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Lauenburg Ablenkflächen sollen Roten Milan vor Rotoren schützen
Lokales Lauenburg Ablenkflächen sollen Roten Milan vor Rotoren schützen
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20:10 05.08.2014
Gewaltige Dimensionen: Kastorfs Bürgermeister Wolfgang Wiedenhöft (links) und LN-Mitarbeiter Jens Burmester vor dem Maschinenhaus einer Winkraftanlage. Quelle: Fotos: Jens Burmester
Kastorf

Dass Windenergie und Vogelschutz kein Widerspruch sind, beweisen die Verantwortlichen beim Bau des Windparks in Kastorf. Dort entstehen fünf Windenergieanlagen mit einer Höhe von teilweise bis zu 175 Metern. Zu den dort möglicherweise gefährdeten Arten zählen der Rote Milan und die Fledermaus. Dass einige dieser gefährdeten Arten an solchen Anlagen zu Tode kommen, ist nie auszuschließen. Doch beim Bau solcher Anlagen sind daher strenge Vorgaben einzuhalten.

Hier ist insbesondere der Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes zu beachten. Dort geht es um die Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte Tier- und Pflanzenarten. „Dass einige Tiere auch an Windkraftanlagen zu Tode kommen, ist nie ganz auszuschließen“, sagt Rechtsanwalt Andreas Hornig von der Firma WKN AG, die diesen Windpark derzeit errichtet. „Wir haben bei diesem Windpark sehr umfangreiche, mit der unteren und oberen Naturschutzbehörde abgestimmte Schutzmaßnahmen insbesondere für den Rotmilan getroffen, die in dieser Form nach unserer Kenntnis erstmalig in Schleswig-Holstein umgesetzt werden“, so Hornig. Erstmals seien auch die Ergebnisse eines aktuellen, im Auftrag des Bundesumweltministeriums durchgeführten Forschungsvorhabens berücksichtigt worden.

„Eine signifikante Erhöhung der Tötungsrate ist auszuschließen“, macht Hornig deutlich. Dafür haben die Planer der WKN AG diverse „Vermeidungsmaßnahmen“ ergriffen. So werden nach der Ernte der Felder die Anlagen im Umkreis von 500 Metern fünf Tage lang abgeschaltet. Das gilt vom 1. Mai bis zum 31. August. Darüber müssen Protokolle gefertigt und einmal im Jahr der unteren Naturschutzbehörde (UNB) vorgelegt werden.

Zusätzlich wurden für den Windpark sechs Ausgleichsflächen mit insgesamt 13,6 Hektar bereitgestellt. Die werden nach einem speziell dafür entwickelten und mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmten Konzept mit einer speziellen Fruchtfolge bewirtschaftet. Die Ausgleichsflächen sollen „Ablenkflächen“ für den Roten Milan werden. „Durch eine Portionsmad soll dort streifenweise geerntet werden. Das soll diese Flächen für den Greifvogel attraktiv machen und ihn ablenken“, erklärt Rechtsanwalt Hornig. Auch hier müsse alles penibel überwacht, dokumentiert und später den Behörden vorgelegt werden.

Mit den Maßnahmen machen die künftigen Betreiber des Windparks deutlich mehr, als von dem für das Bundesumweltministerium tätigen Diplom-Biologen Ubbo Mamme aus Halle/Saale und weiteren Gutachtern gefordert wird. Der Biologe hatte nur Abschaltzeiten für drei Tage im Umkreis von 200 Metern gefordert. Weil aber die Untere Naturschutzbehörde den Vorsorgegrundsatz höher angesetzt hatte, werden die Betreiber ihre Windräder an fünf Tagen im 500 Meter Radius abschalten.

Zum Schutz der Fledermäuse werden vom 15. Mai bis zum 30. September in drei der fünf Windkraftanlagen spezielle Mikrofone installiert. Die sollen die Geräusche der Fledermäuse aufzeichnen, um dann mit diesem so genannten Monitoring das Verhalten und die Zahl der Fledermäuse im Bereich des Windparks zu liefern. In den kommenden beiden Jahren soll dieses Gutachten erstellt und der UNB vorgelegt werden.

„Der Artenschutz hat seine Berechtigung“, sagt Hornig und blickt auf den großen Kran, der gerade einen Flügel zur Nabe eines Windrades emporhebt. Ende dieses Monats sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und der Windpark ans Netz gehen.

Vogelgerechte Bewertungen
Wird ein Windpark gebaut, greifen Planer und Betreiber heute auf verschiedenste Methoden zurück, um dem Vogelschutz gerecht zu werden. So können Ornithologen mit Hilfe modernster Software Landschaften vogelgerecht bewerten und bei der Planung eines Windparks entsprechende Szenarien entwerfen. Deren Visualisierung gleicht dann Wärmebildern, auf denen man leicht mögliche Bestandsveränderungen einzelner Vogelarten nachvollziehen kann.



Baubeginn des Kastorfer Windparks war im Januar 2014. Bereits Ende Mai wurden der erste Sockel betoniert. Anfang Juli wurden die ersten Bauteile der Türme geliefert. Mitte Juli stand das erste Turmteil an seinem Platz. In etwa einer Woche sollen alle fünf Anlagen fertig moniert sein.



Wenn die Anlage Ende August in Betrieb geht, wird sie maximal 15 Megawatt Strom erzeugen. Der Strom wird zunächst in ein kleines Umspannwerk vor Ort eingespeist und von dort in die 110-KV Leitung geführt.



Mit der in Kastorf erzeugten Strommenge können 12 000 Haushalte versorgt werden. jeb

Jens Burmester

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