unterstützung der Seniorin. Dann präsentiert sie selbst noch eine Karikatur aus den LN über ältere Menschen, über die sie sich ganz furchtbar aufgeregt hat. „So alt und klapperig wollen wir doch nun wirklich nicht dargestellt werden.“

Doch nach dem letzten Lied ist auch der Unmut wieder vergessen. Und dann passiert etwas Ungewöhnliches: Am Ende des Nachmittages steht niemand auf, keiner applaudiert. Stattdessen blicken alle Augen erwartungsvoll auf Edith Kuhn und ihre Männer. „Irgendwas muss da doch noch kommen, damit der schöne Nachmittag noch nicht zu Ende ist“, flüstert eine Dame ihrer Sitznachbarin zu. Dann gibt es wirklich noch zwei Stücke vom ehemaligen Gitarrenlehrer Kieksee. „Nun ist aber wirklich Schluss“, lacht Riedel und fügt hinzu: „Das ist doch das größte Kompliment, wenn keiner aufsteht, obwohl‘s vorbei ist.“ Und noch eine Frage wollen die sangesfreudigen Damen und Herren loswerden: „Wann kommen sie denn wieder? Hoffentlich ganz bald.“ Das wirklich gelungene Ende eines Nachmittags, an dem besonders viel gelacht wurde.

Maike Wegner

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