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Lauenburg 1,6 Millionen für alte Teppichfabrik
Lokales Lauenburg 1,6 Millionen für alte Teppichfabrik
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18:33 01.11.2017
Das Gelände der ehemaligen Teppichfabrik könnte die Stadt jetzt mit finanzieller Hilfe von Land und Bund kaufen und ein Konzept zur künftigen Nutzung entwickeln. Wohnen, Gewerbe und Kultur sind geplant. Quelle: Fotos: Timo Jann
Geesthacht

800000 Euro Eigenanteil muss die Stadt bezahlen. Erst am 15. September hatte die Ratsversammlung auf Vorschlag von Bürgermeister Olaf Schulze beschlossen, sich um solche Fördermittel zu bewerben.

Das ging mal schnell: Mit 1,6 Millionen Euro aus Städtebaufördermitteln bezuschussen Land und Bund die Geesthachter Idee, das Areal der ehemaligen Teppichfabrik anzukaufen und dort ein Konzept zur künftigen Nutzung in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Kultur zu erstellen.

„Die schnelle Zusage ist ein sehr gutes Zeichen für uns“, sagte Schulze gestern. „Es ist schön, dass uns das Land so hilft“, berichtete er. Der Bürgermeister hofft jetzt, die Gespräche mit Insolvenzverwalter Udo Müller (Hannover) zeitnah zu einem positiven Ergebnis bringen zu können. Denn die Zeit drängt – die denkmalgeschützte Substanz verfällt zunehmend, außerdem wüten immer wieder Vandalen auf dem Gelände an der Düneberger Straße.

Mit insgesamt gut 60 Millionen Euro stehen für die Sanierung von Innenstädten und Stadtquartieren so viel Mittel wie noch nie zuvor aus dem Städtebauförderungsprogramm zur Verfügung. Das Geld können sich 42 Kommunen für 48 Fördergebiete teilen. Neben Geesthacht erhält auch Lauenburg Geld: 600000 Euro für die Fortsetzung der Maßnahmen zur weiteren Entwicklung des Ortskerns in der Oberstadt.

„Ich freue mich besonders darüber, dass die Anzahl der in diesem Jahr neu aufgenommenen Maßnahmen so hoch ist wie nie zuvor. 28 Kommunen erhalten für 29 Gebiete mit der erstmaligen Programmaufnahme eine finanzielle und fachliche Unterstützung für eine umfassende städtebauliche Weiterentwicklung“, erklärte der Kieler Innenminister Hans-Joachim Grote.

Die Stadt hatte sich mit der Vision zur Entwicklung der 22 Hektar großen Industriebrache um die Fördermittel von Land und Bund (jeweils ein Drittel der Gesamtsumme von 2,4 Millionen Euro) beworben.

„Mit fast einer Milliarde Euro stellen wir den Ländern in diesem Jahr so viel Mittel für die städtebauliche Förderung zur Verfügung wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr“, sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks. „Gemeinsam mit den Ländern unterstützen wir damit die Städte und Gemeinden bei der Herausforderung, sich an die demografischen, ökonomischen und ökologischen Veränderungen städtebaulich anpassen zu können. Damit stärken wir auch die soziale Stadtentwicklung und das soziale Miteinander in unseren Quartieren“, führte sie aus.

Geesthacht profitiert dabei von einem Programm zum Städtebaulichen Denkmalschutz. Ziel soll es sein, möglichst viele der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der 1953 in Betrieb genommenen und 2016 endgültig aufgegebenen Teppichfabrik zu erhalten. Unter Schutz stehen neben Lager- und Produktionshallen auch das Heizwerk, das Pförtnerhäuschen und das Verwaltungsgebäude. Schulze schwebt vor, ein Konzept zu entwickeln, das Brachflächen für den Wohnungsbau vorsieht, Teile der alten Hallen nach der nötigen Sanierung in neue Nutzungen, etwa als Kulturzentrum, zu überführen und die begehrten Gewerbeflächen zu reaktivieren. Aus dem Erlös durch den Verkauf von Bauplätzen und Gewerbeimmobilien könnten Investitionen in Sachen Denkmalschutz erfolgen.

Durch die Anschubwirkung der Fördermittel löst jeder Euro laut Statistik in der Regel das sechs- bis achtfache an Bauinvestitionen aus. Für das Projekt Teppichfabrik kalkulieren Experten mit Investitionen in Höhe von 25 Millionen Euro.

Ehe es soweit ist, wird eine Einigung der Stadt mit dem Insolvenzverwalter nötig. „Mir ist wichtig, dass wir zu einer schnellen Lösung kommen, um die Gebäudesubstanz zu sichern. Mit jedem Regen und Sturm leidet die mehr“, sagte Schulze.

Ungeschützte Krankenakten

Im Sprechzimmer des früheren Arztes der ehemaligen Teppichfabrik an der Düneberger Straße liegen jede Menge Arztberichte und Protokolle herum. Vandalen hatten offenbar Schränke und Schreibtischfächer ausgeräumt und dort zurückgelassene Aktenordner durchwühlt. Aus den Aufzeichnungen in dem völlig verwüsteten Zimmer gehen persönliche Befunde von Mitarbeitern ebenso hervor wie Ergebnisse regelmäßiger Untersuchungen oder die Krankenstatistik der Beschäftigten nach Betriebsteilen oder Nationalitäten.

Der Betrieb der Teppichfabrik unter Regie der Firma Vorwerk war vor einem Jahr endgültig eingestellt worden, die Aufzeichnungen stammen noch aus der Zeit, als die 2013 in die Insolvenz geratene Norddeutsche Teppichfabrik die Bodenbeläge produziert hatte. Der vom Amtsgericht beauftragte Insolvenzverwalter Udo Müller hatte zwar Maschinen verkauft und Teile der Hallen räumen lassen, doch das Arztzimmer blieb davon offensichtlich unberührt. Auch Medikamente blieben in dem Zimmer im Obergeschoss eines der Hallentrakte zurück.

Das ist ein klarer Verstoß gegen das Datenschutzgesetz. Für eine Stellungnahme war Insolvenzverwalter Müller gestern nicht erreichbar. tja

Timo Jann

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