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Lauenburg 40 000 Zähne fressen sich durch das frische Gartengrün
Lokales Lauenburg 40 000 Zähne fressen sich durch das frische Gartengrün
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21:21 29.06.2013
Welches Tier hat sein Haus immer bei sich und hinterlässt ein schleimige Spur? Die Antwort ist recht einfach: Es handelt sich um die Weinbergschnecke. Dass sie aber über 40 000 Zähne verfügt, das weiß denn doch kaum jemand. Quelle: Foto: Wolfgang Buchhorn
Mölln

Mein Schneckenerinnerungen kriechen auf schleimiger Spur etwa 75 Jahre zurück. Wir sammelten damals auf einem Hang mit Wassergraben Weinbergschnecken, nicht aus biologischen, sondern aus finanziellen Gründen. Ein vornehmer Mann in meiner pommerschen Heimatstadt zahlte für eine Schnecke einen Groschen (10 Pfennig). Er bereitete die Schnecken zu und verzehrte sie als „Delikatesse“. Von Schnecken-Naturschutz war damals noch nicht die Rede. Wir kannten als „junge Bengels“ einen Schnecken- Spruch: „Schneck‘, Schneck‘ — steck die Hörner aus, sonst schmeiß ich dich in den Graben; da fressen dich die Raben...“ Mit den Hörnern waren die Stielaugen der Schnecken gemeint.

Weinbergschnecken leben von Pflanzen und vom Algenbewuchs, den sie mit 40 000 kleinen Zähnen abweiden. Außerdem nehmen sie Kalk vom Boden auf, um ihr Schneckenhaus zu stabilisieren. Einige Wochen nach der Paarung legen die Schnecken etwa 50 Eier in einer Erdgrube ab. Und nach zwei Wochen schlüpfen Schnecken mit Minigewicht. Und wo bleiben die Schnecken im Winter? Sie verkriechen sich in der Erde und fallen in Winterstarre. In Deutschland stehen Weinbergschnecken unter Naturschutz. In Frankreich, Italien, Griechenland und anderen Ländern werden sie als „Delikatesse“ angeboten und verspeist.

In der so genannten „freien Wildbahn“ können Weinbergschnecken ein Alter von acht Jahren erreichen; Zuchtschnecken werden bei guter Pflege 20 Jahre alt. Das Schneckenhaus besteht aus Kalk. Deshalb sind sie bei der Suche nach einem Lebensraum auf kalkhaltige Reviere angewiesen. Keine Feinde? Feind Nummer eins ist der Mensch. Und wir haben im Lauenburgischen (selten!) Fuchs, Dachs und Greifvögel beobachtet, die Schnecken außerhalb ihres Hauses erwischten. Diese Tiere sollen aber auch in der Lage sein, Schneckenhäuser zu knacken.

Nun haben wir doch tatsächlich 75 Jahre Schnecken-Erinnerung hinter uns, in der Hoffnung, dass keine Langeweile aufgekommen ist.



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Georg Peinemann

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