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Lauenburg AUS DEM GERICHT
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18:13 02.08.2017

Wenn sich der Verdacht der Staatsanwaltschaft bestätigt, könnte es eng werden für Lars F. (26, Name geändert), gegen den gestern vor dem Landgericht Lübeck der Prozess eröffnet wurde. Die Verkehrskontrolle im Februar dieses Jahres, der sich eine furiose Verfolgungsjagd durch Lauenburg anschloss, markierte den Anfang des Endes einer „Drogenkurierfahrt“. So stellt es der Beschuldigte dar. Doch Staatsanwalt Christian Meyer hält es für möglich, dass es um mehr ging als nur den Transport von Drogen. Zudem auch Waffen im Spiel waren.

Die Anklageschrift enthält ein Wort, das für das spätere Urteil von entscheidender Bedeutung sein wird: entweder. Denn dem Angeklagten jungen Mann, der in Handschellen von zwei Justizbeamten vorgeführt wurde, wird vorgeworfen, entweder mit Drogen gehandelt oder sich diese verschafft zu haben. Folgende Tatsachen stehen fest: Im Februar geriet der Angeklagte mit seinem Audi in eine Verkehrskontrolle, gab Vollgas und suchte – dank seines schnellen Wagens zunächst erfolgreich – das Weite. Doch in Schnakenbek endete die Verfolgungsjagd an einer Polizeisperre. Der Gestoppte gab zwar immer noch nicht auf, zwängte sich aus dem Beifahrerfenster und versuchte in einen angrenzenden Wald zu laufen. Doch vergebens, der 26-Jährige wurde festgenommen. In seinem Wagen fand sich eine Menge Amphetamine, die im Juristendeutsch als „nicht gering“ angegeben wird – zwei Kilogramm. Legt man zugrunde, dass der Tagesbedarf eines Drogenkonsumenten, auf Kokain bezogen, bei etwa ein bis drei Gramm liegen kann, handelt es sich um ein erhebliches Quantum Stoff, aus dem eventuell einige Jahre Gefängnis für den Angeklagten werden können. Erschwerend kommt hinzu, dass sich eine geladene Schreckschusspistole in der Türablage und drei Einhandklappmesser im Handschuhfach fanden. Laut Anklageschrift: Waffen. Obendrein raste F. ohne Führerschein durch die Gegend, der war ihm vor einiger Zeit bereits entzogen worden.

F. bestreitet fast nichts, was bereits in einem Vorgespräch vor Verhandlungsbeginn zwischen Verteidiger, Staatsanwalt und Richter Kai Schröder festgehalten wurde. Eines will Lars F. aber auf keinen sein: ein Drogendealer. Ja, sagte er, er habe ein Drogenproblem und seit einiger Zeit in wachsendem Maße Kokain konsumiert. Aber: nein, er habe nicht damit gehandelt. Der Drogenfund im Auto sei vielmehr Ware gewesen, die ihm sein Drogenanbieter in Hamburg zum Transport an eine dritte Person in Boizenburg mitgegeben habe. Und das habe F. getan, um alte Schulden zu begleichen, etwa 600 oder 700 Euro, „ich weiß es nicht mehr genau“, sagte F. Überhaupt habe er Schwierigkeiten, sich an die Geschehnisse an jenem Februartag zu erinnern. Auch nicht daran, wie die Messer ins Handschuhfach gekommen sind. Gut erinnerte er sich allerdings noch daran, wie er den Polizeiwagen nach einem U-Turn in Lauenburg stehen gelassen hatte. „Ich bin mit über 200 Sachen längs gekachelt, da war der Polizeiwagen bald abgehängt.“

Also „nur“ eine Drogenkurierfahrt? Für die man unter bestimmten Umständen allerdings auch bereits ins Gefängnis kommen kann. Irritiert zeigte sich der die Verhandlung straff führende Richter Schröder bei der Erörterung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Angeklagten. Er hat Brunnenbauer gelernt, ist arbeitslos, allerdings nicht als arbeitssuchend gemeldet. F. bezieht auch keine Unterstützungsleistungen, unterhält aber eine Wohnung, besitzt einen hochmotorisierten Mittelklassewagen und gab – nach eigenen Angaben – bis zu 1000 Euro monatlich für seinen Kokainkonsum aus. „Wie finanzieren Sie das alles ohne regelmäßiges Einkommen und ohne jedwede sonstige Unterstützung“, fragte Richter Schröder erstaunt. Nun ja, gab F. leise und etwas stockend zurück, er arbeite schon, aber mehr wolle er dazu nicht sagen, um sich nicht selbst zu belasten.

In den zwei weiteren angesetzten Prozesstagen soll möglicherweise auch durch Zeugenladungen – elf Aussagen liegen bereits vor – geklärt werden, ob es sich bei Lars F. um einen Dealer oder einen drogensüchtigen Boten handelt. Was schlimmstenfalls in mehrjährige Haft münden kann.

wr

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