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Bad Schwartau „Wiederbeleben“ statt wegwerfen
Lokales Bad Schwartau „Wiederbeleben“ statt wegwerfen
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20:48 12.09.2016
Uwe Ellenberger war vor seinem Ruhestand als Radio- und Fernsehtechnikermeister tätig – eine kaputte Lampe ist für ihn kein Problem. Quelle: Fotos: Jungke

 Es ist eine schwierige Operation – aber sie gelingt. Als Eckhard Schramm den kleinen Bewegungsmelder berührt, zappelt der grüne Fisch auf der Holztafel synchron zu den Tönen des Elvis-Hits „Don’t be cruel“. Exakt im Takt bewegen sich Maul und Schwanz: So soll es sein. „Puh, das war schon eine Herausforderung“, lacht der „Chirurg“ im Repair-Café, das jetzt wieder rund 70 Besucher angelockt hat.

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Reparatur-Café in Rensefeld stieß wieder auf große Resonanz – Kurioser Auftrag und viele Kleinigkeiten.

Dabei hatte das Ehepaar, das eigens aus Bad Segeberg angereist ist, um den „singenden und tanzenden Fisch“ wieder in Gang setzen zu lassen, die Hoffnung schon fast aufgegeben: „So ein Fisch hing bei meinen Eltern im Esszimmer, wir Kinder hatten damit immer viel Spaß“, erinnert sich Heike Rohn. Irgendwann zogen die Eltern um – und „Benny Barsch“, wie das kuriose Tier hieß, war nicht mehr aufzufinden. Ein Ebay-Kauf sollte den Verlust ersetzen: „Aber dieser Fisch war nach zweimaligem Einsatz kaputt“, bedauert die Tochter. Ein zweiter im Internet erstandener Fisch ist zwar heil, aber nicht so schön, und die Bewegungen zum Lied nicht perfekt koordiniert. Eckhard Schramm soll nun den hübscheren Fisch auf das heile Elektronikbrett transplantieren nach dem Motto „Aus zwei mach eins“.

Über eine Stunde ist der 58-jährige gelernte Radio- und Fernsehtechniker damit beschäftigt, Kabel zu testen, zu trennen und umzubauen bis alles passt. Freudestrahlend nimmt Heike Rohn das nun perfekte Exemplar entgegen, während ihr Gatte einen Schein in die Spendenbox steckt. Das sei eine feine Sache hier, meinen beide.

Das ist das Repair-Café zweifellos. Viermal im Jahr können Besucher ihre defekten Schätze ins Gemeindehaus Rensefeld bringen, um diese von ehrenamtlichen kundigen Helfern reparieren zu lassen. Der Service kostet nichts, aber eine Spende wird erbeten. „Die Idee kommt ursprünglich aus Holland – sie hat mich gleich fasziniert“, sagt Heidi Niehaus, die das Repair-Café in Bad Schwartau vor über einem Jahr ins Leben gerufen hat. Auf der Ehrenamtsmesse hat die 64-Jährige seinerzeit das Konzept vorgestellt und schnell Mitstreiter gefunden. Mittlerweile kümmert sich ein fester Stamm von rund 20 Ehrenamtlichen darum, die oft seltenen Dinge wie VHS-Rekorder, alte Puppen oder den Lieblingsfön zu reparieren. „Fast immer handelt es sich nur um Kleinigkeiten“, sagt Rainer Grendel. Der Ingenieur hat einen geöffneten Staubsauger vor sich. „Der Kabelaufroller zieht sich nicht mehr zurück“, beschreibt der Ingenieur das Problem. Die dafür verantwortliche herausgesprungene Feder wieder einzusetzen, sei gar nicht schwierig, „aber man muss da erst einmal ’rankommen, die Feder ist gut versteckt“, sagt der 45-Jährige.

Zwei alte Puppen hat Martin Töpper vor sich auf dem Tisch liegen. Beiden fehlt ein Bein. Aber ein abgebrochenes Bein ist zumindest noch vorhanden. „Daraus fertige ich jetzt einen Gipsabdruck und setze es der zweiten Puppe ein“, erklärt der 73-Jährige, der in verschiedenen Berufen gearbeitet hat und heute als „Puppendoktor“ in Kindergärten unterwegs ist.

Uwe Ellenberger ist derweil mit einer Stehlampe beschäftigt. „Die Sicherung hat einen Wackelkontakt“, hat der 67-Jährige schnell diagnostiziert. Der gelernte Radio- und Fernsehtechnikermeister hat an dem Tag gut zu tun: Akku-Taschenlampe, Staubsauger und ein Massagegerät hat er zuvor schon repariert. Keine großen Sachen, aber „die Leute freuen sich, wenn sie dann wieder heil sind“, sagt der Rentner.

Der nächste Termin für das Repair-Café ist am 5. November.

 Birgit Jungke

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