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Bad Schwartau Werbe-Auto: Sponsoren fürchten Abzocke
Lokales Bad Schwartau Werbe-Auto: Sponsoren fürchten Abzocke
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20:13 12.04.2016

Seriöses Geschäftsmodell oder Abzocke? Das Amt Oldenburg-Land hat eine Werbefirma damit beauftragt, Sponsoren für ein „Allzweck-Fahrzeug“ zu suchen. Der Handel:

Gegen eine Finanzspritze wird das Firmenlogo aufs Amtsmobil gedruckt. Das entsprechende Marketing-Unternehmen stand in der Vergangenheit allerdings wegen „undurchsichtiger Praktiken“ in der Kritik — weshalb diverse potenzielle Geldgeber eine Zusammenarbeit bereits abgelehnt haben. Die Firma wehrt sich gegen die Vorwürfe; auch beim Amt spricht man von einem „seriösen Angebot“.

Wer die „Riedel & Kaiser Mobil Marketing OHG“ mit Sitz in Deggendorf im Internet recherchiert, stößt prompt auf einen Artikel der „Main-Post“ von vor einem Jahr. Darin wird das Unternehmen bezichtigt, sich „unter dem Deckmantel der Umweltfreundlichkeit“ an gesponsorten Elektro-Autos zu bereichern. Ein Fall aus Würzburg wird dargestellt, in dem die Werbeeinnahmen nach Recherchen der Zeitung weit mehr als doppelt so hoch gewesen seien wie der Wert des übergebenen Fahrzeugs.

„Diesen Bericht finden natürlich auch potenzielle Sponsoren — und zum Teil sagen sie dann ab“, bestätigt Michael Robien, Leitender Verwaltungsbeamter beim Amt Oldenburg-Land. Das neue Fahrzeug sollte Mitarbeitern der Amtsverwaltung sowie Kitas, Vereinen und weiteren Institutionen für verschiedene Anlässe zur Verfügung stehen — etwa für die Integration von Asylbewerbern oder für Tagesausflüge mit Kindergruppen. Im Moment sieht es laut Robien jedoch „eher nicht so aus, als könne das Projekt verwirklicht werden“.

Es sei „bitter, dass der Bericht zur Verunsicherung von Geschäftspartnern führt“, sagt Karl-Heinz Kaiser, Geschäftsführer der Werbefirma. Die Vorwürfe bezeichnet er als haltlos: „Der Autor hat leider Umsatz mit Gewinn verwechselt.“ Es sei „sehr bedauerlich, dass wir hier in Sippenhaft genommen wurden“, so Kaiser. Die Angebote seines Unternehmens seien mit denen unseriöser Mitbewerber nicht vergleichbar — weder in Bezug auf die Ausstattung der Fahrzeuge noch auf die Vertragsinhalte. Die Autos etwa gingen in den Besitz der jeweiligen Geschäftspartner über (es gibt auch Beispiele, in denen es nach einer bestimmten Laufzeit an die jeweilige Firma zurückfällt). Auch mache „Riedel & Kaiser“ keine Geschäfte im sozialen Bereich: „Wir wollen keine Menschen in Not zu Werbezwecken einspannen. Unsere Partner kommen zu 90 Prozent aus dem kommunalen Bereich.“

Natürlich habe das Unternehmen ein Interesse daran, Geld zu verdienen, so Kaiser, „aber auf seriöser Basis“. Sie hätten viele Kunden, mit denen sie bereits wiederholt gut zusammengearbeitet hätten.

Seinem „lädierten Ruf“ begegne das Unternehmen „mit guten Referenzen und Transparenz“.

Michael Robien bestätigt, dass er — anders als im Presseartikel angeprangert — eine genaue Auflistung der Werbeeinnahmen bekommen soll. „Es gibt schwarze Schafe am Markt und natürlich wollen wir nicht, dass Sponsoren dafür bezahlen, dass sich irgendjemand goldene Wasserhähne kaufen kann“, betont der Leitende Verwaltungsbeamte. Auch beim Amt habe man sich im Vorfeld über das Unternehmen informiert und sei keineswegs auf ein dubioses Angebot hereingefallen. Das Ganze wirke „sehr seriös“. Obendrein habe sich das Amt zusichern lassen, dass das Auto gegebenenfalls bei einem hiesigen Händler gekauft wird.

Sollte das Vorhaben scheitern, liege der finanzielle Verlust für den bisherigen Arbeitsaufwand allein aufseiten der Firma, wie Michael Robien erläutert. Das Amt trage keinerlei Risiko; auch Sponsoren würden nur dann bezahlen, wenn tatsächlich ein Fahrzeug übergeben werde. Falls es so weit nicht komme, werde das Amt wohl selbst einen Gebrauchtwagen anschaffen, kündigt Robien an: „Der Bedarf ist da — wir müssen etwas machen.“

Winfried Meißner, der zurzeit im Amtsbereich um Sponsoren wirbt, ist allerdings fest entschlossen, das Projekt trotz aller Schwierigkeiten noch zu realisieren. Zwar liefen die Gespräche „tatsächlich zäh“, räumt er ein, er sei jedoch „trotzdem einigermaßen zuversichtlich, dass wir es noch schaffen“.

„Geschenktes“ Auto: So funktioniert das Prinzip

Über Sponsoren soll sich das Amtsmobil finanzieren. Ansässige Geschäftsleute zahlen für einen Werbeaufdruck auf dem Auto. Die Einnahmen gehen an die beauftragte Werbefirma, die davon auch den Fahrzeug-Kauf finanziert. Für das Amt ist das Geschäft kostenfrei.

Der Vertrag mit den Werbepartnern läuft laut Michael Robien vom Amt Oldenburg-Land über fünf Jahre. In dieser Zeit zahlen die Firmen regelmäßig für die Werbung auf dem Fahrzeug.

Danach gehöre der Wagen dem Amt; die Schriftzüge sollen bleiben.

Von Jennifer Binder

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