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Bad Schwartau Weihnachten in Estland: Zwerge und Lebkuchen
Lokales Bad Schwartau Weihnachten in Estland: Zwerge und Lebkuchen
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22:13 28.12.2015
Clara Schulz (Mitte) hat sich mit Carmen Lainela und Kristiin Roopalu fein für den Ball gemacht.
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Bad Schwartau

Vor einigen Monaten hat die 17-jährige Clara Schulz aus Bad Schwartau ihre Koffer gepackt, um für ein Jahr in Estland zur Schule zu gehen. Jetzt berichtet Clara Schulz darüber, wie sie in diesem fremden Land in Nordosteuropa die Weihnachtszeit erlebt hat:

Hier in Estland wird die Weihnachtszeit mit Lebkuchen und Co. in den Läden viel später als in Deutschland, nämlich erst Ende November eingeläutet. Sonst sind die Unterschiede in der Weihnachtstradition aber gar nicht so groß.

Ab dem ersten Advent kommen jeden Tag die Päkapikk, die Zwerge, und legen den Kindern eine Kleinigkeit in den Schuh. Es werden auch keine Plätzchen gebacken, sondern Piparkook, eine Art Lebkuchen.

Nikolaus spielt in Estland keine große Rolle. Aber am 4. Dezember gab es einen „Tag der deutschen Sprache“. Dazu ist meine Deutschlehrerin mit ein paar Sechstklässlern in die Hafenstadt Pärnu gefahren, um die deutsche Sprache „vorzustellen“. Am Ende der fünften Klasse müssen sich die Schüler hier entscheiden, ob sie Deutsch oder Russisch lernen. Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien gibt es an jeder Schule einen Weihnachtsball oder eine Weihnachtsparty. Bei mit gab es einen Weihnachtsball, den meine Klasse auch organisieren musste.

Am Tag des Balls musste das Kochteam, in dem auch ich war, erstmal unzählige Früchte waschen, schneiden und auf Tellern zurechtlegen. Immerhin wurden 120 Gäste erwartet — Lehrer und Schüler der Klassenstufen neun bis zwölf.

Auf dem Ball wurde getanzt, es gab eine große Tombola und schließlich wurden auch noch der Ballkönig und die Ballkönigin gekrönt. Höhepunkt zum Abschluss war ein Feuerwerk.

Heiligabend ist auch in Estland der Tag der Geschenke. Normalerweise abends, aber meine Gastfamilie machte es schon morgens. Im Gegensatz zu Deutschland bekommen estnische Kinder meistens nur ein Geschenk. Die Geschenke liegen unter einem bunt geschmückten Weihnachtsbaum. Gegessen wird an Heiligabend traditionell estnisch: Kartoffeln, Sauerkraut und Blutwurst und danach dann noch Kringel, gefüllt mit Schokoladenfüllung, Zimt und Rosinen.

Auch der Gottesdienst gehört an Weihnachten dazu, obwohl die Kirchen in Deutschland viel voller sind an Heiligabend als in Estland. Und was an Weihnachten nicht fehlen darf, ist der Besuch nach der Kirche auf dem Friedhof. Für verstorbene Verwandte oder Freunde werden Kerzen angezündet, der ganze Friedhof ist dann ein Lichtermeer.

LN

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