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Bad Schwartau Zimmeranfragen von Studenten häufen sich
Lokales Bad Schwartau Zimmeranfragen von Studenten häufen sich
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21:16 09.10.2017
„In Kiel gibt es dafür Werbung auf Bussen.Hannelore Witt Projektleiterin in Bad Schwartau
Bad Schwartau

„In Kiel funktioniert das wunderbar. Dort gibt es eine großangelegte Werbung, auch auf Bussen“, sagt Hannelore Witt, die „Wohnen für Hilfe“ unter dem Dach der Awo seit einigen Jahren für die Gebiete Bad Schwartau, Lübeck und Umland betreut. „Jetzt vor Studienbeginn häufen sich bei mir die Anfragen. Auch über Stefanie Prüss, die in Lübeck für das Studentenwerk und unter anderem die soziale Beratung tätig ist. Aber wir haben kein Wohnraumangebot“, sagt Hannelore Witt, die das nicht ganz verstehen kann. „Wer Wohnraum übrig hat, das sind doch meistens Senioren.“

Das Projekt ist eine gute Sache: „Wohnen für Hilfe“. Studenten helfen im Haushalt mit und bekommen dafür ein Zimmer. In Kiel funktioniert das gut, und auch in anderen Studentenstädten. In Bad Schwartau fehlt es jedoch an Wohnraumangeboten. Obwohl ältere Bürger profitieren könnten. Auch in Lübeck ist das Angebot rar.

Deswegen möchte sie nochmals die Werbetrommel rühren. „Damit es noch leichter wird, werden wir eine Internetseite dafür nutzen“, sagt sie. Betreuen wird die Volker Dettmer. Der Stockelsdorfer ist seit mehreren Jahren engagiert in der Flüchtlingshilfe, betreut bis zu 600 Menschen aus fremden Ländern. Um ihnen und auch den Einheimischen das Leben zu vereinfachen, die Menschen miteinander zu vernetzen, hat er verschiedene Webseiten ins Leben gerufen. Eine der neuesten ist www.wohnungfor.me, mit der das Awo-Projekt jetzt verbunden werden soll. Dort stellen sich die Menschen persönlich vor, die eine Bleibe suchen.

„In Lübeck hat es in der Vergangenheit schon sieben erfolgreiche Vermittlungen gegeben“, sagt Hannelore Witt über das Awo-Projekt. Zwei Seniorinnen seien über 90 Jahre alt gewesen und haben sich über Hilfe und Geselligkeit gefreut. Und nicht nur sie: „Die Töchter waren auch sehr dankbar. Wir haben alle zusammengesessen und vorher über die Bedingungen gesprochen“, erinnert sie sich. Dafür gebe es wunderbar ausgearbeitete Vordrucke des Studentenwerks in Kiel. Aktuell liegen ihr sechs neue Anfragen von jungen Menschen vor, darunter zum Beispiel eine von einem ukrainischen Studenten an der Musikhochschule in Lübeck. „Die Lebensläufe zeigen eine gewisse Seriosität und sollten Ängste abbauen“, meint sie. „Und solche Anfragen werden täglich mehr.“ In Bad Schwartau hat es bisher zwei Vermittlungen gegeben, in einem Haushalt.

„Für mich ist es bei den Webseiten immer wichtig gewesen, Sicherheit für beide Seite zu schaffen“, sagt Volker Dettmer. Der Erstkontakt kommt über ihn zustande, dann vergibt er eigene E-MailAdressen an die Bewerber. Erst dann geht der Austausch weiter. „Missbrauch ist also nicht möglich“, sagt Dettmer.

Wie das Studentenwerk und die Awo betonen, sind Alter, Beruf und Herkunft nicht vorgeschrieben bei „Wohnen für Hilfe“. Wohnraumpartnerschaften sind genauso möglich in Familien oder für Alleinerziehende, es können Hausaufgaben betreut und Kinder beaufsichtigt werden. Das Bildungsministerium bewarb das Projekt einst so: „Es stiftet zu mehr menschlichem Miteinander an. Es wird ein wichtiger Schritt getan heraus aus der sozialen Isolierung hin zu generationenübergreifendem Wohnen. Machen Sie mit, stellen Sie eine Koje, reichen Sie eine helfende Hand.“ Das Projekt gibt es in Kiel seit 2012, in Bad Schwartau und Umgebung seit 2013.

Wer Wohnraum anbieten möchte oder sich weiter informieren möchte, kann sich bei Hannelore Witt melden unter Telefon 0451/ 2961822.

Die Fragebögen

Durch Vordrucke des Studentenwerks gibt es Absicherung für beide Seiten. Rechtlich sei die Unterbringung unkompliziert. Die Hilfeleistungen würden als Gefälligkeiten gelten, heißt es beim schleswig-holsteinischen Studentenwerk. Steuerlich habe das Ganze keinerlei Auswirkungen. Ein Vertrag werde trotzdem aufgesetzt. Es wird darauf bestanden, dass die Studenten eine Haftpflichtversicherung haben. Um Parteien zusammenzuführen, werden Wünsche und Bedingungen vorher abgefragt.

Wohnraumanbieter können Angaben zum „Wunschmieter“ ankreuzen und zur gewünschten Hilfe; zum Beispiel: Reparaturen, Gartenarbeit, Einkaufen, Begleitung zum Arzt oder zu Veranstaltungen, Gesellschaft leisten, Hausarbeit, Kinderbetreuung, Versorgung von Tieren, Schreibarbeiten oder einen Fahrdienst.

 IBU

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