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Bad Schwartau Weitere Container für Flüchtlinge geplant
Lokales Bad Schwartau Weitere Container für Flüchtlinge geplant
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20:26 14.10.2015
Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann setzt auf Transparenz beim Thema Flüchtlinge mit öffentlichen Info-Veranstaltungen für Bürger.

Der neue Sitzungssaal des Stockelsdorfer Rathauses bietet schon reichlich Platz, aber bei der Info-Veranstaltung für Bürger zum Thema Flüchtlingsunterbringung geriet der Saal an die Grenzen seines Fassungsvermögens. Rund 200 Bürger waren gekommen, um sich von Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann die aktuelle Lage schildern und den Ausblick auf die Zukunft skizzieren zu lassen. So werden in absehbarer Zeit weitere Container aufgestellt — unter anderem am Herrengartenpark. Stockelsdorfs Notfallplan sieht im schlimmsten aller Fälle sogar die zeitlich befristete Nutzung von öffentlichen Gebäuden wie Dorfgemeinschaftshäuser oder Sporthallen vor. Tabus gibt es da nicht mehr.

Die letzte offizielle Flüchtlings-Aufnahmequote für Stockelsdorf lautete im August 176 für das Jahr 2015. Nun gibt es eine neue — bisher nicht offizielle — Zahl: 344. 144 Flüchtlinge konnten bereits untergebracht werden — die meisten davon dezentral in von der Gemeinde angemieteten Privatwohnungen. Das heißt: Bis zum Jahresende werden wohl noch 200 weitere Männer, Frauen und Kinder ankommen. Wohnraumtechnisch befindet sich Stockelsdorf jedoch bereits am Limit.

Zehn Privatwohnungen, so erklärte es die Bürgermeisterin, würden gerade geprüft. Kommt es zu einem Mietvertrag zwischen Gemeinde und Vermieter, so würden hier noch einmal rund 55 Flüchtlinge unterkommen. Das ist ein Anfang, reicht jedoch nicht. Und genau deshalb wird es weitere Container in Stockelsdorf geben. Der Hauptausschussvorsitzende Andreas Gurth (CDU) geht sogar davon aus, dass Stockelsdorf in diesen Winter noch auf Notfallpläne zurückgreifen muss. Dann werden Turnhallen als Notunterkünfte benötigt. Mit dem SV Dissau und dem ATSV hat es bereits Gespräche gegeben. „Und wir müssen damit rechnen, dass es 2016 noch dramatischer wird“, so Gurth. „Und wenn ein Tischtennisspieler mal drei Monate nicht trainieren kann, dann steht das in keinem Verhältnis, wenn ein Flüchtling bei Eis und Schnee zu Fuß flieht.“ Für dieses Statement gab es spontan Applaus von den Anwesenden. Trotz vereinzelter polemischer Wortmeldungen — das Gros der Bürger akzeptiert, wie die Verwaltung das Problem anpackt.

„Wir machen uns das nicht einfach“, versicherte Rahlf-Behrmann und betonte, dass sie Verständnis habe „für unterschiedliche Positionen“ und auch für die Sorgen der Bürger, die sie auf der Straße höre. „Die Menschen, die vor dem Rathaus stehen, können wir nicht wie Akten in den Schrank packen, die müssen wir unterbringen“, so die parteilose Verwaltungschefin, die an die Bevölkerung appellierte, bei der Integration der Flüchtlinge zu helfen. „Das ist kein Problem, das nur die Verwaltung hat, wir müssen das gemeinsam bewältigen“, so Rahlf-Behrmann, „und ,bewältigen‘ ist da das richtige Wort.“

Die aktuellen Flüchtlingszahlen bereiten mittlerweile Probleme in fast allen Kommunen. Doch die Prognose, die Brigitte Rahlf-Behrmann in der vergangenen Woche von einem Besuch bei Ministerpräsident Torsten Albig mitbrachte, lässt nicht wirklich auf Entspannung in der Unterkunftsfrage hoffen. Demnach prognostiziere Albig für die nächsten zehn Jahre eine Million Flüchtlinge pro Jahr für Deutschland. Für Stockelsdorf könnte das bedeuten, dass jährlich mehr als 300 Flüchtlinge ankommen.

„Unsere Verwaltung arbeitet am Limit“, so die Bürgermeisterin, „bitte nehmen Sie es uns ab, dass wir uns die größte Mühe geben und versuchen, eine ruhige Gemeinde zu bleiben.“

Hauptausschuss beschließt fünf Standorte
Der Hauptausschuss hat sich vor dem Hintergrund der rasant steigenden Flüchtlingszahlen mit der Schaffung von Wohnraum befasst. Zeitnah umsetzbare Möglichkeiten zur Schaffung von Wohnraum wurden jetzt von Bürgermeisterin Brigitte Rahlf-Behrmann zur Abstimmung vorgelegt. Es handelt sich dabei um zunächst fünf Standorte, die per Beschluss einstimmig auf den Weg gebracht wurden. Die Verwaltungschefin betonte, dass andere Flächen zur Wohnraumschaffung „in Arbeit sind, aber noch nicht spruchreif“.
20 Wohnplätze sollen im Brandenbrooker Weg entstehen. Die dortige Containeranlage wird dafür um ein Geschoss aufgestockt.
Noch in diesem Jahr soll das passieren.
60 Männer, Frauen und Kinder sollen im Herrengartenpark wohnen; dort wird ebenfalls ein Containerstellplatz direkt neben dem Sportplatz hinter der Streetball-Anlage eingerichtet. Mit dem ATSV seien bereits Gespräche geführt worden, so die Bürgermeisterin, „es wird keinen Widerstand geben“.
24 Personen sollen künftig im Ahornweg unterkommen. Dort wird eine eingeschossige Anlage mit zwölf Containern errichtet. Aufgrund der längeren Lieferfristen für Container soll das frühestens im Februar 2016 soweit sein.
60 Flüchtlinge sollen in einer zweigeschossigen Containeranlage in der Rudolf-Diesel-Straße untergebracht werden.
Bezugsfertig soll die Anlage Mitte 2016 sein. Langfristig soll an dieser Stelle ein Mehrgeschossbau für 100 Personen realisiert werden.
10 Personen können in der ehemaligen Polizeistation im Grenzweg untergebracht werden. Hier gibt es allerdings aktuell das Problem, dass die Eigentümer der Immobilie einer Umnutzung zu Wohnzwecken zustimmen müssen. „Das haben die Eigentümer aber abgelehnt“, so Rahlf-Behrmann. DD

Doreen Dankert

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