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Lauenburg 30 Seiten mehr Zeitgeschichte
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21:16 31.07.2018
Die Autoren Heike und Hartwig Fischer (Mitte) bedanken sich bei Kai Schubert (li.) und Jan-Hendrik Blassew, beide Raiffeisenbank Südstormarn-Mölln, für die Unterstützung bei der Erstellung der erweiterten 4. Auflage ihrer Dokumentation „Weltgeschichte vor der Haustür“. Quelle: Foto: Hfr
Ratzeburg

Sie sind ein ideales Team für so ein Projekt. Er, der Geschichtslehrer; sie, die fotografierende Journalistin. Das Ratzeburger Ehepaar Heike und Hartwig Fischer – beide mittlerweile im Ruhestand – haben die Grenzöffnung im November 1989 hautnah miterlebt und vor allem dokumentiert. Hunderte Fotos und zahllose Zeitungsdokumente, vor allem aber auch Erinnerungen an Erlebnisse, Gespräche, Momente tiefer Gefühle über den sprichwörtlichen „Wahnsinn“ – das geflügelte Wort damals über das Wunder der unblutigen Wende – brachte die Ratzeburger dazu, zum 25. Jahrestag der Grenzöffnung im Selbstverlag eine Dokumentation dieser Tage, aber auch der geschichtlichen Hintergründe und Entwicklungen zu veröffentlichen.

Am Anfang war der Wunsch, das Erlebte aufzuschreiben, um es der Nachwelt zu erhalten. Jetzt, fast 30 Jahre nach der Grenzöffnung, freut sich das Ratzeburger Ehepaar Fischer über den Erfolg, der zu einer 4., erweiterten Auflage führte.

Schabowskis Zettel

Die legendäre Pressekonferenz, bei der DDR-Staatssekretär Günter Schabowski verklausuliert mitteilte, dass praktisch die Mauer gefallen war, ist jedem Deutschen in Erinnerung. Die Nachricht, die ihm offenbar selbst merkwürdig vorgekommen war, las er von diesem handschriftlichen und mit Randnotizen versehenen Zettel ab.

Die Idee erwies sich als erfolgreich. Das Buch in seiner ersten Auflage war bald vergriffen, es folgten zwei weitere Nachdrucke, die auch schnell nicht mehr zu bekommen waren. „Wir hatten uns dann zum herannahenden 30. Jahrestag der Grenzöffnung im kommenden Jahr zu einer erweiterten Neuauflage entschieden“, sagt Hartwig Fischer. Der sich als früherer Lehrer an der Lauenburgischen Gelehrtenschule darüber freut, dass es vor allem auch Nachfragen von Schulen gegeben hat. Sie hätten gerne die Fotodokumentation – Heike Fischer hat allein von den Grenzöffnungsereignissen über 800 Fotos in ihrem Archiv – im Geschichtsunterricht eingesetzt. Hartwig Fischer: „Es gibt in unserer Region nichts Vergleichbares.“

Diese 4. Neuauflage ist um 30 Seiten dicker und umfasst jetzt 222 Seiten mit 450 Abbildungen. So enthält die neue Auflage jetzt auch „Schabowskis Zettel“, das handschriftliche Originaldokument, das das damalige Zentralkomiteemitglied Günter Schabowski bei der legendären Pressekonferenz zur Neuregelung der Ausreisebestimmungen der DDR verlas – am selben Abend war die Mauer gefallen.

Ebenfalls hinzu gekommen ist eine mehrseitige Vorstellung des „Grenzdokumentationszentrums Lübeck-Schlutup“ und ein längerer Quellentext des damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm. Außerdem finden sich Briefdokumente von DDR-Bürgern, die ihren Gefühlen nach dem ersten Grenzübertritt mit Besuchen in Ratzeburg und anderen Orten im Lauenburgischen Ausdruck verliehen hatten.

Für diese 4. Auflage hat das Autorenpaar erstmals einen Unterstützer gefunden, die Raiffeisenbank Südstormarn/Mölln. Jan-Hendrik Blassew, Bereichsleiter Firmenkundenbetreuung des Geldinstituts, freut sich: „Als Geschichtslehrer hat Hartwig Fischer mich bereits zum Abitur begleitet. Als er mir dann von dem Buch erzählte, wollte ich auf jeden Fall Schützenhilfe leisten.“ Und Kai Schubert, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Südstormarn/Mölln, sagt: „Diese Dokumentation ist einzigartig.“

Das Buch ist ab sofort in jeder Buchhandlung erhältlich oder bestellbar.

Gegen das Vergessen

Sie waren ziemlich überrascht, dass Ihr Dokumentationsprojekt so gut ankam? Dass die ersten Auflagen so schnell vergriffen waren, hätten wir nicht erwartet.

Dieses Buchprojekt, im Eigenverlag produziert und vertrieben, birgt ja auch ein wirtschaftliches Risiko.

Reich sind wir damit nicht geworden, aber das war auch nicht unser Ansinnen. Dass wir jetzt für die Neuauflage in der Raiffeisenbank einen Unterstützer gefunden haben, entlastet uns natürlich.

Seit der Grenzöffnung hat sich ja viel verändert. Wie haben Sie die Orte für die Vergleichsdarstellungen einst und heute wiedergefunden? Das war teilweise wirklich nur mit alten Fotos in der Hand und Blick auf eine genaue Landkarte möglich.

Das Unterthema des Buches ist ja „Gegen das Vergessen“. Gibt es heute vielleicht zu wenig Relikte der alten Grenze? Aus der Perspektive der Betrachtung der Zeitgeschichte vielleicht ja. Um so wichtiger sind solche Dokumentationen – die eben gegen das Vergessen wirken sollen.

Wr Matthias Wiemer

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