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Bad Schwartau Zwei Pastoren, drei Tage, fünf Gottesdienste
Lokales Bad Schwartau Zwei Pastoren, drei Tage, fünf Gottesdienste
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18:15 24.12.2015
Gesa und Simon Paschen (beide 35) feiern Weihnachten am Adventskranz statt unter Tannenbaum. Das gute Stück pflegen sie dafür, so dass es „mindestens bis zum Dreikönigstag hält“. Quelle: Ilka Mertz

Einen Weihnachtsbaum sucht man im Wohnzimmer des Ehepaars Paschen vergeblich. Vor Jahren gab es mal einen, „aber wir sind kaum dazu gekommen, mal die Kerzen anzuzünden“, erzählt Gesa Paschen (35), also verzichte man seitdem darauf. Die Bescherung am Heiligabend findet am Adventskranz statt, „außerdem gibt es in unseren Kirchen ja wunderschön geschmückte Bäume“, sagt Simon Paschen (35). Und in „ihren“ Kirchen verbringen die beiden Pastoren an den Weihnachtstagen ohnehin fast mehr Zeit als Zuhause.

Am gestrigen Heiligabend standen für Gesa Paschen gleich zwei Gottesdienste in der Martinskirche in Cleverbrück an — nachmittags für Familien mit Krippenspiel und spätabends die Christmette mit Chorgesang; Simon Paschen stand nachmittags in der Christuskirche vor dem Altar. Für Bescherung und Essen im Pfarrhaus blieb da wenig Zeit. „Wir haben unsere zwei Stunden, in denen wir gemeinsam essen, uns beschenken und Lieder singen“, sagt Simon Paschen. Forelle aus dem Ofen, dazu Pellkartoffeln und Chicorée-Salat. „Das mögen wir sehr gerne und es ist einfach vorzubereiten und wenig Abwasch hinterher“, erklären sie ihr Mahl. „Wir haben es mal mit einem aufwendigeren Essen versucht, aber da sind wir in Stress gekommen.“ Auch auf Wein verzichtet das Paar. „Davon werde ich so müde“, sagt Gesa Paschen, deren Arbeitstag ja ohnehin erst nach Mitternacht endet. Für ihren Mann hat dann schon der nächste Arbeitstag begonnen, am heutigen ersten Weihnachtstag feiert er um 10.30 Uhr den nächsten Gottesdienst mit seiner Gemeinde. Gesa Paschen hat einen Tag Pause; sie ist erst am zweiten Weihnachtstag wieder an der Reihe.

Fünf Gottesdienste, zwei Kirchen, ein gemeinsamer Haushalt — da könnte man sich die Arbeit doch ein bisschen erleichtern und die gleichen Predigten halten? „Nein!“ Gemeinsames Brainstorming, ja, das gibt es im Hause Paschen. „Aber dann verfolgt jeder eigene Ideen weiter“, sagt Gesa Paschen. Die Weihnachtszeit sei doch eine Zeit, in der man sich Gedanken machen könne über viele Dinge. Schließlich stelle sich dadurch auch ein persönlicher Gewinn ein. Und der ist dem Ehepaar wichtiger als ein möglicher Zeitgewinn.

Wichtig ist den beiden Pastoren auch, Zeit mit ihren Familien zu verbringen. Heute sind sie bei ihren Verwandten in Neustadt, morgen bei seinen in Hamburg. „Zum Glück haben alle Verständnis, dass sie auch mal auf uns warten müssen“, sagt Gesa Paschen. Wohl auch, weil sie aus einer Pastorenfamilie kommt, „da sind alle mit arbeitsreichen Weihnachtstagen aufgewachsen“. Und seine Familie war im Posaunenchor der Gemeinde aktiv, „da waren wir Weihnachten auch immer im Einsatz“.

Zwei gemeinsame Stunden am Heiligabend, keine Zeit für ein gemütliches Frühstück am Weihnachtsmorgen und nur kurze Besuche bei den Familien — die meisten stellen sich besinnliche Festtage wohl anders vor. Das Ehepaar Paschen kann sich sein Fest nicht anders vorstellen. „Natürlich sind Geschenke und Essen wunderbar, aber die Tiefenwirkung von Weihnachten ist doch eine andere“, sagt Simon Paschen.

Das Schöne an dem Fest sei ja, „dass es nicht am zweiten Weihnachtstag vorbei ist. Die Gedanken und Gespräche begleiten auch über die Jahreswende hinaus.“ Dieses Wissen trägt das Paar im Alltag ebenso wie die Dankbarkeit für die vielen Mitstreiter in den Gemeinden, die die Weihnachtstage so besonders gestalten. „Da merkt man, was man Gutes hat. Wenn das nicht wäre, dann würde ich mich nicht freuen können“, sagt Simon Paschen.

„Gespräche und Gedanken begleiten einen auch im Alltag.“
Simon Paschen
„Bei der Arbeit stellt sich persönlicher Gewinn ein.“
Gesa Paschen

Ilka Mertz

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