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Bad Schwartau „Wünsche mir mehr Ideen von Bürgern“
Lokales Bad Schwartau „Wünsche mir mehr Ideen von Bürgern“
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18:16 26.08.2016

Die Übergriffe auf Frauen in Köln zu Silvester hatten Auswirkungen bis nach Bad Schwartau: Auch noch Wochen später hat es eine Reihe von verunsicherten oder von Belästigung betroffenen Frauen in der Stadt gegeben, die Hilfe gesucht haben. Das geht aus dem Jahresbericht der Gleichstellungsbeauftragten hervor, der stets im Sommer die wichtigsten Fakten des vorangegangenen Jahres zusammenfasst.

„Anonyme Beratung“ nennt Tanja Gorodiski die intensive Nutzung des Informationsmaterials. Sie hält es stets aktuell und füllt es jede Woche auf. Quelle: Irene Burow

Frauen in der Überzahl

53 Prozent der Bad Schwartauer Einwohner sind weiblich. Es gibt 10841 Frauen und Mädchen sowie 9681 Jungen und Männer.

Im Rathaus der Stadt herrscht Frauenüberschuss. Bei der Verteilung wird jedoch deutlich: In der Führungsebene herrscht ein sehr erheblicher Männerüberschuss.

„Die Frauen haben gesehen, dass es andere Frauen gibt, die Anzeige erstatten und sich wehren. Sie haben den Mut gefasst, ebenso aktiv zu werden“, erklärt Tanja Gorodiski. Oftmals sei im Gespräch deutlich geworden, wie lange dieser Schritt gedauert hat. Der jährliche Selbstverteidigungskurs war durch diese Situation in Köln und anderen Städten völlig überbucht. „Ein eilig organisierter Zusatzkurs mit einem speziell für Frauenselbstverteidigung geschulten Trainer war binnen kürzester Zeit ebenso überbucht“, so die Gleichstellungsbeauftragte. „Aber auch ohne diesen Anlass sind Bedrohung, Belästigung, Gewalt und Angst leider nach wie vor aktuelle Themen.“

Bewegung gibt es in dem Bereich, Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen: In der Gesellschaft und bei Arbeitgebern sei ein Bewusstseinswandel eingetreten, erklärt sie. Ostholsteins große Unternehmen informieren sich darüber, was sie tun können, damit ihnen die Fachkräfte erhalten bleiben. Es geht um Kinderbetreuung, Pflegezeitermöglichung, flexible Arbeitszeiten und -orte, Jobsharing oder Gesundheitsmaßnahmen. „Bei den Treffen wurde deutlich, dass sowohl Männer als auch Frauen großes Interesse daran haben.“ Um dem gerecht zu werden, ist zudem eine Kooperation mit Sabine Axt vom Projekt „Frau und Beruf“ ins Leben gerufen worden. Einmal im Monat berät sie im Rathaus kostenlos rund um die Themen Wiedereinstieg in den Beruf, Neuorientierung und Bewerbung. „Hier geht es um alles, was die Jobcenter nicht abdecken. Das wird sehr gut angenommen“, so Gorodiski. Eine Aktionswoche mit Workshops dazu, die im April stattgefunden hat, soll wiederholt werden.

Ein Selbstbehauptungsseminar hat Anfang des Jahres ohne Ankündigung stattgefunden, da noch die Warteliste vom vorigen Termin abgearbeitet wurde. Neu und gut gelaufen ist auch das Tanzen im Rathaus.

„Das war mal eine ganz andere Art, für meine Arbeit Werbung zu machen.“ Frauen im Alter von 18 bis 78 hatten daran teilgenommen, später auch Männer – auf Wunsch der Frauen. Andere Veranstaltungen sind das Ergebnis von Vorschlägen von Bürgern. „Ich wünsche mir noch mehr Ideen, denn oft spricht es dann für viele“, sagt sie.

Was die Gleichstellungsbeauftragte besonders freut, ist der Ausbau des Betreuungsangebotes in Bad Schwartau. Ganz bemerkenswert sei auch die Nutzung ihres Informationsmaterials im Rathaus. Den Aufsteller im Eingangsbereich füllt sie mindestens einmal pro Woche auf. Eines ihrer nächsten Ziele ist es, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern. Eine Kampagne mit drei Kolleginnen in der Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten soll Ende des Jahres fertig sein und landesweit unterstützt werden.

Die Gleichstellungsstelle in Bad Schwartau ist Anlaufstelle für Angestellte der Stadt und alle Bürgerinnen und Bürger. Themen sind alle Formen von Benachteiligung. „Die Menschen können zu mir kommen, egal welches Problem sie auch haben“, sagt Gorodiski. „Ich habe die Zeit, mich darum zu kümmern.“ Oftmals gehe es dann darum, aus dem Gewirr an Beratungsstellen die richtige herauszufinden. Allein in Bad Schwartau gebe es viele gute Anlaufpunkte.

Die Gleichstellungsarbeit ist in der Stadt vor allem auf Frauen ausgerichtet. Doch für Männer gilt sie gleichermaßen und wird auch genutzt. „Das Gesetz in Schleswig-Holstein sagt, ,Kümmere dich um Frauen’. Der Bund ist da schon weiter“, erklärt sie. Die Dynamik verändere sich, wenn auch nur langsam. „Es geht darum, alle Menschen gleichwertig zu behandeln.“

Kontakt: 0451/20002150

• Internet: www.bad-schwartau.de/Rathaus/Gleichstellungsstelle

Telefonieren auf dem Heimweg

Die Gleichstellungsbeauftragte weist auf einen sinnvollen Service für Frauen hin: Das Begleit-Telefon. „In Seminaren geht es oft darum, Gefahrensituationen zu vermeiden“, sagt Tanja Gorodiski. Also gar nicht erst durch den Park oder im Dunkeln allein nach Hause zu gehen. Eine Möglichkeit, sicherer unterwegs zu sein, ist das „Heimwegtelefon“. Die Telefon–Nummer lautet 030/12 07 41 82. Das Team dahinter ist in Berlin angesiedelt.

Wer dort anruft, hat das Gefühl, nicht allein nach Hause zu gehen. Zunächst wird der Standort und das Ziel angegeben, zwischendurch wird der Standort regelmäßig aktualisiert. Der Service schenkt Sicherheit, die auch ausgestrahlt wird, meinen die Gründerinnen Frances Berger und Anabell Schuchhardt. Im besten Fall werden Überfälle vermieden, weil man aus der typischen Opferrolle heraustritt.

Käme es dennoch zu einem Übergriff, könnte Heimwegtelefon direkt die Polizei einschalten.

Die Idee stammt ursprünglich aus Schweden. Der Service befindet sich in der zweiten Testphase. Seit Anfang des Jahres wurden knapp 50 neue Helfer gewonnen. Diese telefonieren donnerstags von 20 bis 24 Uhr, vor Feiertagen sowie Freitag- und Sonnabendnacht zwischen 22 und 4 Uhr und nehmen Anrufe aus dem gesamten Bundesgebiet entgegen. „Vor allem im Dunkeln und für junge Mädchen ist das eine tolle Sache“, wirbt Gorodiski.

• Internet: www.heimwegtelefon.de

Irene Burow

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