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Bad Schwartau Wildschweine wüten im Kurpark
Lokales Bad Schwartau Wildschweine wüten im Kurpark
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07:34 14.11.2017
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Bad Schwartau

Gestern Morgen erschreckte sich eine Spaziergängerin, die ihren Hund entlang der Schwartau ausführte, als sie am Wegesrand plötzlich lautes Schnaufen hörte. Kaum zehn Meter entfernt sah sie drei Wildschweine, die sich glücklicherweise nicht näherten, sondern ins Schilfgras flüchteten. Bereits am Wochenende hatten die Tiere auf dem Minigolfplatz nach Nahrung gesucht. Rund 2000 Quadratmeter Rasenfläche haben sie durchpflügt.

Vor wenigen Wochen machten zwei Wildschweine, die sich in die Heider Innenstadt verirrt hatten, Schlagzeilen. Nun hat sich eine Rotte Wildschweine in den Bad Schwartauer Kurpark vorgewagt. Stadtjäger Gert Kayser ist alarmiert: „Das ist noch nie vorgekommen.“

20 Jahre alt können Wildschweine werden, allerdings nur in Gefangenschaft. In freier Wildbahn werden nur wenige Tiere älter als sechs Jahre. Haupttodesursache ist die Jagd.

„Die haben nach Würmern und Engerlingen Ausschau gehalten“, erklärt Stadtjäger Gert Kayser, der sich im umgepflügten Boden seinerseits auf Spurensuche begeben hat. „Der Abdruck stammt von einem Ein-Zentner-Tier“, sagt er, „diese hier sind von Halbstarken.“ Mindestens vier verschiedene Hufabdrücke kann der Experte in kurzer Zeit ausmachen. Er ist sich sicher: „So viele Tiere gleichzeitig, hatten wir hier im Tal noch nie.“ Und der 79-Jährige ist seit mehr als 30 Jahren Bad Schwartauer Stadtjäger. Warum die Tiere sich jetzt so weit vorgewagt haben? „Die Stadt hat die Wiesenfläche in diesem Bereich seit Jahren nicht gepflegt. So haben sich im hohen Schilfgras gute Versteckmöglichkeiten gebildet“, erklärt Gert Kayser. Zusammen mit dem Umweltbeirat und dem Hegeringleiter Tim Techau appelliert er an die Stadt, die Wiesenfläche bald zu mähen: „Auf eine gemähte Wiese lege sich kein Wildschwein, um dort den Tag zu verschlafen.“

Nicht nur in Bad Schwartau, in ganz Ostholstein spielen Wildschweine derzeit eine nicht ungefährliche Rolle. Georg Deutz, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Eutin, sagt, Wildschweine seien zurzeit ein brennendes Problem. Die Tiere zu jagen, sei durch immer mehr Maisanbau schwieriger geworden. Es gebe eine klare Tendenz zu mehr Wildschweinen, auch die Zahl der Schadensmeldungen durch Landwirte nehme zu.

Im Bad Schwartauer Kurpark ist glücklicherweise bislang nichts passiert. Und damit das auch so bleibt, begibt sich Stadtjäger Gert Kayser nun regelmäßig auf die Suche nach den Wildschweinen. In Abenddämmerung und Morgengrauen läuft er die Wege des Schwartau-Tals ab, um rauszufinden, wo genau sich die Rotte niedergelassen hat. Was er tut, wenn er sie gefunden hat? „Das muss man in der Situation entscheiden“, sagt er. Wenn er sich ganz sicher sei, in dem unübersichtlichen Gebiet nicht versehentlich einen Jogger zu treffen, würde er schießen. „Ist eines erlegt, werden die anderen sich vermutlich davon machen.“ Sollte ein Schuss allerdings zu gefährlich sein, wird er versuchen, die Wildschweine mit lautem Geschrei und Hundegebell zu vertreiben. Bis dahin rät Gert Kayser allen Spaziergängern im Schwartautal, die Augen offen zu halten und vor allem: „Hunde müssen unbedingt angeleint werden. Sonst besteht die Möglichkeit, dass die Wildschweine angreifen. Und das endet für den Hund nicht gut.“

 Von Ilka Mertz

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