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Bad Schwartau Weniger Dokumentation, mehr Fürsorge
Lokales Bad Schwartau Weniger Dokumentation, mehr Fürsorge
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19:16 30.07.2015
Pflegedienstassistentin Karen Athmer begleitet Bewohnerin Lotte Krämer (92) über den Flur. Quelle: Fotos: S. Prey
Bad Schwartau

Bis zu 25 Prozent ihrer Arbeitszeit wenden Pflegekräfte für die Dokumentation am Computer auf. Zeit, die häufig den pflegebedürftigen Bewohnern fehlt. Doch in der Seniorenpflegeeinrichtung „An der Georgskapelle“ in Bad Schwartau geht man neue Wege. „Wir beteiligen uns an dem Projekt des Bundesgesundheitsministeriums zur Entbürokratisierung in der Pflege“, berichtet Pflegedienstleitung Kerstin Lenschow. „Vor diesem Hintergrund haben wir eine effizientere Pflegedokumentation eingeführt und seitdem geht es der Bürokratie in unserem Haus an den Kragen.“

Mit Erfolg. Laut Vorwerker Diakonie, die die Pflegeeinrichtung betreibt, konnte mittlerweile der Zeitaufwand für die Dokumentation halbiert werden.

Dabei wird nicht grundsätzlich auf die oft als lästig beschriebene Dokumentation verzichtet. „Dokumentation ist notwendig, um die individuelle Pflegesituation jedes Einzelnen im Auge zu haben und daraus die notwendigen Maßnahmen abzuleiten“, sagt Doreen Boniakowsky, Pflegechefin in der Vorwerker Diakonie. „Außerdem informieren sich alle Pflegekräfte in der Dokumentation über die Dinge, die getan werden müssen, beispielsweise welche Medikamente welche Bewohner benötigen.“ Doch in den letzten Jahren haben die behördlichen Dokumentationsanforderungen immer weiter zugenommen. „Oft ohne, dass deren Sinnhaftigkeit hinterfragt wurde", so Boniakowsky.

Statt jedes noch so kleine Detail zu notieren, werden in der neuen Dokumentation nur noch die wesentlichen Dinge aufgenommen. So werden beispielsweise Routinemaßnahmen nicht mehr täglich aufgezeichnet, sondern nur noch Veränderungen der Routine dokumentiert. „Im Januar haben wir begonnen, unsere Dokumentationsstruktur daraufhin umzustellen und die Mitarbeitenden entsprechend zu schulen“, sagt Lenschow. Inzwischen wird ausschließlich mit der neuen, entbürokratisierten Dokumentationsform gearbeitet. Mit erstaunlichen Ergebnissen: So hat sich der Zeitaufwand für die Pflegedokumentation nahezu halbiert. „Das ist ein toller Erfolg, von dem vor allem die Bewohner profitieren“, freut sich Lenschow. „Jetzt kann beispielsweise die Morgentoilette der Bewohnerinnen und Bewohner mit ein wenig mehr Ruhe stattfinden. Sogar die Zeit für einen kleinen Plausch zwischen Bewohner und Pflegekraft ist nun hin und wieder da — diese hatten wir vorher nicht immer.“

Die Seniorenpflegeeinrichtung der Vorwerker Diakonie hat mit diesem Projekt eine Vorreiterrolle übernommen. Allerdings haben auch die anderen Pflegeeinrichtungen in Bad Schwartau der Bürokratie bei der Dokumentation unlängst den Kampf angesagt. „Die Pflegedokumentation effizienter und effektiver zu gestalten, ist bei Dana schon lange ein Thema. Entsprechende Schulungen der Multiplikatoren haben schon begonnen. Jetzt werden die Fachkräfte konzernweit nach und nach geschult. Die Umstellung ist eine große Herausforderung, aber wir freuen uns auch darauf“, so Martin Neubauer, Einrichtungsleiter des Pflegeheims Wiesengrund. Auch in der Seniorenresidenz Geertz, die zum Curanum Konzern gehört, steht eine Umstellung bevor. „Die Umorganisation wird in der Münchener Zentrale vorbereitet“, so Einrichtungsleiterin Janine Hoppe, die auch für das Haus in Timmendorfer Strand verantwortlich zeichnet. Ebenfalls an einem eigenen Konzept wird in dem Haus am Großen Krug gearbeitet. „Mitarbeiter aus allen vier Einrichtungen erarbeiten ein entsprechendes Konzept“, so Mitarbeiterin Carina Krüger.

Der neue Weg ist allerdings nicht ganz einfach. „Man muss seine Abläufe umstellen und die Mitarbeitenden schulen. Außerdem erfordert die neue Dokumentation eine höhere Fachlichkeit“, so Boniakowsky.

Der Aufwand habe sich aber gelohnt. „Von Personal und Bewohnern gab es eigentlich nur positive Rückmeldungen.“

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