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Bad Schwartau Wildunfälle – wo lauert die Gefahr?
Lokales Bad Schwartau Wildunfälle – wo lauert die Gefahr?
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22:40 17.11.2016
Wild – die Gefahr, die ganz plötzlich auftaucht. Rund 250000 Wildunfälle gibt es pro Jahr auf den deutschen Straßen im Bundesgebiet. FOTO: Jagdverband
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Bad Schwartau/Stockelsdorf

Sie ist mal wieder da – diese spezielle Zeit, in der es kalt und kälter und grau und grauer wird. Jede Nacht wird länger und der November-Blues schleicht sich bei vielen ins Gemüt. Als wäre das nicht schon genug, kommt für Autofahrer noch eine weitere Sache hinzu, die sie zumindest gedanklich immer parat haben sollten: den Wildwechsel.

In der Großgemeinde gibt es drei Straßenabschnitte, wo jetzt besondere Vorsicht angesagt ist.

Enorme Kräfte

„Ein Dammhirsch vor dem Auto bedeutet Lebensgefahr.Helmut Neu

Jäger

Die Gefahr, dass einem zu dieser Jahreszeit ein Reh oder ein Wildschwein vor das Auto laufen kann, „ist jetzt besonders groß“, weiß Helmut Neu, ein passionierter Jäger aus Eckhorst, der die Reviere in diesen Breiten sehr gut kennt. „Deshalb rate ich den Autofahrern jetzt zu erhöhter Aufmerksamkeit“, so Neu. Auch Bad Schwartaus Stadtjäger Gert Kayser appelliert an Autofahrer, „besonders wachsam zu sein auf den Straßen außerhalb der Stadt“.

Das Dammwild befinde sich gerade in der Brunft, erklärt Helmut Neu. „Und in dieser Zeit sind die Tiere besonders aktiv unterwegs, aktiver als außerhalb der Brunftzeit. Und wenn einem so ein Dammhirsch vor das Auto läuft, dann besteht Lebensgefahr“, so Neu, „denn die Tiere sind groß und schwer.“ Bei einem Crash „fallen die über die Windschutzscheibe und sitzen dann gleich neben dem Fahrer.“

Die Brunft, die ab Mitte November langsam zu Ende geht, ist aber nur ein Grund für Wanderungen der Wildtiere. Der Hauptgrund ist die Futtersuche. „Da die Felder abgeerntet sind“, so Gert Kayser, „hat sich das Nahrungsangebot für die heimischen Wildarten drastisch verringert.“ Und auf Futtersuche begeben sich die Tiere meistens im Schutz der Dunkelheit. „Die gefährliche Zeit beginnt eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang und dauert bis zum Morgengrauen“, so Helmut Neu. Und Neu nennt auch gleich die Straßenabschnitte in der Gemeinde, auf denen die Gefahr von Wildwechsel besonders groß sei:

Auf der K13, die an das Wildtierparadies Wüstenei grenzt. „Ganz besonders aber der Abschnitt zwischen den beiden Kreiseln von Stockelsdorf bis zum ersten Kreisel Richtung Lübeck“, erklärt Neu weiter.

Zu besonderer Vorsicht rät Neu auch auf dem Straßenabschnitt in Eckhorst von der Gaststätte Am Wasserturm bis hin zur A 20-Auffahrt in Mönkhagen. „Und dann sollte man wissen, dass sich das Curauer Moor in den vergangenen Jahren zu einem guten Lebensraum für Wildschweine entwickelt hat“, so Helmut Neu, der auch auf diesem Abschnitt der L184 von Curau Richtung Ahrensbök gerade bei Dunkelheit den Fuß ein wenig vom Gas nehmen würde. Je mehr Wildtiere sich in einem Gebiet aufhalten, umso größer ist die Chance, dass man sie auch mal zu Gesicht bekommt.

„Generell sollte man bei Fahrten durch Wald- und Feldreviere auch noch in den nächsten Wochen eine besondere Vorsicht walten lassen“, so Gert Kayser. Und dabei erinnert der Stadtjäger an eine alte Binsenweisheit: „Ein Reh kommt selten allein.“

Und Wildschweine finden ihr Futter zur Zeit unter Eichen und Buchen. Eicheln und Bucheckern sind Gaumenfreuden für die Borstentiere, „und deswegen wandern die dahin, wo diese Bäume stehen“, weiß

Helmut Neu. Und er weiß auch, dass dieses Jahr „ein sehr gutes Jahr ist für diese Früchte“. Deshalb ist der Tisch für die Wildschweine unter Eichen und Buchen besonders reich gedeckt. Die Wanderungen bei Dunkelheit zu diesen Bäumen lohnen sich also für die Tiere.

Helmut Neu geht aber davon aus, dass bis Weihnachten alle Eicheln und Bucheckern aufgefressen wurden. „Dann suchen die Wildschweine sich eben neue Futterstellen“, so Neu. Engerlinge auf Feldern zum Beispiel – und sind dann auf anderen Pfaden unterwegs.

Ein Wildunfall ist ein Unfall, bei dem ein Schaden am Fahrzeug entsteht bei der Kollision mit einem größeren Wildtier wie einem Reh. Das Überfahren von kleineren, wilden Tieren wie Igeln und von Haus- oder Nutztieren wie Katzen, Hühnern, Kühen, Pferden oder Schafen zählt nicht zu den Wildunfällen. Bei der Kollision zwischen einem Tier und einem Fahrzeug wirken bereits bei 60 km/h enorme Kräfte. Ein Rehbock prallt mit fast einer Tonne Gewichtskraft auf das Fahrzeug. Die Wucht eines Wildschweins auf die Frontscheibe entspricht der Gewichtskraft eines Nashorns.

 Doreen Dankert

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