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Bad Schwartau Wahlkampf zwischen Knicklandschaft und Eisstielen
Lokales Bad Schwartau Wahlkampf zwischen Knicklandschaft und Eisstielen
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21:09 19.04.2017
Ministerin Monika Heinold lässt sich von Georg (35, li.) und Robert Muus (63) einen Berg mit Eisstielen fürs Heizwerk zeigen. Quelle: Fotos: Sebastian Prey

Das erlebt Monika Heinold auch nicht alle Tage. Die Finanzministerin und Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für die anstehende Landtagswahl am 7. Mai wird gestern bei ihrem Kurzbesuch auf dem Hof Muus in Horsdorf mit einer kleinen Quizfrage überrascht. „Wie kommt das Eis an den Stiel?“, will Landwirt Georg Muus (35) wissen. Heinold kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Ich liebe es, Eis zu essen, aber darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht“, räumt die Ministerin ein.

Die Antwort ist für die Familie Muus und das ganze Dorf aber nicht ganz unerheblich. Schließlich steht auf dem Hof auch ein Holzhackschnitzel-Heizwerk, das 60 von insgesamt 70 Horsdorfer Haushalten versorgt. Gefüttert wird die Anlage mit den Resten, die bei der Eisstiel-Produktion in der Stockelsdorfer Firma Karl Otto Knauf anfallen.

Spitzenkandidatin Monika Heinold (Bündnis 90/Die Grünen) in Horsdorf.

„Der Rohling wird ins Eis reingeschossen. Nur, wenn alles ganz schier und glatt ist, kommt der Stiel auch in den Handel“, berichtet Georg Muus. Ob des hohen Qualitätsanspruchs gibt es bei der Eisstiel-Produktion jede Menge Ausschluss. Zum Glück, denn der regenerative Rohstoff aus der Nachbarschaft wird in rauen Mengen in Horsdorf benötigt. „2000 Kubikmeter benötigen wir im Jahr. Wir produzieren 1,5 Millionen Kilowatt. Das entspricht rund 175 000 Litern Heizöl“, verrät Robert Muus (63), der vor über zehn Jahren durch einen Lehrling aus dem Süden auf die Idee für eine solche Heizanlage gebracht wurde und die Dorfgemeinschaft dafür begeistern konnte. Zumal der Staat fast die gesamte Technik bezahlt habe. Heinold ist beeindruckt: „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas in Schleswig-Holstein gibt.“

Dass Heinolds Parteikollegen Rahlf Dohse, Sabine Gall-Gratze und die Landtagskandidatin Marlies Fritzen den Hof der Familie Muus ausgesucht haben, hat aber noch andere Gründe. Auf dem Dach einer großen Halle ist eine 100-Kilowatt-Photovoltaik-Anlage zur Stromproduktion installiert. Der Hofbetrieb verzichtet auf Tierzucht und hat sich inzwischen auf Ackerbau konzentriert

. „Sie haben sich umgestellt und erfolgreiche Alternativen gefunden“, lobt die Ministerin, die zugleich um das Preis-Dilemma weiß. Robert Muus: „Früher konnte man von einem Hektar Land eine Woche leben. Heute ist es ein Tag.“ Ob dieser Situation komme es zum Höfesterben – auch in Horsdorf. Von einst sieben Höfen gibt es nur noch den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Muus. Entsprechend will sich Heinold für regionale und auch ökologische Produkte stark machen. „Der Verbraucher wird die Produkte dann auch wieder mehr wertschätzen“, glaubt Heinold, die sich auch über eine Naturschutzmaßnahme an der Curau informiert. Den Uferrandstreifen haben die Muus’ 20 Meter breit gemacht und dafür eine Ersatzfläche bekommen. „Da haben beide Seiten profitiert. Wichtig ist es im Dialog zu bleiben, gemeinsame Interessen zu definieren, dann findet man auch gute Lösungen“, erklärt Heinold, die sich nach einer kleinen Stärkung mit Tee und Brötchen auf dem Muus’schen Altenteil weiter auf Wahlkampftour begibt. Zunächst ins Theater Lübeck, später zu Terminen nach Reinfeld, Geesthacht und nach Wentorf.

 Sebastian Prey

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