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800 Jahre Geesthacht: die Ganz-Jahres-Feier

Geesthacht 800 Jahre Geesthacht: die Ganz-Jahres-Feier

Die größte Stadt des Kreises, in der Nobel das Dynamit zufällig erfand, knackt bald die 30000-Einwohner-Marke. 1216 wurde Geesthacht erstmals urkundlich erwähnt. Der runde Stadtgeburtstag wird in Geesthacht bereits seit Januar gefeiert. In den kommenden Monaten hält das Festprogramm noch viele tolle Aktionen bereit.

Das Elbfest (9. bis 11. September) ist der Höhepunkt der Geesthachter Geburtstagsfeierlichkeiten.

Geesthacht. „Erste Siedlungen gab es hier aber schon deutlich früher“, erklärt Helmut Knust vom Heimatbund und Geschichtsverein. Ein Beleg dafür ist das Totenhaus nördlich der Bundesstraße 5 bei Grünhof, das aus der Zeit 1200 vor Christus stammt. Entdeckt wurde es 1932. Bei der Abgrabung des Grabhügels stieß man auf eine rechteckige, mit Pfostenlöchern versehene Steinpackung, unter der zwei Baumsärge mit den sterblichen Überresten einer jungen Frau und eines zweijährigen Kindes lagen.

Anwohner berichteten damals aus niederdeutschen Überlieferungen, wonach es hieß „In dissen Barg liggt een Scheiterhupen. Door hebbt in olen Tiden grote Füer brennt.“ Die Ergebnisse der Grabung zeigten auf, dass das Totenhaus verbrannt wurde. Als 2014 das Baufeld für einen neuen Discounter ganz in der Nähe geräumt wurde, hatte Knust auf weitere spektakuläre Funde der mittleren Bronzezeit gehofft. Vergeblich.

LN-Bild

Die größte Stadt des Kreises, in der Nobel das Dynamit zufällig erfand, knackt bald die 30000-Einwohner-Marke.

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In der ersten Urkunde von 1216 ist von „Hachede“ die Rede, 1402 heißt des dann erstmals Geesthacht. Damals befand sich die Siedlung am Elbufer, wurde dann aber durch eine Änderung des Elbverlaufs geteilt. Geesthacht blieb am nördlichen Elbufer, Marschacht entstand am südlichen. Die gemeinsame Kirche versank schließlich in der Elbe, die damals etwa 300 Geesthachter bauten 1685 ihre St.-Salvatoris-Kirche an der heutigen Elbstraße neu auf. Sie gilt neben dem Krügerschen Haus aus dem 17. Jahrhundert als das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Im „GeesthachtMuseum“ zeigt die Stadt ihre Entwicklung bis zur Gegenwart.

Die heutige Stadt wurde in Hufeisenform angelegt, die sich im Bereich des Markts mit der St.-Salvatoris-Kirche im Mittelpunkt sowie den zwei Schenkeln (Bergedorfer Straße bis zur Mühle, heute Mühlenstraße) sowie der Lauenburger Straße (bis zum Runden Berg, heute Johanniter-Krankenhaus) erstreckten. Bei einem großen Stadtbrand 1887 wurden weite Teile des historischen Stadtkerns zerstört.

Wo heute das Rathaus steht, kam es am 28. August zu einem verheerenden Brand. Abends feierten 800 Ausflügler im Gasthof Peters. Sie zündeten ein Feuerwerk, wobei eine der Raketen in das Reetdach eines nahen Hauses fiel. Damit nahm das Unheil seinen Lauf, starker Wind und lange Trockenheit begünstigten die Brandausbreitung, so dass schließlich 39 Gebäude in Schutt und Asche lagen. Das Protokoll des Löschvorstandes verzeichnete 155900 Mark an Gebäudeschaden und 225000 Mark für zerstörtes Inventar. Für die damalige Zeit riesige Summen. Erst 1893 wurde Geesthachts Feuerwehr gegründet. Dennoch zerstörte 1928 ein zweiter großer Stadtbrand 16 Gebäude. Beim Wiederaufbau galt es, schnell Wohnraum für die obdachlos gewordenen Menschen zu schaffen. Damals wurden die Mehrfamilienhäuser am Richtweg, Ecke Keil errichtet, die heute die städtische Wohnraum-Entwicklungs-Gesellschaft (WoGee) betreut.

„Die beiden Brände haben das Gesicht der Stadt massiv verändert“, weiß Wolf-Rüdiger Busch, der Leiter des „GeesthachtMuseum“. „Es gibt dadurch kaum historische Bausubstanz in der Stadt“, berichtet er. Das könnte aber auch die Chance für die Entwicklung, hin zur größten Stadt des Kreises, begünstigt haben. Zeitweise dänisch, wurde Geesthacht erst durch das Groß-Hamburg-Gesetz (1937) durch einen Gebietstausch preußisch. Damals hatte sich Alfred Nobel bereits entschieden, eine große Nitroglyzerin-Fabrik aufzubauen. Er hatte bei Experimenten auf einem Lastkahn auf der Elbe bei Geesthacht dann 1866 zufällig das deutlich unempfindlichere Dynamit erfunden und durch den Ausbau der Geesthachter Fabrik, die erst im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, den Grundstein für sein späteres Vermögen gelegt. Aus dem werden heute noch die Nobelpreise finanziert. Letztes Relikt der Fabrik ist der Krümmeler Wasserturm, der allerdings dem Verfall preisgegeben ist.

Einen Teil des Geländes der ehemaligen Dynamitfabrik erwarben schließlich die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW), die dort das Kernkraftwerk Krümmel bauten, das 1984 seinen Betrieb aufnahm und das jetzt nach dem Atomausstieg zurückgebaut werden soll. Mit dem bereits 1956 eingerichteten Pumpspeicherwerk galt Geesthacht lange als größter norddeutscher Energiestandort.

Im Umfeld der großen Unternehmen hatten sich schon immer auch Dienstleister und andere Firmen angesiedelt. So wuchs Geesthacht immer weiter, bald dürfte die Zahl von 30000 Einwohner, nicht zuletzt durch die Flüchtlinge, geknackt werden. Neue Baugebiete sind in Planung, aber noch nicht konkret. Ein Manko — und eine der größten Aufgaben für Politik und Verwaltung.

Finanziell galt Geesthacht nach dem Zweiten Weltkrieg als Notstandsgebiet. Durch die Ansiedlung neuer Firmen ging es bergauf, das Kernkraftwerk brachte schließlich Millioneneinnahmen, die zu unerwartetem Wohlstand führten. Doch nachdem diese Einnahmen nun weggebrochen sind, fehlen Alternativen. In diesem Jahr wird die Stadt erstmals seit Jahrzehnten wieder Kredite aufnehmen müssen.

Doch nicht nur das KKW machte Schlagzeilen. Der spätere Kieler CDU-Ministerpräsident Uwe Barschel holte als Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums den prominenten Anhänger des Nationalsozialismus, Großadmiral Karl Dönitz, 1963 für eine Rede über die Geschichte des Dritten Reiches ans städtische Gymnasium. Es kam nicht eine kritische Frage. Berichte über diesen nationalsozialistischen Geschichtsunterricht erregten die Öffentlichkeit und die europäische Presse. machte daraus einen politischen Skandal. Nicht der einzige, der Geesthacht betraf. So machte der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Thomas Wüppesahl Schlagzeilen, als er angeblich — mit einem Hackebeil bewaffnet — bei einem Raubüberfall auf einen Geldtransporter einem Wachmann den Arm abschlagen wollte, um an die Beute zu kommen. Nach langem Gefängnisaufenthalt wollte er sogar Geesthachts Bürgermeister werden.

Sondermünze in Gold und Silber zum Stadtjubiläum

Der reine Materialwert ist deutlich geringer als der Kaufpreis — und dennoch dürfte die Sonderprägung zum 800-jährigen Stadtjubiläum in Geesthacht viele Freunde finden. Die Idee, eine Sondermünze aufzulegen, hatten Tourismusmanagerin Britta Rienitz und Museumsleiter Wolf-Rüdiger Busch. „Eine Sondermünze gab es auch zum groß gefeierten 777. Stadtgeburtstag 1993. Damals zierte die St.-Salvatoris-Kirche die Münze“, berichtete Busch. Diesmal kommt zusätzlich zum Stadtwappen auf der Rückseite nun das Krügersche Haus — das älteste profane Gebäude der Stadt — auf die Vorderseite der speziellen Münze. Die Feinsilbermedaille wird in reinem Silber 999 mit einem Durchmesser von 30 Millimetern gefertigt. Auf Bestellung kann man auch eine von höchstens 50 Goldmedaillen aus Feingold 999,9 bekommen. „Je kleiner eine Auflage, desto größer ist das Interesse auch von Sammlern“, weiß Sabel. Die Firma „EuroMint“ prägt die Münzen.

Sie sind in der Filiale der Kreissparkasse an der Bergedorfer Straße 58 erhältlich. Als Silbermünze (maximal 500 Exemplare) kostet sie 45 Euro, in der Goldversion (auf 50 Stück limitiert) werden immerhin 899 Euro fällig.tja

Festtermine

Der runde Stadtgeburtstag wird in Geesthacht bereits seit Januar gefeiert. Offiziell eingeläutet wurde das Stadtjubiläum dann am 12. Februar mit einem Konzert des Pianisten Justus Frantz.

In den kommenden Monaten hält das Festprogramm noch viele tolle Aktionen bereit.

Unter dem Motto „Wanderung in die Vergangenheit“ steht am Sonnabend, 16. April, eine Spurensuche im Naturschutzgebiet Hohes Elbufer an. Los geht es um 14 Uhr auf dem Parkplatz am Strandweg. Am Tag darauf führt ein Spaziergang unter dem Motto „Deutsches Pulver für die Welt“ durch Teile des Betriebsgeländes der früheren Pulverfabrik in Düneberg. Treffpunkt ist um 11 Uhr an der Lichterfelder Straße 15. „Geesthachts Zugehörigkeit zu Hamburg“ 1420 bis 1937“ ist der Titel eines Vortrags am 21. April (19 Uhr) im Krügerschen Haus. Am 22. Mai (11 Uhr) können Gäste dann „Auf den Spuren Alfred Nobels“ wandeln. Los geht es am ehemaligen Krümmeler Bahnhof an der Elbuferstraße. Am 4. Juni startet in am Hudehof (ab 10 Uhr) ein großes Seifenkistenrennen.

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten soll das 4. Geesthachter Elbfest vom 9. bis 11. September auf dem Menzer-Werft-Platz werden. Mit Attraktionen zu Wasser und am Land, verspricht Tourismusmanagerin Britta Rienitz. Weitere Programmpunkte gibt es im Internet unter www.Geesthacht.de/Veranstaltungen.

Von Timo Jann

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