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18 Särge in der Fürstengruft

LN SERIE: HINTER ALTEN MAUERN – Maria-Magdalenen-Kirche in Lauenburg 18 Särge in der Fürstengruft

Das Gotteshaus nahe der Elbe ist über 780 Jahre alt, der heutige Kirchturm wurde erst 1992 errichtet.

Lauenburg. Das kann nun wirklich kaum ein anderes Gotteshaus von sich behaupten: Es ist nämlich gleich von drei Bundesländern aus zu sehen. Die nur wenige Schritte von der Elbstraße entfernt in Lauenburgs Altstadt gelegene Maria- Magdalenen-Kirche, mehr als 780 Jahre alt, ist auch von Niedersachsen und Mecklenburg aus zu erkennen. Ihr spitzer Turm jedenfalls ragt fast 60 Meter in die Höhe.

Das war nicht immer so. Der Turm ist jener Teil der Kirche, der sich am häufigsten und einschneidendsten verändert hat. Es begann 1901, als die alte Kirchenorgel erneuert werden musste. Sie war aber so fest in den kleinen gedrungenen Kirchturm eingebaut, dass dieser beim Ausbau des Instruments zusammenzubrechen drohte. Da beschloss der Kirchenvorstand, gleich einen neuen Turm zu errichten.

Der hielt genau 44 Jahre, denn wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Lauenburg heftig beschossen, auch die Kirche traf es schwer. Weil nach Kriegsende überall Material fehlte, ließen die Stadtväter den 59 Meter spitzen Kirchturm kappen, um mit den Ziegelpfannen das defekte Kirchenschiff zu decken. Schön sah die nun amputierte Kirche nicht mehr aus, und immer wieder wurde gefordert, den Turm in alter Höhe wiederherzustellen. Doch es fehlte das Geld.

Verschiedene Spendenaktionen führten dazu, dass 1991 endlich das Geld vorhanden war. Nun aber wollte der Kirchenvorstand nicht mehr: „Es ist im Moment nicht die Zeit dafür, eine kosmetische Veränderung vorzunehmen, wo nicht weit entfernt in der früheren DDR viele Kirchen froh wären, wenn sie nur heile Fensterscheiben hätten“, erklärte damals Pastor Jens Ratjen. Es begann ein heftiger Streit mit mehreren, jeweils anders endenden Abstimmungen im Kirchenvorstand, doch am Ende setzte sich die Fraktion der Turm-Befürworter durch. 1992 bekam das Bauwerk wieder einen Turmhelm, nun aber einen aus Kupfer.

Benannt ist das um 1230 entstandene Gotteshaus nach jener Frau, die Jesus als erste nach dessen Auferstehung erblickte und diese frohe Botschaft seinen Jüngern verkündete. Von einigen späteren Anbauten abgesehen, hat das Gotteshaus bis heute jene Gestalt bewahrt, die es im 13. Jahrhundert hatte. Das Kirchenschiff ist bis zur Höhe der Fenster aus Findlingen errichtet, oberhalb dieses Sockels erhebt sich massives Mauerwerk aus Ziegelsteinen.

Ob die Fenster von Anfang an in ihrer gotischen Form vorhanden waren, ist allerdings nicht bekannt. „Da die Kirche im Übergangsstil zwischen Romanik und Gotik errichtet worden ist, ist es durchaus möglich, dass die Fenster in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind“, sagt dazu die Kirchenhistorikerin Dr. Claudia Tanck.

Unter dem erhöhten Chor des Kirchenschiffs befindet sich die vom Askanier-Herzog Franz II. von Sachsen-Lauenburg (1547-1619) angelegte Fürstengruft mit 18 aus Zinn gefertigten Särgen. Sie bergen die Überreste des Fürsten, seiner Frau Maria und die einiger seiner Kinder, Enkel und Urenkel. Franz II. hatte 1585 die „Lauenburgische Kirchenordnung“ erlassen, nach der der jeweilige Landesherr nun auch oberster Kirchenherr wurde.

Wer sich in der Kirche umschaut, entdeckt zahlreiche wunderschöne Kunstwerke. Das zumindest nach Ansicht von Pastor Ulrich Billet schönste unter ihnen ist der zwischen 1450 und 1500 entstandene Marienleuchter, der aber derzeit in einer Lauenburger Künstlerwerkstatt einer gründlichen Restauration unterzogen wird. Im kommenden Jahr kehrt er zurück.

Eine Überholung hat auch die Orgel nötig. Sie stammt aus dem Jahr 1961 und verbirgt sich hinter einem prächtigen Prospekt aus dem 17. Jahrhundert. Die Sanierung dieses Instruments liegt Billet besonders am Herzen. Er ist schließlich nicht nur Pastor, sondern auch Organist.

Führung und Konzert

Die Maria-Magdalenen-Kirche in Lauenburgs Altstadt beteiligt sich am morgigen Sonntag am bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“. Zunächst gibt es von 11 bis 12 Uhr einen Gottesdienst, von 12 bis 18 Uhr steht das Gotteshaus dann zur Besichtigung offen. Um 15 Uhr beginnt eine sachkundige Führung durch die Kirchenhistorikerin Dr. Claudia Tanck. Um 16.30 Uhr ist ein ungewöhnliches Konzert zu erleben, nämlich für Sologesang und Orgel. Katja Bauke (Alt) singt, Pastor Ulrich Billet spielt dazu auf dem (noch) klangstarken Instrument, für dessen Sanierung die Kirchengemeinde gerade Spenden sammelt.

Norbert Dreessen

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