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Lauenburg 400 Einsätze im Jahr: Rekord für Ratzeburgs Feuerwehrleute
Lokales Lauenburg 400 Einsätze im Jahr: Rekord für Ratzeburgs Feuerwehrleute
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21:03 15.01.2018
Ratzeburgs Feuerwehr ist im Jahr 2017 genau 400 Mal zu Einsätzen ausgerückt. Außerdem wurde oft geübt, wie hier beim alten Aldi-Markt. Quelle: Fotos: Hfr
Ratzeburg

Vor Mitgliedern und zahlreichen Gästen schilderte er am Freitagabend im Feuerwehrhaus an der Robert-Bosch-Straße die Grenze der Belastbarkeit: „400 Einsätze das heißt 1,1 Einsätze täglich. Und das alles ehrenamtlich. Es ist eine gigantische Zahl, die den Kameraden vieles abverlangte, oft den Verzicht auf Freizeit bedeutete und eine extrem hohe persönliche Belastung darstellte. Aber wir haben alle Einsätze gemeistert“. 2017 leistete die Feuerwehr Ratzeburg kreisweit die meisten Einsätze. Und das nicht nur in der Kreisstadt, sondern quer durch das Herzogtum, von Groß Sarau bis Lauenburg.

Einsatzrekord für die 79 Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Ratzeburg: Sie absolvierten im vergangenen Jahr genau 400 Einsätze. „Im Jahr zuvor waren es noch 291 gewesen, was auch schon viel war“, erklärt Feuerwehrchef Christian Nimtz.

Einige Einsätze blieben den Rettern in besonderer Erinnerung. So unternahm vor ihren Augen ein Mann einen Selbstmordversuch, allen Bemühungen zum Trotz starb die Frau eines Einhäuser Kameraden bei einem Unfall auf der B 207.

Auch krimineller Energie sahen sich die Ehrenamtler ausgesetzt. „Wir hatten es fast ein Jahr lang bis September mit einem Brandstifter zu tun, der uns und die Polizei ordentlich auf Trab gehalten hat. Waren es anfangs Papiertonnen, so nahmen die Einsätze deutlich sichtbar an Brisanz zu. Am Ende hatten wir über 13 Brände im Stadtgebiet registriert, die die Polizei dem Verdächtigen vorwirft“, sagte Nimtz. Auch die durch Unwetter bedingten Einsätze nahmen deutlich zu, neben Dauerregen tobten auch die Stürme „Sebastian“, „Xavier“, „Axel“ und „Herwart“. Nimtz: „Bei unseren Einsätzen konnten wir 113 Personen retten und versorgen, sieben Mal war der Tod leider schneller als wir und jede Hilfe kam hier zu spät.“

Aufgrund der drastischen Entwicklung der Einsatzzahlen mahnte der Feuerwehrchef an, dass sich alle Verantwortlichen in der Kommunalpolitik und in der Stadtverwaltung im klaren sein müssten, was die Feuerwehr ehrenamtlich leiste. „Wir müssen unsere vorhandene Ausrüstung auf aktuellstem Stand halten, in neue und zeitgemäße Gerätschaften investieren und den Kameraden die Chance geben, an Weiterbildungen und externen Lehrgängen teilzunehmen“, forderte Nimtz. Nur so könne die Sicherheit in Ratzeburg weiterhin hoch gehalten werden. „Versprechen, die sich gut anhören, bringen da nichts“, machte er deutlich.

Auf Dauer sei die hohe Belastung von den aktuell 79 Einsatzkräften nicht zu tragen. Deshalb richtete Nimtz einen Appell an die Gäste: Mitgliederwerbung sei nicht nur Aufgabe der Feuerwehr. Der Wehrführer dankte ausdrücklich allen Arbeitgebern, die ihre Mitarbeiter für Einsätze freistellen. Gerade um die Tagesverfügbarkeit der Retter zu erhöhen, forderte Nimtz, dass auch die Stadtverwaltung voranging Personal einstelle, das in Ratzeburg wohnt und ehrenamtlich in der Feuerwehr tätig ist.

Mit Blick auf den Fuhrpark ist Nimtz relativ zufrieden. Zwar konnte vor allem durch das persönliche Engagement des Fördervereinsvorsitzenden Erhard Riß und des Ehrengemeindewehrführers Michael Dawert ein Mannschaftswagen hauptsächlich durch Spenden finanziert werden, doch der erhoffte neue Kommandowagen fiel den knappen Finanzmitteln der Stadt zum Opfer. Als Ersatz für einen Mercedes wurde ein gebrauchter VW Bus beschafft – beides waren einmal Notarzteinsatzfahrzeuge.

Ende diesen Jahres und Anfang 2019 werden Ratzeburgs Feuerwehrleute neu eingekleidet. Die zukünftige Schutzausrüstung wird rot sein. 200000 Euro lässt sich die Stadt das kosten. In den kommenden Tagen wird die Stadt die Stelle eines feuerwehrtechnischen Mitarbeiters ausschreiben, der sich um Verwaltungsaufgaben kümmern soll. „Die Bürokratie im Bereich der Feuerwehr nimmt enorm zu und die Pflege und Wartung der technischen Ausrüstung kostet sehr viel Zeit“, sagt Nimtz. Seit einigen Jahren gibt es mit Gerätewart Ralf Glanzow bereits einen Angestellten für die Feuerwehr.

Ehrungen und Beförderungen

Laura Werner, Simon Seifert und Hannes Weber wurden während der Versammlung in die Einsatzabteilung übernommen.

Befördert wurden Leif- Eric Hansen (Oberfeuerwehrmann), Heiko Reinhardt (Hauptfeuerwehrmann 3 Sterne), Andrzej Kusz (Löschmeister), Maximilian Ruth (Oberlöschmeister), Fin Hilgert und Christian Nimtz (Brandmeister).

Geehrt wurden Lara Niemeyer (10 Jahre), Hanno Greßmann, Torsten Hagemann, Michael Meßfeldt, Andre Mollenhauer, Rene Neumann, Sebastian Petster und Heiko Reinhardt (20 Jahre),Werner Gäbel (25 Jahre), Markus Bobrowski, Ralf Glanzow und Karl-Wilhelm Nehls (30 Jahre).

Timo Jann

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