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Lauenburg Abrechnungsbetrug vermehrt auch im Lauenburgischen
Lokales Lauenburg Abrechnungsbetrug vermehrt auch im Lauenburgischen
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21:18 13.05.2016

Betrügerische Abrechnungen beschäftigen offenbar zunehmend auch die Krankenkassen im Lauenburgischen. So meldet die AOK als größte Kasse in der Region einen signifikanten Anstieg neuer Fälle. Insgesamt seien allein in den vergangenen zwei Jahren fast 500 Hinweise auf Abrechnungsbetrug eingegangen. Im Kreis Herzogtum Lauenburg wird zur Zeit gut einem halben Dutzend Fällen nachgegangen. Vor diesem Hintergrund warnt die lauenburgische SPD davor, die „großen Zukunftsfragen“ vor allem im Pflegebereich aus dem Blick zu verlieren.

Bei der AOK Nordwest mit rund 180000 Versicherten in ganz Südwestholstein gibt es eigens eine interne Ermittlungsgruppe Abrechnungsbetrug mit sechs Mitarbeitern unter der Leitung eines Juristen.

Diese arbeite eng mit anderen Krankenkassen und der Kripo zusammen, erklärt der für die Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn zuständige Regionaldirektor Gunar Schlage. Man habe es hauptsächlich mit Luftrezepten, erfundenen Behandlungen und manipulierten Rechnungen zu tun, so Schlage weiter. „Das reicht vom ausgeklügelten Vorgehen von Apothekern und Ärzten im größeren Stil bis hin zu kleinen Delikten wie um ein paar wenige Kilometer mehr aufgeschriebenen Fahrten eines Taxiunternehmers“, erläutert der AOK-Regionalchef weiter und betont aber auch: „Die meisten Leistungserbringer bei uns in der Region rechnen korrekt ab.“ Immerhin, die meisten, doch die wenigen schwarzen Schafe brächten einen ganzen Leistungsbereich in einen schlechten Ruf.

Zur Zeit liegen bei der AOK Nordwest gesicherte Nachforderungen aufgrund aufgedeckter Betrügereien bei Abrechnungen in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro vor, für die Region Südholstein etwa im Volumen von 220000 Euro und für den Kreis Herzogtum Lauenburg allein etwa bei 50000 Euro. Auch bei den Pflegediensten gebe es Verdachtsfälle, sagte Gunar Schlage, allerdings seien dort nicht unbedingt – wie bei den jüngsten Fällen bundesweit – Dienste aus Osteuropa besonders auffällig.

Die Kassen sind offenbar, nicht zuletzt durch verstärkten Druck durch den Gesetzgeber, entschlossen, jeden Missbrauch aufzudecken und anzuzeigen. Schlage: „Das sind keine Kavaliersdelikte, das ist teils schon organisierte Kriminalität.“ Hinweise auf mögliches Fehlverhalten oder Abrechnungsbetrug im Kreis Herzogtum Lauenburg nimmt jedes AOK-Kundencenter vor Ort entgegen.

„Nicht den Blick für das Pflegethema verlieren“

Anlässlich der jüngsten Betrugsfälle durch zahlreiche Kliniken und Pflegeheime, die zu 110 staatsanwaltschaftlich angeordneten Durchsuchungen in Schleswig-Holstein geführt hatten, regt die lauenburgische SPD-Kreisvorsitzende Birgit Wille an, über eine Verschärfung gesetzlicher Regelungen nachzudenken.

„Organisierter Pflegebetrug zieht Geld aus dem System der Pflege, das dringlich gebraucht wird“, so Wille. Was jedoch auf keinen Fall passieren dürfe, sei, dass bei aller berechtigter Empörung über derartige Machenschaften die wichtigen Zukunftsfragen im Bereich der Pflege aus dem Auge verloren würden. „Dies sind vor allem der bestehende Fachkräftemangel in der Pflege und die Stärkung der pflegenden Angehörigen mit speziellen Unterstützungsangeboten. Darüber müssen wir verstärkt reden und Lösungen finden“, erklärt die SPD-Kreisvorsitzende Birgit Wille.

Matthias Wiemer

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