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Lauenburg 25 Jahre Archivgemeinschaft im Nordkreis
Lokales Lauenburg 25 Jahre Archivgemeinschaft im Nordkreis
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21:04 19.12.2017
25 Jahre Archivgemeinschaft Mölln-Ratzeburg gewürdigt: Dieter Ropers, Teamleiter Amt Breitenfelde, Möllns Bürgermeister Jan Wiegels, Thomas Jessen, Verwaltungsleiter Amt Sandesneben-Nusse, Stadtarchivar Christian Lopau, Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß und Werner Rütz, Verwaltungsleiter des Amtes Lauenburgische Seen (von links). Quelle: Foto: Hfr

Ungeachtet der Frotzeleien zwischen Möllnern und Ratzeburgern, die bei offiziellen Anlässen gern ausgetauscht werden, funktioniert die Zusammenarbeit der Städte in vielen Bereichen sehr gut. Ein Beispiel ist eben das Archivwesen. Die Entscheidung für die Kooperation fiel, als das Archivgesetz des Landes Schleswig-Holstein vom 11. August 1992 die Einrichtung von Archiven auch für die Kommunen zu einer Pflichtaufgabe machte. Die Archivgemeinschaft ist gewachsen: Aus der Zusammenarbeit mit den Ämtern im Norden des Kreisgebiets (Berkenthin, Breitenfelde, Lauenburgische Seen und Sandesneben-Nusse) wurde 2009 die heutige „Archivgemeinschaft Nordkreis Herzogtum Lauenburg“.

In den vergangen 25 Jahren ist auch im Archivwesen eine Menge passiert. In den ersten Jahren der Zusammenarbeit lag der Schwerpunkt auf der Verzeichnung des umfangreichen Schriftguts und auf der Erstellung der Findbücher. Außerdem konnten die älteren, bis in das 16. Jahrhundert zurückreichenden Bestände zurückgeholt werden, die lange Zeit durch das Kreisarchiv Ratzeburg betreut worden waren.

Vor allem im Bereich der historischen Bildungsarbeit und der Öffentlichkeitsarbeit wurden zahlreiche Projekte umgesetzt. Eine Fülle von Vorträgen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen haben dazu beigetragen, allen interessierten Bürgern die Geschichte der Städte und der Region näher zu bringen. Dabei spielt die Zusammenarbeit mit den Schulen sowie die Aus- und Fortbildung der Gästeführer eine wichtige Rolle. Besonderen Anklang finden die geführten Fahrradtouren zu geschichtlichen Themen, wie die Grenztouren, die mit dem Grenzhus in Schlagsdorf und der Tourist-Info in Ratzeburg entwickelt wurden. Neuestes Format sind die Joggingtouren zu historischen Stätten in und um Ratzeburg, die in diesem Jahr erstmals angeboten wurden.

Immer mehr wird auch das Internet für die Präsentation einzelner Archivalien und die Darstellung der Archivarbeit genutzt. Die Jahreschroniken der Stadt, die Reihen „Archivale des Monats“ oder „Alte Ratzeburger“ sind Teil eines digitalen Stadtgedächtnisses. All das trägt dazu bei, dass die lokalen Archive sich zu modernen Dienstleistungseinrichtungen für die Bürger und für ihre Verwaltungen entwickelt haben. Dabei ist gerade für die kleineren kommunalen Archive die Kooperation mit anderen Institutionen aus dem schulischen, kulturellen oder touristischen Bereich von großer Bedeutung.

„Die Zusammenarbeit im Archivwesen hat sich jedenfalls bewährt“, resümiert der Leiter der Archivgemeinschaft, Christian Lopau.

Leider gibt die Lage des Stadtarchivs Ratzeburg derzeit wenig Anlass zum Feiern. Im Dezember 2014 musste das Stadtarchiv Ratzeburg aus seinen bisherigen Räumen an der Demolierung ausziehen. Die künftig vorgesehenen Räume in der Ernst-Barlach-Schule sind noch nicht nutzbar. Der Umbau soll im Zuge der Sanierung des gesamten Gebäudes erfolgen – ein Projekt aus dem Programm der Städtebauförderung. Daher ist der überwiegende Teil der Ratzeburger Archivbestände seit fast drei Jahren in etwa 1200 Kartons eingelagert und nicht nutzbar. Eine besondere Herausforderung in der Archivarbeit ist für Stadtarchivar Christian Lopau zudem der digitale Wandel: „Noch spielt Papier die Hauptrolle im Archivwesen. 1,7 Kilometer Akten werden in den Magazinen unserer Archivgemeinschaft aufbewahrt. Dies wird sich in Zukunft im Zuge der Digitalisierung jedoch stark verändern, wenn immer mehr Informationen nur noch als elektronische Akten in Dokumenten-Managementsystemen gespeichert werden. Wie diese Datenbestände dauerhaft archiviert werden können, ist nicht wirklich geklärt. Unsere ältesten, papierenen Urkunden im Archivbestand sind nach 700 Jahren noch lesbar. Das ist auch der Maßstab für die elektronischen Daten.“

Lopau betont dabei, dass die Arbeit des Archivwesens nicht nur aus historischem Interesse wichtig ist: „Archive tragen maßgeblich zum kollektiven Geschichtsbewusstsein und zum Verständnis von historischen Zusammenhängen bei, indem sie diese zugängig und transparent machen. Sie sind so, gerade im ,postfaktischen’ Zeitalter von ,alternativen Fakten’ oder gar ,Fake News’, eine urdemokratische Quelle von dokumentierten und belegbarem Wissen, das allen gehört und von allen eingesehen werden darf.“

Dass die Archivgemeinschaft im Nordkreis so hervorragend und beispielhaft läuft und die Archivarbeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, sei vor allem das Verdienst von Christian Lopau. „Und dafür sind wir alle sehr dankbar“, darin stimmen die Bürgermeister und Amtsvertreter überein.

LN

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